Nach einem Entwurf aus zirka 1820, Herrn Dr. Aug. Heymann gehörig.
Bürgerliche Wohnung.
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malmaß war früher 61 cm vom Boden. Querstangen zwischen
den Beinen sind durchaus zu vermeiden. Zur Festigkeit
sind sie gar nicht nötig, ebensowenig wie beim Stuhl, und
nur in der Bauernstube, wo das Holz gewaschen werden
kann und die Abnutzung nicht stört, läßt man sich das Auf-
steilen der Füße gefallen. Ausziehtische müssen praktische
Rollen haben. Bei den alten Hamburger Möbeln, die auf
Rollen gehen (außer den Speisetischen, namentlich den Schreib
tischen und Betten, bei letzteren sind sie der Reinigung
wegen absolut nötig), achtete man sehr sorgfältig auf die
Konstruktion. Die Rolle darf den Fußboden oder den Teppich
nicht angreifen. Moderne Rollen haben oft die üble Gewohn
heit, sich in das Holz des Bodens einzuwühlen, daß es
Splitter gibt. Mehr Schrank oder mehr Tisch, je nach den
Leistungen, die verlangt werden, sollte der Schreibtisch seinem
Besitzer besonders angemessen werden. Auszugehen ist von
der Bestimmung der Höhe, die auf Millimeter mit dem
Körper stimmen muß. Bei schrankartigen Formen ist für
die Klassifikation der Papiere die sorgfältigste Vorbereitung
zu treffen. Alte Hamburger Schreibtische haben fast alle die
Vorrichtungen, durch die sich die modernen amerikanischen
auszeichnen. Wer sich einen Schreibtisch bauen läßt, sollte
sich vorher sehr genau über das bereits erreichte Maß an
Bequemlichkeit unterrichten. Er wird es heute am besten
durch das Studium der Amerikaner lernen.
Bei Kleiderschränken ist darauf zu achten, daß die Riegel
nicht zu hoch angebracht werden. Je niedriger, desto bequemer.
Die vorteilhaftesten Vorrichtungen dürften Stangen sein, auf
denen die „Schultern“ und Strecker hin und her geschoben
werden können. Ein Hutbort über den Riegeln ist sehr
bequem. Er findet sich schon in den Hamburger Kleider
schränken vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Die Schub
kasten am Boden werden am besten für das Fußzeug
benützt“.
Biedermeier als Erzieher — sein Werk ist mit dem Mobiliar
noch lange nicht erschöpft. Aber so nahe verhältnismäßig
seine Zeit liegt, so wenig weiß man von ihren fruchtbaren
und entwicklungsfähigen Ansätzen einer lokalen Kunst und
Kultur. Man ist schnell bereit zu sagen, die damalige Zeit
habe keine Kunst besessen. Man übersieht vollständig, daß das
Schaffen, das damals allerdings keine monumentale Kunst
hervorgebracht hatte, um so intensiver die überaus wichtige
Kleinarbeit auf allen Gebieten der Formgebung gepflegt, und
die heute beinahe ausgestorbene Erscheinung einer allgemein
persönlichen und volksmäßigen Kultur geliefert hat. Die aus
gezeichneten handwerklichen und kunstgewerblichen Lei
stungen, die künstlerische Hausarbeit oder die häusliche
Kunstpflege, die feinen Sitten des persönlichen Verkehrs
und die sonstigen künstlerischen Merkmale einer ent
wickelten Familienkultur, von den ex libris-artigen Visit-
karten bis zu den Hauschroniken literarischen Wertes harren
noch der Wiederbelebung und sind ebenso charakteristisch
für die Zeit, wie zahlreiche Bildnisse berühmter und un
berühmter Zeitgenossen, als Ölbild, Stich, Miniatur oder
Lithographie in zeichnerisch fast immer guter Darstellung,
davon unser Bild vom „silbernen Kaffeehaus“, das alle
Wiener Berühmtheiten der damaligen Epoche zu seinen
Gästen zählte, als Probe gelten kann.
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