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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 2. Jahrgang 1905/06

Wohnhaus, Hohe Warte, Entwurf Prof. Joseph Hoffmann. 
Wohnzimmer, Kaminecke. 
Raum intim erscheinen lassen. Verschiedene Sitzgelegenheit 
in den Korners, am Kamin, in der Bücherecke geben alle 
Bequemlichkeit. Eine offene Stiege steigt in der Halle empor 
und führt zu den oberen Räumen, die den persönlichen 
Bedürfnissen der Familie dienen. Diese anderen Räume 
gruppieren sich in zweckvoller Anordnung um den Zentrale 
raum und bestimmen durch die Lage ihrer Fenster, die, 
unbekümmert um die Reißbrettsymmetrie, dort angebracht 
werden, wo man sie just braucht, das Gesicht des Hauses, 
die Fassade. Nun hat sie schon wieder einen vermensch^ 
lichten Ausdruck bekommen. Das Haus trägt nicht mehr 
die seelenlose Maske der herkömmlichen Fassadenarchitektur, 
es drückt vielmehr wieder eine organische Idee aus. 
Von der Halle, die als Gesellschaftsraum nicht weiter 
bewohnt wird, gelangt man in das Speisezimmer. Das 
Zimmer der Hausfrau kann auch neben der Halle liegen, 
denn die Hausfrau will den Wirtschaftsräumen nahe sein, 
die sich im Untergeschoß des Hauses befinden. Küche, Keller, 
Speisekammer und andere Vorratsräume, Heizraum, Wasche 
küche, die Zimmer für das Dienstpersonal befinden sich im 
Untergeschoß, ein eigener Eingang, die Haustreppe, ver^ 
mittelt den dienstlichen Verkehr abseits von dem reservierten 
Haupteingang, der durch ein kleines Entree in die Halle führt. 
Im Obergeschoß, einerseits durch die Hallentreppe, andere 
seits durch die Diensttreppe erreichbar, befinden sich die 
Schlafräume der Herrenleute, mit Baderäumen, ein Arbeits^ 
zimmer, ein oder mehrere Gastzimmer und gegebenenfalls 
die Kinderräume, als Schlaf*, Wohn* und Spielzimmer. Die 
übliche Enfilade von Zimmern einer Großstadtwohnung, 
die für die Mehrzahl der schlechten Villenbauten maßgebend 
wurde, fehlt hier; kein einziger Raum ist der bloßen Re* 
Präsentation wegen da, den Pulsschlag des Lebens fühlt 
man in allen Teilen des Hauses. Alle modernen technischen 
Einrichtungen, für den heutigen Komfort unerläßlich, sind 
dem Organismus eingegliedert. Die Heizungsanlagen, die 
Wasserleitungen, das Beleuchtungswesen, die gewöhnlich als 
feindselige Elemente für die architektonische Harmonie 
empfunden werden, weiß der moderne Architekt zu gefälligen 
Helfern seiner künstlerischen Absichten zu machen. Hygiene, 
Komfort und Schönheit sind gemeinsame Begriffe. Mit Luft, 
Licht und hellen kräftigen Farben werden die schönsten 
Interieurbestimmungen bestritten. 
Die örtlichen klimatischen Verhältnisse sprechen ein Wort 
mit bei der Anlage der Laube am Haus, der Veranden und 
Terrassen. Hier muß nicht allein nach den Bedürfnissen der 
Menschen, sondern auch nach den Bilden des Wetters 
gefragt werden. Sie sollen der Familie und der Gesellschaft 
einen behaglichen Aufenthalt geben, offen oder geschlossen 
und vom Zimmer aus alle Annehmlichkeiten des Freien 
und des Gartens genießen lassen. Sie werden daher nach 
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