Stadt Steyr.
Der Stadtplatz mit
dem Rathaus.
Der Brunnen auf
dem Stadtplatz.
heutigen Gesellschaft, wie groß auch im sonstigen ihre BildungS'
elemente sein mögen, erscheinen. Das Gute, das die Kunst'
erziehung zunächst bringt, ist der Hinweis auf das heimat'
liehe Moment in der Kunst, auf die natürlichen Grundlagen
und Tradition der Heimat, die überall schon eine charakte'
ristische, d. h. organische Formenwelt hervorgebracht hat und
durch diese Beispiele lehrt, daß eine wirklich sachliche Kunst
zugleich die Individualität frei macht. Nur darf diese Art von
Heimatkunst nicht als Motivenjägerei verstanden und geübt
werden. Sonst tritt wieder nichts anderes zutage als eine
Stilkopie, die vielleicht anheimelnder sein mag als die auf
der heimatfremden Renaissance aufgebaute Stilmeierei, die
aber im Grunde genommen nicht höher steht als jede andere
mehr oder weniger geschickte spielerische Anwendung fertiger
Formen. Die alten Baumeister schufen auf Grund ihrer
Empfindung für das, was des Lebens Notdurft heischte; der
Natur und den menschlichen Dimensionen sowie den vielfach
differenzierten Bedürfnissen des individualisierten Daseins
waren ihre Konstruktionsformen entlehnt; die Ästhetik ergab
sich von selbst, als das ungesuchte Ergebnis vollkommen
erfüllter Notwendigkeiten. Diese alte Meisterlehre ist an den
Stirnen der alten Häuser zu lesen, sowie an allem, was die
alte Kultur mit ihren vielfach einfacheren Mitteln in Stein,
Holz, Metall geschaffen, um das nackte Leben zu umkleiden
und auszustatten, von den monumentalsten Bauwerken bis
zu den geringsten Nutzgegenständen herab, die alle als Glieder
der Architektur verstanden und in diesen Begriff, als der
formschöpferischen Kraft, einzubeziehen sind.
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Eine Wanderung durch das Schloß Steyr führt ein langes Stück
durch die kunstgewerbliche und künstlerische Vergangenheit der
Stadt. Wie in allen Fürstenstädten ist das Schloß der SammeL
punkt aller Künste und Gewerbe. Es ist Waffensammlung,
Gemäldegalerie, Kunstgewerbemuseum, Raritätenkabinett,
Bibliothek, alles in einem. Seine Interieurs sind geradezu
vorbildlich, was die Möbel angeht, die aus der besten Zeit
um 1800 bis 1850 stammen. Ein solcher Strahlenkern, in dem
alle künstlerischen und kunstgewerblichen Betätigungen seit
zwei bis drei Jahrhunderten zusammenschießen, wirft natür
lich sein belebendes Licht wieder zurück in die bescheidensten
Stätten des Kunstgewerbefleißes und wirkt an der Produktion
als Geschmackskoeffizient mit, der mit dem bürgerlichen
Bedarf eigentlich nichts mehr gemein hat.
Es ist zum guten Teil höfische Kunst, die sich im Schlosse
vorfindet und an der der heimische Fleiß redlich mitgeschaffen
hat. Der Begriff: höfische Kunst ist mit der Renaissance-
zeit heraufgekommen und enthält einen gewissen Gegensatz
zur vorangehenden gotischen Kultur, die vollkommene Volks-
kunstwar. Wie es der Doppelnatur der historischen Stadt Steyr
entspricht, besitzt sie in ihrem bürgerlichen und bäuerlichen
Element das Kulturinventar jener älteren volkskünstlerischen
Epoche noch zum erheblichen Teil, ja es ist sogar bis auf den
heutigen Tag ein lebendiges Stück im Organismus der Stadt,
soweit sie Bürgerstadt, oder im gewissen Sinne Bauernstadt ge
blieben, während die höfische Kunst als abgestorbene Blüte nur
im Ornament ein herbarisches Dasein führt und nicht an die
Wurzel des volkstümlichen Formenwesens, also nicht an
das konstruktive Element, rührt, das der Hauptsache nach
auf uralter Herkunft beruht, auf gotischer Überlieferung, auf
gut bäuerlicher und in seiner Umwertung bürgerlicher Lebens
gewohnheit, die, von den Naturverhältnissen bestimmt, die
notwendige natürliche Grundlage für die formschöpferische
Kraft liefert. * *
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Im innersten Kern der Bürgerstadt lebt also uraltes künst
lerisches Volksgut, das von der vorübergehenden Fürsten
kunst, die dem alten Stamme aufgepfropft wurde, wie das
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