STÄDTESTUDIUM VOM STANDPUNKT
DER HEIMATLICHEN KULTUR.
DER STADTERWEITERUNGS-PLAN
VON ST. PÖLTEN.
(Siehe auch den früheren Artikel über St. Pölten im Heft 17,
Seite 290.)
er Vergleich der beiden nebenstehenden Pläne,
AhySt. Pölten und die St. Pöltener Städter/
Weiterung, fördert den großen künstlerischen
Unterschied zwischen der alten und der neuen Anlage
zutage.
Die alte Stadtanlage, südlich vom Bahnkörper gelegen,
ist das Produkt einer organischen Entwicklung. Eine
Anzahl schöner geschlossener Plätze mit bemerkens/
werten Bauwerken ist vorhanden, Verkehrsstraßen
und stille Wohnstraßen, die der Charakteristik nicht
entbehren. Das Regulierungshandwerk hat hier bereits
begonnen; die punktierten Linien bezeichnen die
künftige Geradestreckung der gekrümmten Gassen und
es ist vorauszusehen, daß dabei manches interessante
Bauwerk zum Opfer fallen wird.
Was den alten Stadtplan auszeichnet, wird man in
dem neuen Stadtgebilde nördlich vom Bahnkörper
vergeblich suchen. Diese Stadterweiterung soll vor/
nehmlich Wohnzwecken dienen; in dem ganz sehe/
matisch angelegten Straßennetz befinden sich zwei
Krankenhäuser, eine Gasanstalt, ein Armenhaus und
zwei Fabriken mitten unter V^ohnhäusern eingekeilt,
an keiner Stelle ist der Versuch gemacht worden,
durch Platzbildungen, Gartenanlagen, Trennung von
Verkehrsadern und reinen Vfohnvierteln die Annehm/
lichkeit des Wohnens zu erzielen. Nicht die leiseste
künstlerische Regung ist in der neuen Anlage zu ver/
spüren; auf diese Art wurde das neue Stadtglied von
vornherein zu einem wahren Elendsviertel gestempelt
und zum Beweis, daß unsere Städteverwaltungen noch
gar nicht über die volkswirtschaftlichen Konsequenzen
nachgedacht haben, die sich aus der ^Vohnlichkeit und
aus der UnWohnlichkeit der Städte ergeben müssen.
Schon im Interesse der bloßen Nützlichkeit dürften
sie es nicht versäumen, sich eines berufenen künst/
lerischen Beirates in allen Fragen des Städtebaues zu
versichern.
Der Plan von Alt-St. Pölten. (Die Reguliemngslinien sind punktiert.)