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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 1. Jahrgang 1904/05

barocke Schloß der mittelalterlichen wehrhaften^Burg, nicht 
wesentlich berührt wurde. Was davon der Vergangenheit 
angehört und abgestorben ist, findet man zum Teil in der 
interessanten, von Herrn und Frau Kautsch begründeten 
Sammlung für Volkskunde und Volkskunst, die im Gewerbe-- 
vereinsgebäude untergebracht ist. 
Was aber von diesem volkskünstlerischen Erbe noch am 
Leben ist, findet sich im HAUSBAU vor, im Bauernhof der 
Umgebung und in dem daraus entwickelten alten Stadt' 
hause, ebenso gut wie in der schon eingangs erwähnten, aus 
dem alten Stadthause entwickelten mittelalterlichen Stadtam 
läge, die ein Zellensystem darstellt, das sich aus strategischer 
Notwendigkeit herausbildet, eng um den Burgfelsen zu' 
sammengerückt, mit wehrhaften Mauern und engen Gassen 
zu diesem als dem Verteidigungskern und befehlenden Haupt 
hinanziehend, während es sich in seinem unteren Teile für die 
niederen Funktionen seines Daseins, die Lebensmittelzufuhr, 
den Marktverkehr und ähnliche Bedürfnisse zum Stadtplatz 
erweitert, der später zum Hauptsitz der autonom gewordenen 
Bürgerschaft wird. In diesem Zellensystem ist jede Einzel- 
zelle, das heißt jedes Stadthaus ein Organismus für sich. 
Der Hof ist die eigentliche Hauptseite des altsteyrischen 
Stadthauses, das solcherart so recht von innen nach außen 
gewachsen erscheint und seine bäuerliche Herkunft nicht 
verleugnen kann. Auch der oberösterreichische Bauernhof 
in seiner viereckigen geschlossenen Erscheinung, mit den 
starken wehrhaften Wandungen nach außen hat etwas Burgern 
mäßiges. Die Hauptseite ist die Hofseite. Das wirtschaftliche 
und familiäre Leben spielt sich hierin ab; unter dem vor' 
springenden Dach läuft im Hof ein hölzernes Stützgebälk, 
das einen offenen oder geschlossenen Gang trägt. Das ist die 
charakteristische Urform, die das Stadthaus aus seiner bäuer' 
liehen Abstammung beibehalten hat. Das hölzerne Gebälk 
ist freilich ein Steingebälk geworden, die offenen Lauben' 
gänge bauen sich in mehreren Stockwerken übereinander 
auf, das landwirtschaftliche Moment kommt naturgemäß in 
Wegfall, was mit sich bringt, daß der Hof kleiner wird, aber 
er entwickelt dafür um so stärker das ästhetische Moment der 
Wohnlichkeit. Die Hauptschönheit der Altsteyrer Bauweise 
liegt im Innern, in den entzückenden Höfen, und diese sind 
Stadt Steyr. 
Verschiedene 
alte Haustypen. 
Altes Gäßchen. 
198
	        
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