2. INGENIEUR- UND GEOMETRISCHE ARBEITEN.
a) Feldarbeiten: Tachymetrische Höhenmessungen, Aufnahme
von Querprofilen bei Straßen an Hängen, Übertragung des
Planentwurfes in die Örtlichkeit durch unterirdische Ver"
merkung der (Baulinien) Fixpunkte (Straßenachsenpunkte,
Schnittpunkte der Baulinien mit Eigentumsgrenzen, Knick"
und Eckpunkte der Straßenlinien, Höhenmarken etc.) und
deren Einmessung auf Grund des alten bestehenden Messungs"
liniennetzes der Neuvermessung und nicht mit Zugrunde"
nähme von eventuell unrichtig stehenden Häusern.
b) Kanzleiarbeiten, Ausfertigung der Pläne.
Weiters hat sich der Ingenieur (Geometer) mit den interessierten
Behörden und Verwaltungen ins Einvernehmen zu setzen.
3 . ARBEITEN DES ARCHITEKTEN:
a) Ausgestaltung der Plätze und Anlagen um öffentliche Ge"
bäude und deren Beziehung auf Aussichtspunkte, Umgebung
und zu den Straßenachsen. ^ u- j
b) Unterbringung der neu zu schaffenden öffentlichen Gebäude
im Erweiterungsplan. „
c) Ausgestaltung des Regulierungsplanes nach künstlerischen
Grundsätzen in bezug auf Platzbildung, Straßenverknotung,
Straßenführung und Abwechslung im Straßenbilde, Park"
anlagen, Spielplätze.
d) Vorschläge bezüglich Errichtung von kleinen Architekturen,
(Brunnen, Wetterhäuschen, Springbrunnen, Ruheplätzen mit
einfachen und leicht ausführbaren Mitteln hergestellt, u. s. w.).
e) Ausgestaltung der Eckhäuser bei sternförmigen Platzen,
spitzen Baustellen vom schönheitlichen Standpunkte.
f) Vorschläge bezüglich Bauweise in den verschiedenen Stadt"
teilen (Zonen), Haustypen und deren passende Unterbringung
in den Baublöcken, Beziehung zur Straßenbreite.
g) Vorschläge bezüglich Erhaltung historischer Denkmäler,
Räumung störender Objekte und Anlagen.
IV.
BERATUNGSGEGENSTÄNDE FÜR DIE
REGULIERUNGS"KOMMISSION.
1. ÖFFENTLICHE BAUTEN:
Bezirks", Stadtarmenhaus, Waisenhaus, BürgerversorgungS"
haus,
Spitalausbau,
Militärinstitut, Kasernen, Truppenspital,
Amtsgebäudeerweiterung,
BahnhoTNeuanlage, Bahnwerkstätten,
Wasserreservoir für hochgelegene Häuser,
Schule zur Entlastung der bestehenden (Bürgerschule allem),
Gymnasium, Lehrerbildungsanstalt, Kindergarten,
Sparkassegebäude,
Schlachthausanlage,
Vereinshaus (Kasino, Theater, Festsaal, Turnhalle),
Dampf" und Warmbad, Verlegung des Kaltbades,
Pfarrhaus zur Jubiläumskirche.
2. ANLAGEN:
Neuanlage oder Erhaltung des Brunnendenkmals auf dem
Hauptplatze,
Hauptplatz,
Parkanlage (Rothschild"Säge),
Ausgestaltung des Platzes um die Jubiläumskirche,
Friedhof,
Reitbauernberg"Ausblick, Pira"Aussichtswarte,
Eislauf" und Radfahrplatz, Parkhöfe,
Brunnen und Denkmäler (Platzvorsorge),
Anstandshütten und deren Maskierung,
Alleen, Promenadewege.
3. VERKEHR UND FLUSSREGULIERUNG:
Verlegung der Reichsstraße (Bahnhoferweiterung),
Verkehrsverbindungen zwischen den Stadtteilen nördlich und
südlich der Bahn,
Marktanlage,
Unterbringung von kleinen Plätzen,
Eisenbahnverbindung: AmstettemGrein und AmstettemYbbs,
Ybbsregulierung (Ausbau hinter Rennbahn),
Einwölbung des Edlabaches.
4. BAUZONENEINTEILUNG.
Offene und geschlossene Bauweise,
Villenanlagen (Spitalstraße, Reitbauernberg, Krautberg, Ar"
dagger Straße),
Wohnviertel,
GeschäftS"Und Verkehrsviertel,
Fabrikanlagen, Industrieviertel, Arbeiterhäuser.
KUNST UND WISSENSCHAFT.
■'•r T" T enn man einem Forscher sagte, die Ergebnisse
"V / seiner Experimente und die Schlüsse, zu denen
^y\/ er gelangte, müßten dergestalt sein, daß sie die
^ * hergebrachten populären Vorstellungen über den
Gegenstand nicht umstürzten oder das populäre Vorurteil
nicht verwirrten oder die Empfindlichkeiten von Leuten
nicht störten, die nichts von der Wissenschaft verstehen:
wenn man einem Philosophen sagte, er habe ein vollkommenes
Recht, in den höchsten Sphären des Denkens zu spekulieren,
vorausgesetzt, daß er zu denselben Schlüssen käme, wie sie
bei denen in Geltung sind, die überhaupt niemals in irgend
einer Sphäre gedacht haben — nun, heutzutage wurde der
Forscher und der Philosoph beträchtlich darüber lachen. Aber
es ist in der Tat nur sehr wenige Jahre her, daß Philosophie
wie Wissenschaft der rohen Volksherrschaft und in Wirklich"
keit der Autorität unterworfen waren — entweder der Autori"
tät der in der Gemeinschaft herrschenden allgemeinen Um
wissenheit oder der Schreckensherrschaft und der Machtgier
einer kirchlichen oder Regierungsgewalt. Nun sind wir zwar
bis zu sehr hohem Grade alle Versuche von seiten der Ue"
meinschaft oder der Kirche oder der Regierung, sich in den
Individualismus des spekulativen Denkens einzumischen, los"
geworden, aber das Unterfangen, sich in den Individualismus
der Phantasie und der Kunst einzumischen, ist immer noch
am Leben. Oder vielmehr: es lebt noch seh £
aggressiv, gewalttätig und brutal. OSKAR WiLDü.
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