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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 1. Jahrgang 1904/05

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Umschwung genommen, überall ist von „Heimatkunst die 
Rede, und namentlich die Baukunst sucht mit Eifer die ur 
wüchsigen, bodenständigen Formen neu zu beleben. Der 
Kosmopolitismus, der aus dem unendlich erleichterten und 
gesteigerten Verkehr zwischen den Völkern hervor gegangen ist, 
hat anderseits als natürliche Gegenströmung eine starke Regung 
des nationalen Gefühles bewirkt, und wir sehen die meisten 
unserer Nachbarn gegen den kosmopolitisch-banalen Stil an 
kämpfen, um der heimisch nationalen Bauart Bahn zu brechen. 
Diese nationale Bewegung im Bauwesen tritt besonders kräftig 
in Deutschland, England, Holland und Belgien zutage, wahrend 
die romanischen Völker mehr oder weniger ihren klassischen 
Traditionen treu geblieben sind. In der Schweiz, wo sich die 
Strömungen aus Nord und Süd begegnen und vermischen, 
ist man nur zu leicht geneigt, je nach Rassengefühl und Landes 
teil, diesen oder jenen ausländischen Einflüssen nachzugeben, 
anstatt sich zuversichtlich auf den eigenen Boden und die 
eigene Vergangenheit zu stellen und aus dieser die Anregungen 
und Vorbilder für die Zukunft zu gewinnen. 
Die Häuser einfachster Art sind immer gemäß den Bedürf 
nissen ihrer Bewohner erbaut, ohne Künsteleien des Stils 
und der Dekoration, aber mit der aufrichtig bekundeten Ab 
sicht, ein nützliches, bequemes und gesundes Haus herzustellen. 
Diese Bauernhäuser zu Berg und Tal, diese alten Bürger 
häuser der Städte, sind für den Baukünstler manchmal, wenn 
auch nicht Vorbilder zur Nachahmung, so doch ungemein 
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