BÜCHER, DIE MAN LESEN SOLL.
GEDANKEN ÜBER STIL IN DER BAUKUNST. Von H. P. BERLAGE,
Verlag JULIUS ZEITLER, Leipzig 1905.
ine ausgezeichnete kleine Schrift, deren Hauptgedanken der Autor
in folgenden Worten formuliert:
Im Anfang jeder großen Kulturperiode war das richtige architektonische
Prinzip vorherrschend, d. h. das Prinzip der guten unverfälschten
Konstruktion.
Davon habe ich mich in meiner Arbeit ebenfalls leiten lassen, aber,
in Einklang mit den vorher entwickelten Betrachtungen, mich be-
schränkt auf die größte Einfachheit und bei Aufbau und Verzierung
nach Lösungen gesucht, die mir am natürlichsten vorkamen.
Dazu möge nachstehende Erläuterung dienen, die daher als eine Inter-
pretation jenes allgemeinen Prinzips aufgefaßt werden muß. Indes
Architektur ist die Kunst der Raumumschließung, so ist daher auf
den Raum, in architektonischer Beziehung, konstruktiv sowie dekorativ
der Hauptwert zu legen, und ein Gebäude soll daher nicht in erster
Linie Manifestation nach außen sein.
Eine Raumumschließung wird hergestellt durch Mauern; daher mani
festiert sich der Raum oder verschiedene Räume nach außen als ein
mehr oder weniger zusammengestellter Komplex von Mauern.
Auf die Mauer fällt daher in diesem Sinne wieder der gebührende
Wert, daß dieselbe ihrer Natur nach flach bleiben soll, denn eine zu
sehr gegliederte Wand verliert ihren Charakter als solche.
Die Architektur der Wand bleibe daher Flächendekoration. Die vor
springenden Architekturteile bleiben beschränkt auf diejenigen, die
durch die Konstruktion geboten sind, wie Fensterstürze, Wasserspeier,
Rinnen, einzelne Gesimse u. s. w. Aus dieser sogenannten „Architektur
der Mauer“, wobei die vertikale Gliederung von selbst wegfällt, folgt
weiter, daß die eventuellen Stützen, wie Pfeiler und Säulen, keine
vorspringenden Kapitelle erhalten, sondern daß die Entwickelung der
Übergänge sich innerhalb der Mauerfläche gestaltet.
Die eigentliche Flächendekoration bilden die Fenster, die natürlich
nur dort anzubringen sind, wo dieselben nötig und alsdann in den
betreffenden verschiedenen Größen.
Diese Anordnung schließt natürlich das Anbringen von einzelnen
farbigen und bildnerischen Verzierungen nicht aus; nur sollen dieselben
nicht vorherrschen und soll mit der größten Sorgfalt die richtige Stelle
gesucht werden, wo sie anzubringen sind. Dem Prinzip gemäß sollen
sie Flachornamente bleiben, d. h. in der Mauer vertieft und sollen
sogenannte Figuren, schließlich verzierte Mauerteile bilden.
Man soll vor allen Dingen die nackte Wand wieder in all ihrer schlichten
Schönheit zeigen und alle Überladenheit aufs peinlichste vermeiden.
Schließlich zeigt sich, abgesehen von jener individuellen Interpretation,
dasselbe Prinzip im allgemeinen:
1. im Ägyptischen Stil.
2. im Griechischen Stil, und zwar besser am Antentempel als schon
am Peripteraltempel.
3. im Römischen Stil, wo derselbe noch nicht das Säulenschema
(fälschlich) vorsetzt.
4. im Mittelalterlichen Stil, einschließlich Romanische Arbeiten; die
Gotik verirrt sich bald in ein verwirrendes Formen- und Linienspiel.
5. in der Frührenaissance, wie sie noch unter dem Einfluß der mittel
alterlichen Kunst war; sehr bald aber nimmt sie das klassische Säulen
schema als Wanddekoration auf und damit wird das richtige Prinzip
verlassen. Allmählich wird sie Dekorationsstil, in dieser Richtung ist
dann der Rokokostil wieder der beste.
BALKONGÄRTNEREI UND VORGÄRTEN. Von JOHANNES BÖTTNER,
Verlag TROWITZSCH & SOHN, Frankfurt a. d. Oder,
n dem nervenzerrüttenden, hastenden Treiben unseres heutigen Er
werbslebens bietet die Beschäftigung mit der Natur und der Pflanzen
welt eine wohltuende Abwechslung und Erholung für die wenigen Muße
stunden, die dem Menschen verbleiben. Bei den Pflanzen ist Ruhe.
Die stille, liebevolle Pflege der Pflanzen birgt ungekannte Freuden und
wirkt erfrischend und erwärmend auf den Geist, das Herz und das
Gemüt.
Leider haben die Bewohner der Großstädte wenig Gelegenheit, sich
mit der Pflege von Blumen zu beschäftigen, und für die meisten von
ihnen muß es zeitlebens ein frommer Wunsch bleiben, ein eigenes
Heim mit Gärtchen zu besitzen. Aber dem Bedürfnis nach Freude an
der Pflanzenwelt wird neuerdings für den Großstädter wenigstens da
durch Rechnung getragen, daß an der kleinsten Wohnung ein Balkon
angebracht wird. Und wie weiß man, an die Enge der Räume gewöhnt,
solch Stückchen Wohnung in der freien Luft zu schätzen! Sehr hübsch
schreibt darüber eine Berlinerin, A. Ploschow, in einer Zeitungsplauderei:
„Diese grünumrankten, blumengeschmückten Ausbauten geben unserem
einförmigen Straßenbilde einen liebenswürdigen Zug, und wenn einem
Berliner die Wahl gelassen wird zwischen einer Wohnung mit und
ohne Balkon, zieht er unbedingt die erstere vor, mag sie auch sonst
recht viele Mängel aufweisen. Der Balkon ersetzt ihm vieles. Er dient ab
wechselnd als Kinderzimmer, Speisekammer, Gartenrestaurant, Studier
stube und Sommerfrische. Er begreift oft alles in sich, was der Groß
städter vom Umgang mit der Natur in sein tägliches Leben ein
beziehen kann.“
Der Inhaber des Balkons wird zum Gärtner, indem er hier Blumen
aufstellt und, solange das Wetter im Freien es erlaubt, im Freien
pflegt. Ja, gar mancher ist wohl schon aus den kleinen Anfängen der
Balkongärtnerei heraus zum begeisterten Gartenfreund geworden, dem
es später so auch möglich wurde, ausgedehntere Anlagen zu schaffen.
Für die gärtnerische Behandlung erweist sich das Büchlein als aus
gezeichneter Führer.
DIANA VOM KREUZWEG. Von GEORGE MEREDITH. Deutsch von
FELIX PAUL GREVE. 2 Bände in i Band, brosch. M. 4.50, gebd. M. 5-50.
J. C. C. BRUNS Verlag, Minden i. W.
iana vom Kreuzweg ist ein außerordentlich aktuelles Buch, es be
handelt eine der markantesten Erscheinungen unserer Zeit: DIE
FRAUENFRAGE. DER ROMAN IST DAS BUCH DER MODERNEN
FRAU. Seit langer Zeit hatte sich Meredith mit dem Problem der
Frauenfrage beschäftigt, Spuren davon finden sich beinahe in allen
seinen Schöpfungen. Schließlich aber war es ihm ein künstlerisches
Bedürfnis, die Gesamtresultate seiner Gedanken über diese Probleme
in einem eigenen Buche zu verdichten: dieses Buch ist die „Diana
vom Kreuzweg“, die nun hiemit zum ersten Male in deutscher Sprache
erscheint.
Die „Diana vom Kreuzweg“ ist eine Dichtung von großer Gedanken
kraft und dramatisch mächtigem Lebensgehalt. Meredith schöpft sein
Thema bis in die Tiefen aus. In breitem Flusse strömt der Roman
dahin, rauschend in seiner sprachlichen Schönheit und dichterischen
Kraft, blendend in seinen glitzernden Spiegelungen. Ein großes, ge
waltiges Bild erhebt sich vor uns: Der Kampf der Frau um ihre
Befreiung, um ihre geistige und soziale Erlösung, der Kampf gegen
jahrhundertealte Vorurteile, die die Sphäre der Frau eingeengt und
niedergedrückt, die sie zur Sklavin des Mannes gemacht haben. Diesen
großen Kampf kämpft Diana vom Kreuzwege, die Heldin des Buches,
ein prachtvoll gezeichneter Frauencharakter, ein Rassemensch reinster
Art, im Rahmen einer Erzählung, der der Leser in großer Spannung
folgt. Unnötig erscheint es, zu sagen, daß die Farbenpracht des Stils,
die Gewalt der Bilder erdrückend und die Charakterzeichnung bis in
die zartesten Linien durchgeführt ist. Wie könnte dies bei Meredith
anders sein! Meredith mag geistreichere, äußerlich bewegtere Bücher
geschrieben haben, sicher aber keines, das ein heute aktuelles Thema
gleich packend, prägnant und hinreißend behandelt, wie „Diana vom
Kreuzweg“. Dieser Roman der modernen Frau wendet sich an die
Allgemeinheit, an alle Gebildeten.
PRAKTISCHES HANDBUCH für Anstreicher und Lackierer. Von LOUIS
EDGAR ANDÉS. Mit 67 Abbildungen, K3.60. A. HARTLEBENS Verlag
in Wien und Leipzig.
ie verschiedenen Schriften über Anstreicherei, Lackierkunst und ver
wandte Gewerbszweige, selbst die in denletzteren Jahren erschienenen
Neubearbeitungen älterer Werke leiden gewöhnlich an Mängeln sie
sollen den Gewerbsleuten Anleitungen zur praktischen Ausführung
von Arbeiten geben, welche sich schriftlich niemals geben lassen, und
sie bringen Vorschriften zur Herstellung von Materialien, welche heute
wohl nur in den seltensten Fällen mehr, außerhalb speziell sich damit
beschäftigender Fabriken betrieben wird. Die vorliegende dritte Auflage
dieses für die Praxis bestimmten Handbuches hat jene Mängel wie
früher glücklich vermieden, dagegen bringt sie die Erfahrungen der
jüngsten Zeit, nimmt namentlich Bedacht darauf, dem Anstreicher die
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