In beiden Fällen ist es auf die architektonische Anlage eines
Platzes abgesehen, auf dem sich die Kirchenbesucher sammeln
und der gewissermaßen einen öffentlichen Vereinigungspunkt
bildet. Das ist durchaus gerechtfertigt, denn man darf nicht
vergessen, daß Preßbaum eine Sommerfrische ist und daher
eines solchen gesellschaftlichen und öffentlichen VereinigungS'
punktes bedarf. Aber gerade gegen einen solchen Platz haben
die Preßbaumer Einwohner ein amüsantes Bedenken. Sie sind
um die Moral ängstlich besorgt. Der Pfarrer meint, ein solcher
Platz bietet nur den jungen Damen und Herren Gelegenheit zu
„speanzeln“! Als ob die jungen Damen und Herren, wenn sie
Lust dazu bekamen, früher nicht „gespeanzelt“ hätten! Solchen
lächerlichen Einwendungen gegenüber ist der Künstler natür^
lieh ohnmächtig. Die beiden Entwürfe sind von den Preß-'
baumern abgelehnt worden, weil sie im übrigen zu ländlich
sind, weil sie das ehrliche Bestreben haben, das Heimatsbild,
wenn auch in neuer Form, soviel wie möglich zu bewahren.
BÜCHER' UND LESEHALLEN.
je Bewegung, welche auf Gründung und Ausbau der Bücher' und
Lesehallen abzielt, ist in Deutschland in erfreulichem Fortschritt.
Eine der bestbenützten Einrichtungen dieser Art in Deutschland be'
sitzt OSNABRÜCK. Dort wurde im Jahre 1903 eine interessante En'
quete erhoben. Man legte in die Bücher Zettel, auf welchen unter an'
derem die Fragen standen: „Was taten Sie vor Eröffnung der Biblio'
thek in der Zeit, in der Sie jetzt lesen?“ und „Hat Ihnen die Lektüre
irgend welchen Gewinn gebracht?“ Ungefähr 1500 Zettel (ohne Unter'
schrift, nach der Schrift zu urteilen großenteils von Handwerkern und
Arbeitern) kamen zurück. Ungefähr 30 Prozent erklärten: „Ich saß im
Wirtshaus“ oder „Ich spielte Karten“, „Ich habe viel unter Langeweile
zu leiden gehabt, zur Abwechslung fand ich viel Vergnügen im Wirts'
hausleben“, „Durch die früher gesuchte Unterhaltung erwuchsen mir
zuviel Geldausgaben; infolgedessen unterhalte ich mich jetzt mit
Lesen“, „Ich saß mühselig in der Wirtschaft“. Bei der anderen Frage
war neben dem Vorteil für den Beruf oder dem Gewinn für das
innere Leben auch geantwortet: „Ich habe auf diese Weise manchen
Pfennig erspart, den ich sonst in die Wirtschaft getragen hätte“ oder
„Ich spare manchen Zehnpfenniger, wenn ich des Abends zu Hause
bleibe!“ Diese Erfahrung läßt es gerechtfertigt erscheinen, wenn auf
der Jahresfeier des DEUTSCHEN VEREINS GEGEN DEN MISS'
BRAUCH GEISTIGER GETRÄNKE in Erfurt auf Antrag des Pastors
Dr. Pfannkuche'Osnabrück beschlossen wurde, auf die Tagesordnung
der NÄCHSTEN Ausschußsitzung (Berlin im Frühjahr 1905) das
Thema zu setzen: „Bücher' und Lesehallen“. Die Vereinigten Staaten
von Nordamerika geben jährlich etwa 20 MILLIONEN DOLLAR
AUS FÜR ÖFFENTLICHE BIBLIOTHEKEN, die englischen Städte
zusammen jährlich etwa 16 Millionen Mark aus dem Stadtsäckel, die
Deutschen — NICHT EINMAL EINE HALBE MILLION! Und doch
gibt es kaum produktivere Ausgaben als diejenigen für BildungS'
zwecke!
GUTE MODERNE ERZEUGNISSE, UND WO MAN
SIE KAUFT.
ir werden an dieser Stelle immer eine Liste von Gebrauchsdingen,
die in Bezug auf ihre Güte und ihren Geschmack zu empfehlen
sind, mit Angabe der Bezugsquellen bringen. Ebenso werden wir an
dieser Stelle die Nachfragen unserer Leser nach solchen Dingen be-
antworten, die in dieser Liste vorher nicht verzeichnet waren. Auf
diese Weise wird es mit der Zeit gelingen, ein mehr oder weniger
vollständiges Register aller wirklich guten Erzeugnisse zu schaffen.
Daß die Liste möglichst vollständig werde, hängt wesentlich davon ab,
daß unsere Leser an ihrer Ergänzung mitarbeiten, namentlich die
Künstler oder Formschöpfer, die uns mitteilen sollen, wo ihre Erzeug'
nisse zu haben sind.
In der WIENER WERKSTÄTTE, VII. NEUSTIFTGASSE 32, bekommt
man:
Tischgeräte
Bestecke
Toilettegarnituren
Jardinièren
Bonbonnièren
Kognakgarnituren
Becher
Tee- und Kaffeeservice
Kakesdosen
Zigarettendosen
Beleuchtungskörper
Stehlampen
Bowlen
Blumenständer
Blumenvasen
Uhren
Tintenfässer
Zigarrentaschen
Zigarettentaschen
Buchumschläge
Bucheinbände
auch in Berlin zu haben in der gegenwärtigen Ausstellung der Wiener
Werkstätte bei Hirschwald’s Hohenzollern-Kaufhaus.
In der VEREINIGUNG „KUNST IM HAUSE“ bekommt man in deren
VERKAUFSBUDE, WIEN, MÖLKERBASTEI, ECKE SCHOTTEN
GASSE, geöffnet vom 4. Dezember bis 2. Jänner, folgende Geschenk'
artikel:
Kinderspielsachen Lebzelten
Bilderbogen Kinderbücher
Keramiken Leder' und Metallarbeiten
und sonstige Kunstgegenstände für WeihnachtS' und Neujahrsge-
schenke.
Schmuckkassetten
Schmuckableger
Briefordner
Papiermesser
Vorsatzpapiere
Keramiken
Anhänger
Kolliers
Ringe
Ketten
Hutnadeln
Schließen
Broschen
Schirmgriffe
Knöpfe
Tischgeräte in Weißlack
Kartonnagen
Christbaumständer
Kinderspielsachen
Möbel
DIE FORTSCHRITTE DER ENGLISCHEN GARTEN'
STADTBEWEGUNG.
In der WEIHNACHTS'AUSSTELLUNG DER KUNSTSCHULE FÜR
FRAUEN UMD MÄDCHEN, WIEN, I. Tuchlauben 8:
D ie von Ebenezer Howard eingeleitete Gründung einer Gartenstadt
in Hitchin soll nach den neuesten Mitteilungen materiell gesichert
sein und die englische Gartenstadt'Gesellschaft faßt bereits die Gründung
einer zweiten Gartenstadt in Lancashire oder Cheshire ins Auge. Für
die Hitchiner'Stadt ist bereits eine Anzahl von Industrien gewonnen.
Eine Buchdruckerei, eine Maschinenfabrik, eine Mineralwasserfabrik
und eine Blusenfabrik. Durch die letztere ist für ausreichende Be'
schäftigung eines Teils der weiblichen Bevölkerung gesorgt. 100.000 '£
sind bereits als Aktienkapital eingezahlt. Davon sind 10.000 £ von
Mr. Cadbury gewidmet worden. Wir werden über die Fortschritte der
Gartenstadtbewegung regelmäßig berichten.
Arbeiten aus der Abteilung Prof.
Stickereien in allen Techniken
Nadelmalerei
Holzintarsia
Lederarbeiten (Lederausschnitte)
Perlarbeiten
Arbeiten aus der Abteilung Prof.
Metallarbeiten
A. Böhm:
Dekorative Panneaux
Holzschnitte
SchwarZ'weiß'Zeichnungen
Märchenbuch'Illustrationen
Georg Klimt:
Schmuck etc. etc.
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