Das Arbeitskabinett des Fürsten Metternich. Nach einer Lithographie, Herrn Dr. Aug. Heymann gehörig.
wäre. Sie bedeutet einen Abschluß. Die Revolution hat sie
samt dem ganzen absolutistischen Königtum hinweggefegt.
Ein strammer militärischer Zug geht durch die nächsten
Jahrzehnte. Der kaiserliche Stil trägt den Bedürfnissen der
Zeit Rechnung, aber Empire ist noch sehr aristokratisch. Mit
dem Glanz der Napoleonzeit verschwand auch der Empire^
Stil; aus dem Kosmopolitismus und seinem politischen
Katzenjammer flüchtete man ins alte romantische Land,
Uhland, Eichendorff, Schubert weckten die schwärmerische
Liebe zur Natur, und ein Einschlag des ländlichen Elements,
wohl auch schon damals der Einfluß Englands in Modedingen,
führte zu den biderben, quadratischen und zylindrischen
Formen des Biedermeier-Möbels, an dem Reminiszenzen aus
dem Barock- und Empirestil als dekorative Details hängen
blieben. Das Bürgertum schafft die Formen, die es braucht.
Es will nicht glänzen, nicht präsentieren, sondern bequem
und behaglich leben. Es erfüllt seine Forderungen mit strenger
Sachlichkeit und zugleich mit einem Erfindungsreichtum, der
erstaunlich ist. Unsere Möbeltypen wurden damals geschaffen.
Und es bewahrt meistens eine Feinsinnigkeit, von der wir
uns nicht immer einen richtigen Begriff gebildet haben. Es
ist die Zeit Adalbert Stifters. Er ist der vollgültige Repräsentant
seiner Zeit. Biedermeier im besten Sinne. Er erschließt
uns die Interieurs seiner Zeit und die Interieurs
seiner Traumwelt und läßt uns alles miterleben, was wir beim
Betreten eines Altwiener Raumes heute noch nachzuempfinden
vermögen. Alle Räume dieser Art sind schwer zugänglicher
Privatbesitz, nur mehr spärlich in Vollständigkeit erhalten,
meistens als Trödelgut verschleudert, da und dort ein Stück.
DIE MUSEEN, DIE IM BANNE DER KUNSTGESCHICHTE
STEHEN, HIELTEN SICH ZU VORNEHM,
DIESE DINGE ZU SAMMELN, UND AUCH DIE LEBENSART
UNSERER GROSSELTERN ZU ZEIGEN.
Nun wird die Frage laut, was wir mit diesen verjährten
Dingen, die so freundlich zu uns sprechen, anfangen sollen.
Sie nachahmen? Das hieße ein altes Laster, das wir beim
Haupttor hinaustreiben, durch ein Hinterpförtchen wieder
hineinlassen und den Zirkel der Stilhetze mit diesem letzten
Glied schließen. Wie von allem Vergangenen, trennt uns
auch vom Biedermeier eine tiefe Kluft. Dennoch sind diese
Dinge wertvoll durch das Beispiel, das sie lehren. Sie lehren,
wie die Menschen von damals sich’s bequem und gemütlich
nach ihrer Art einrichteten und solcherart zu Ausdrucksformen
gelangten, die organisch aus dem Leben und seinen
Forderungen hervorgegangen waren, vielleicht hie und da
ein bißchen unbeholfen und schwerfällig, im ganzen aber unbekümmert,
treuherzig und bieder. Sie lehren, daß wir es
auch so machen müssen. Der Lebende behält Recht. Viele
Dinge sind konstruktiv so vollkommen, daß man sie fast
unverändert aufhehmen könnte, wenn nicht unsere Zeit doch
wieder ihre eigene Art hätte, sich auszuprägen. Was uns
von Biedermeier trennt, sechzig, achtzig Jahre einer technischen,
sozialen, wirtschaftlichen, künstlerischen Entwicklung
müssen durchgreifende Veränderung des Lebensbildes herbeiführen.
Schämen wir uns der Gegenwart nicht. Während
vor dem Hause das Automobil, das Fahrrad, die elektrischen
Bahnen vorbeirasen, können wir im Innern des Hauses, wo
wir alle technischen Vorteile auszunützen suchen, vom Telephon
bis zu den elektrischen Glühkörpern, nicht den historischen
Biedermeier spielen. Das hieße, da wir uns eben alt-147