Die „Fesselung", worunter sonst nur die Anlegung von
Hand' oder Fußschellen verstanden wird, ist der sechste
Punkt, die Dunkelhaft der neunte. Eine Kombination
von Fesselung und Dunkelhaft ist nirgends in der Haus'
Ordnung enthalten. Vom Leibring, einer Garstener Speziali'
tat, ist in der ganzen Hausordnung nicht mit einem Wort
die Rede! Und der Leibring ist eine viel barbarischere
Züchtigung des Sträflings wie die Fesselung, weil der
Sträfling seine Stellung während der ganzen Zeit fast
gar nicht verändern kann. . . Daß die Sträflinge hier
bald „mürbe“ werden, habe ich dem Herrn Beamten
wohl geglaubt. Auch daß man hier alle halbe Stunden
nachsehen muß, wie es mit dem Korrigenden steht! . . .
TECHNIK UND KUNST DES BUCH'
EINBANDES.
DER KÜNSTLER GING AUS DEN HAND'
WERKERN HERAUS UND LIESS SIE OHNE
HOFFNUNG AUF ERHEBUNG ZURÜCK,
WÄHREND ER OHNE DIE HILFE VER'
STANDNISVOLLER, SORGSAMER TEIL'
NÄHME BLIEB. UND DER HANDWERKER,
DEN DER KÜNSTLER HINTER SICH ZU'
RUCKGELASSEN HAT, ALS DIE SCHEIDUNG
DER KÜNSTE EINTRAT, MUSS IHN EIN'
HOLEN, MUSS WIEDER SEITE AN SEITE
MIT IHM ARBEITEN.
ICH WEISS, WELCHE UNGEHEUEREN HIN'
DERNISSE, SOZIALE UND WIRTSCHAFT'
LICHE, SICH DEM IN DEN WEG STELLEN;
DOCH ICH GLAUBE, DASS SIE GRÖSSER
ZU SEIN SCHEINEN ALS SIE SIND: UND
EINES WEISS ICH GEWISS, DASS KEINE
WIRKLICH LEBENDE DEKORATIVE KUNST
MÖGLICH IST, WENN DIES UNMÖGLICH
IST. WILLIAM MORRIS.
WAS MAN VON DER PFLEGE DES BUCHES WISSEN
SOLL.
D em englischen Buchbinder Douglas Cockerell ist die
sachliche Kenntnis der technischen Entwicklung des
Buches und des Einbandes zu danken. Das künstleri'
sehe Moment des Einbandes entwickelt sich im engen
Zusammenhang mit der Technik; beides zu kennen, ist
wichtig für die persönliche formale Bildung, deren Grad
untrüglich an der Art zu messen ist, wie man ein Buch in
die Hand zu nehmen, zu öffnen und zu pflegen gewohnt ist.
Von der „Überkunst“ die an den fürchterlichen Prachtein'
bänden seit ungefähr 1870 in Schwang kam, ist nicht weiter
die Rede; gelegentlich aber gibt es Bücher, die der Buch'
binder verschwenderisch schmücken kann, Bücher, die bei
wichtigen Zeremonien, wie Altarbücher, benutzt werden. Sie
werden nur kleine prächtige Stellen bilden in einer großen
Kirche oder Kathedrale, und man kann ihnen nicht den Vor'
wurf der Überladung machen, solange die Dekoration eine
gute ist. So mag jemand gelegentlich ein Buch haben, an
dem er aus irgend einem Grunde mit großer Zuneigung
hängt, und daß er in Schönheit einzuhüllen wünscht; er
mag es dem Buchbinder überlassen, es nach seinen besten
Kräften zu schmücken. Wenn ein Zimmer und alles darin
mit einem reichen Muster geschmückt ist, dann würde irgend
etwas mit einer einfachen Oberfläche als Rast für das Auge
willkommen sein; aber in einem Zimmer, das vernünftiger'
weise von solchem Schmuck frei ist, sollte eine Stelle
reicher Dekoration willkommen sein. Während aus dem
XV. und XVI. Jahrhundert und noch aus früherer Zeit Ein'
bände existieren, die sich in ausgezeichneter Verfassung be'
finden, ist erwiesen, daß 90 Prozent der in den letzten
30 Jahren in Leder gebundenen Bücher während der nächsten
30 Jahre umgebunden werden müssen. Die Ursachen des
vorzeitigen Verfalls wurden von einem aus Lederfabrikanten,
Buchbindern, Bibliothekaren etc. gebildeten Komitee der
Society of Arts in London systematisch untersucht und end'