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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 1. Jahrgang 1904/05

Nach einem Entwurf aus zirka 1820, Herrn Dr. Aug. Heymann gehörig. 
Bürgerliche Wohnung. 
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malmaß war früher 61 cm vom Boden. Querstangen zwischen 
den Beinen sind durchaus zu vermeiden. Zur Festigkeit 
sind sie gar nicht nötig, ebensowenig wie beim Stuhl, und 
nur in der Bauernstube, wo das Holz gewaschen werden 
kann und die Abnutzung nicht stört, läßt man sich das Auf- 
steilen der Füße gefallen. Ausziehtische müssen praktische 
Rollen haben. Bei den alten Hamburger Möbeln, die auf 
Rollen gehen (außer den Speisetischen, namentlich den Schreib 
tischen und Betten, bei letzteren sind sie der Reinigung 
wegen absolut nötig), achtete man sehr sorgfältig auf die 
Konstruktion. Die Rolle darf den Fußboden oder den Teppich 
nicht angreifen. Moderne Rollen haben oft die üble Gewohn 
heit, sich in das Holz des Bodens einzuwühlen, daß es 
Splitter gibt. Mehr Schrank oder mehr Tisch, je nach den 
Leistungen, die verlangt werden, sollte der Schreibtisch seinem 
Besitzer besonders angemessen werden. Auszugehen ist von 
der Bestimmung der Höhe, die auf Millimeter mit dem 
Körper stimmen muß. Bei schrankartigen Formen ist für 
die Klassifikation der Papiere die sorgfältigste Vorbereitung 
zu treffen. Alte Hamburger Schreibtische haben fast alle die 
Vorrichtungen, durch die sich die modernen amerikanischen 
auszeichnen. Wer sich einen Schreibtisch bauen läßt, sollte 
sich vorher sehr genau über das bereits erreichte Maß an 
Bequemlichkeit unterrichten. Er wird es heute am besten 
durch das Studium der Amerikaner lernen. 
Bei Kleiderschränken ist darauf zu achten, daß die Riegel 
nicht zu hoch angebracht werden. Je niedriger, desto bequemer. 
Die vorteilhaftesten Vorrichtungen dürften Stangen sein, auf 
denen die „Schultern“ und Strecker hin und her geschoben 
werden können. Ein Hutbort über den Riegeln ist sehr 
bequem. Er findet sich schon in den Hamburger Kleider 
schränken vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Die Schub 
kasten am Boden werden am besten für das Fußzeug 
benützt“. 
Biedermeier als Erzieher — sein Werk ist mit dem Mobiliar 
noch lange nicht erschöpft. Aber so nahe verhältnismäßig 
seine Zeit liegt, so wenig weiß man von ihren fruchtbaren 
und entwicklungsfähigen Ansätzen einer lokalen Kunst und 
Kultur. Man ist schnell bereit zu sagen, die damalige Zeit 
habe keine Kunst besessen. Man übersieht vollständig, daß das 
Schaffen, das damals allerdings keine monumentale Kunst 
hervorgebracht hatte, um so intensiver die überaus wichtige 
Kleinarbeit auf allen Gebieten der Formgebung gepflegt, und 
die heute beinahe ausgestorbene Erscheinung einer allgemein 
persönlichen und volksmäßigen Kultur geliefert hat. Die aus 
gezeichneten handwerklichen und kunstgewerblichen Lei 
stungen, die künstlerische Hausarbeit oder die häusliche 
Kunstpflege, die feinen Sitten des persönlichen Verkehrs 
und die sonstigen künstlerischen Merkmale einer ent 
wickelten Familienkultur, von den ex libris-artigen Visit- 
karten bis zu den Hauschroniken literarischen Wertes harren 
noch der Wiederbelebung und sind ebenso charakteristisch 
für die Zeit, wie zahlreiche Bildnisse berühmter und un 
berühmter Zeitgenossen, als Ölbild, Stich, Miniatur oder 
Lithographie in zeichnerisch fast immer guter Darstellung, 
davon unser Bild vom „silbernen Kaffeehaus“, das alle 
Wiener Berühmtheiten der damaligen Epoche zu seinen 
Gästen zählte, als Probe gelten kann. 
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