BESTIMMUNGEN DER ENGLISCHEN GE/
SELLSCHAFT ZUR ERHALTUNG ALTER
BAUWERKE.
(Fortsetzung.) Bestimmte Mischungsverhältnisse können
nicht gegeben werden, weil die Qualitätsunterschiede der Ingres
dienzien verschiedene Mengenverhältnisse herbeiführen; aus
diesem Grunde wird man zum Rechten nur durch jeweilige Ver/
suche vor dem Arbeitsbeginn gelangen. Hat man sich für Zement
und Sand oder Kalk und Sand als Baumaterial entschlossen, so
kann man binnen einer Stunde zur Probe vier Blöcke aus
Ziegel oder Mauerwerk an einem schattigen Ort errichten und
die Mischungsverhältnisse von Zement oder Kalk abgestuft
anwenden, so daß der erste Block den höchsten Zusatz an
Zement und der letzte Block den geringsten Zusatz hat.
Das Ergebnis der Zementprobe kann nach zwei oder drei
Tagen beurteilt werden. Schon am nächsten Tag kann man
sich eine annähernde Meinung darüber bilden. Nach 24 Stunden
muß die Mischung dem Fingerdrucke widerstehen und darf
nur eine leichte Spur davontragen, und wenn man am nächsten
Tag mit einer Messerklinge unter mäßigem Nachdruck hinein/
stechen kann, ist die Mischung gut gewählt.
Bei Verwendung von gutem Kalk ist zu erwarten, daß der
Mörtel in ungefähr einem Tage sich setzt, in einer Woche
ziemlich hart wird und in vierzehn Tagen fest genug ist,
um die oberen Lasten zu tragen. Je weniger Sand, desto
schneller setzt sich jede Art Mörtel. Wenn Ziegel oder poröses
Gestein verwendet wird, muß es mit asser gut angesaugt
werden, denn es darf nicht vergessen werden, daß keine gute
Arbeit mit einem Material zu stände kommen kann, das
Wasser aus dem Mörtel zieht. Das Einfeuchten des Baumaterials
erhöht allerdings die Frostgefahr; daraus folgt, daß wichtige Bau/
teile überhaupt nicht bei Frostwetter ausgeführt werden sollen.
Was vom Mörtel gesagt ist, gilt gleicherweise vom Beton.
Kalk, Zement, Sand, zerkleinertes Steinwerk und andere Be/
standteile müssen trocken gut gemischt und dann mit Wasser
vermittels der Rose gesprengt werden. Dabei ist zu achten,
daß nicht zu viel Wasser verwendet wird, weil es sonst beim
Setzen zu Kontraktionen kommt. Für Beton ist eher mehr
Zement oder Kalk erforderlich als für Baumörtel. Es ist
vorteilhaft, wenn der Stein für Beton sehr klein geklopft
wird, jeder Stein nicht zwei Zoll dick, denn wenn das Stein/
material zu groß und infolgedessen auch das Bindemittel
in großen Stücken ist, so ist das eine Ursache der Unhalt/
barkeit. Vorteilhaft ist es, wenn harter Ziegel verkleinert
und mit Stein oder Kiesel gemischt wird, weil Ziegel die
Feuchtigkeit hält und sie abgibt, in dem Maße, als Zement
oder Kalk zu erstarren anfängt. Aus Sparsamkeit werden
bei Verwendung großer Mengen Beton breitere Steine ein/
gebettet, weil der Verbrauch von Zementmaterial dadurch
vermindert wird, doch dürfen in einem solchen Falle die
Steine einander nicht berühren. Für Beton muß auch Sand
angewendet werden, wenn beim Klopfen der Steine oder
Ziegel nicht genug Schutt, der den Sand ersetzen würde,
ab gefallen ist. Fünf Teile Stein, drei Teile Sand, ein Teil Zement
ist die stärkste Mischung, die je angewendet wird. Guter
scharfer Sand ist genau so wichtig wie guter Zement. Man
vermehre Zement, wenn der Sand nicht scharf genug ist,
und wasche den Sand, wenn er schmutzig ist.
Wird Beton zur Fundierung verwendet, dann sei man dessen
eingedenk, daß, je mehr es in Breite ausgedehnt werden kann,
je größer die Tragfläche ist, die es auf dem Grund hat (vor/
ausgesetzt, daß es dick genug aufgetragen wird, um nicht
unter dem darauflastenden Gewicht einzubrechen), desto
geringer ist die Gefahr, daß es sich setzt.
Moos und Flechte soll vom Mauerwerk um keinen Preis
entfernt werden, außer wenn es in den Schichten und Fugen
vorkommt, die gereinigt und ausgebessert werden müssen.
Erwähnung verdient, daß, wo Moos und Flechte den Stein
überzogen, das Mauerwerk intakt befunden wurde; allein in
unseren Städten entwickelt sich auf dem Mauerwerk niemals
Vegetation.
Es ist zweifellos, daß Wasserfarben oder Kalkanstrich die
Mauern gegen die verderblichen Einflüsse von Rauch und
chemischen Gasen, die die Oberfläche vieler unserer alten
Bauwerke zerstören, schützt, und deshalb ist es ein ausge/
zeichneter Vorgang, dieselben durch Wasserfarbenanstrich zu
konservieren. Man wird finden, daß Kalk in kochendem
Wasser gelöst (er braucht nicht heiß aufgetragen werden)
sehr fest haftet; selbst wo der Stein zu zerbröckeln begonnen
hat, wird der wiederholte Anstrich dieser Art den weiteren
Verfall hemmen. Neuestens wurden Proben mit chemischen
Konservierungsmitteln gemacht, aber es läßt sich über deren
allgemeine Gebrauchsfähigkeit noch kein Urteil abgeben.
Wo es notwendig ist, die Fugen eines alten Mauerwerks neu
auszufüllen, müssen sie gut ausgekratzt Werden, und zwar
ebenso tief, als sie breit sind; größere Tiefe ist oft noch besser.
Die Fugen müssen erst gut durchfeuchtet und der Mörtel
gehörig hineingepreßt werden. Die neuen Fugenspuren dürfen
nicht geschnitten, liniiert oder in irgend einer modernen Art
behandelt werden, sondern sie müssen absolut flach, in einer
Ebene mit der Mauerfläche gehalten und der Mörtel für die Fugen
nur aus Kalk und reinem scharfen Sand zusammengesetzt
werden ohne Beimischung irgendwelcher farbiger Bestandteile.
DÄCHER.
Bei Ausführung von Dachreparaturen ist es zuweilen not/
wendig, das Dach abzudecken, doch soll nicht mehr abgedeckt
werden, als mit Dachpappe verdeckt werden kann. Dachsparren
und Gebälke, die neu "eingedeckt werden sollen und, bevor
sie ganz ausgetrocknet sind, durch das geöffnete Dach vom
Regen neu eingenäßt werden, sind auf dem besten Wege
zum gänzlichen Verfall, abgesehen davon, daß der Regen im
Inneren eines Gebäudes große Verheerung anrichtet. Jeder
Balken muß geprüft, ausgebessert oder erneuert werden, je
nachdem es erforderlich ist. Kein gesunder Balken soll heraus/
genommen werden; wo er teilweise verfallen, kann er durch
eiserne Bänder befestigt werden, und wo mehr notwendig
ist, soll ein neuer Balken an den alten angefalzt und am
genutet werden. Große Sorgfalt muß auf die Untersuchung
der Balken gewendet werden, denn die weichen Holzteile
unter der Borke (Alburnum) zerfallen oft und erwecken den
Glauben, daß der Balken ungesund ist. Wenn aber ein Bohrer
angesetzt wird, stellt sich häufig heraus, daß der Bohrer, nach/
dem er diese Schicht durchdrungen, nichtmehr angreift, weil ihn
die Härte des Holzes nicht weiterläßt. Ein solcher Balken
muß natürlich erhalten bleiben. Der Verfall der äußeren Schicht
hat allerdings die Neigung, sich noch immer auszubreiten,
weshalb die zerstörte äußere Lage weggeschnitten werden muß.
Es kommt vor, daß die eingedrungene Feuchtigkeit auch
das Innere angegriffen hat; man braucht in diesem Falle den
Balken nicht zu entfernen, es genügt, die schadhafte Schicht
zu entfernen und die Stellen zu verstärken. Zerstörte oder
fehlende Ornamente sollen auf keinen Fall erneuert werden.
Was noch vom Alten übrig ist, hat hohen Wert; dieser Wert
wird erheblich vermindert sein, wenn neues, nachgeahmtes
Werk eingefügt wird. Der neue Balken soll so belassen werden,
wie er von der Säge kommt, er soll unter keinen Umständen
bemalt, gefirnist oder einer ähnlichen Behandlung unterzogen
werden, ebensowenig wie das alte Gebälk. (Fortsetzung.)