Wohnhaus, „Hohe Warte", Entwurf Prof. Joseph Hoffmann. Kinderzimmer.
Liebe für die heimische Flora entwickelt, die immer mehr
an Stelle der exotischen Spezialitäten des früheren LandschaftS'
gartens tritt. Das Werk der Gartenschriftstellerin Gertrud
Jekyll „Haus und Garten" liefert ein getreues Bild dieser
gesunden Ideen. Ist die Rückkehr zum vernünftigen Haus^
garten ganz und gar dem Wirken der englischen Haus^
architekten zu verdanken, so ist die Umgestaltung des Innern
des Hauses — wenigstens im Anfänge der Bewegung — aus
dem anderen Lager erfolgt.
Das Wirken des Reformators der englischen Hausausstattung,
William MORRIS, ist aus der Kultursphäre des Präraffaelismus
heraus zu erklären. Trotzdem walteten gleich von Anfang an
weniger sentimentale als vernünftige Beweggründe bei der
Umgestaltung vor. Was angestrebt wurde, war die Echtheit in
Material und Konstruktion, die Bewegung war eine Re^
aktionsbewegung gegen das verwendete Stilmöbel der da^
maligen Zeit. In der Hand einiger Führer zeitigte daneben
das Bestreben, den historischen Formenschatz zu vermeiden
und Ausdrucksformen zu suchen, die dem Empfinden unserer
eigenen Zeit entsprächen, gute Früchte. Der Schritt zu einer
geschlossenen architektonischen Gestaltung des Innenraumes
wurde jedoch erst von einigen nordischen Künstlern, vor allem
von Baillie SCOTT, George WALTON und MACKINTOSH
getan. Neben dem Wirken dieser Führer sind gewisse alh
gemeine Tendenzen im modernen englischen Innenraum
bemerkbar, die kulturhistorisch von größtem Interesse sind.
Der englische Innenraum ist sowohl in seinem Format und
seiner Raumgestaltung als auch in seiner Ausstattung mit
Geräten aufs einschneidendste vom englischen Kamin be^
einflußt worden. Der Kamin ist das einzige Feuerungsmittel
in England und hat eine eminente Bedeutung nicht nur als
Erwärmer, sondern auch vor allem als Entlüfter, da das
feuchte Klima einen lebhaften Luftaustausch des Wohm
raumes mit größerer Schärfe fordert als bei uns. Der Kamin
ist der Sammelpunkt im Zimmer, an den sich der einzelne
setzt und um den die Gesellschaft sich gruppiert. Daraus
folgt die Anlage des Zimmers mit Berücksichtigung eines
geräumigen Kaminplatzes. Die Anlage der Türen und Fenster
hat hauptsächlich mit Rücksicht auf diesen Punkt zu er^
folgen. Sitzmobiliar und Tisch erhalten keinen festen Stand'
ort, sondern müssen leichtgehalten werden, damit sie bei
sich bietenden Anlässen von ihrer Stelle gerückt werden
können.
Schließlich kann man auch noch sagen, daß der Kamin auf
die dekorative Ausgestaltung des Zimmers von größtem Eim
flusse ist insofern, als er eine alles beherrschende Stellung
im Zimmer einnimmt. Er hat somit eine vereinfachende
Wirkung auf die Ausstattung des Zimmers ausgeübt. Das
heutige englische Zimmer ist stets von der größten Schlicht
heit. Die bei uns so wichtigen Gewerbe des Stubenmalers
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