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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 2. Jahrgang 1905/06

Wohnhaus, „Hohe Warte", Entwurf Prof. Joseph Hoffmann. Kinderzimmer. 
Liebe für die heimische Flora entwickelt, die immer mehr 
an Stelle der exotischen Spezialitäten des früheren LandschaftS' 
gartens tritt. Das Werk der Gartenschriftstellerin Gertrud 
Jekyll „Haus und Garten" liefert ein getreues Bild dieser 
gesunden Ideen. Ist die Rückkehr zum vernünftigen Haus^ 
garten ganz und gar dem Wirken der englischen Haus^ 
architekten zu verdanken, so ist die Umgestaltung des Innern 
des Hauses — wenigstens im Anfänge der Bewegung — aus 
dem anderen Lager erfolgt. 
Das Wirken des Reformators der englischen Hausausstattung, 
William MORRIS, ist aus der Kultursphäre des Präraffaelismus 
heraus zu erklären. Trotzdem walteten gleich von Anfang an 
weniger sentimentale als vernünftige Beweggründe bei der 
Umgestaltung vor. Was angestrebt wurde, war die Echtheit in 
Material und Konstruktion, die Bewegung war eine Re^ 
aktionsbewegung gegen das verwendete Stilmöbel der da^ 
maligen Zeit. In der Hand einiger Führer zeitigte daneben 
das Bestreben, den historischen Formenschatz zu vermeiden 
und Ausdrucksformen zu suchen, die dem Empfinden unserer 
eigenen Zeit entsprächen, gute Früchte. Der Schritt zu einer 
geschlossenen architektonischen Gestaltung des Innenraumes 
wurde jedoch erst von einigen nordischen Künstlern, vor allem 
von Baillie SCOTT, George WALTON und MACKINTOSH 
getan. Neben dem Wirken dieser Führer sind gewisse alh 
gemeine Tendenzen im modernen englischen Innenraum 
bemerkbar, die kulturhistorisch von größtem Interesse sind. 
Der englische Innenraum ist sowohl in seinem Format und 
seiner Raumgestaltung als auch in seiner Ausstattung mit 
Geräten aufs einschneidendste vom englischen Kamin be^ 
einflußt worden. Der Kamin ist das einzige Feuerungsmittel 
in England und hat eine eminente Bedeutung nicht nur als 
Erwärmer, sondern auch vor allem als Entlüfter, da das 
feuchte Klima einen lebhaften Luftaustausch des Wohm 
raumes mit größerer Schärfe fordert als bei uns. Der Kamin 
ist der Sammelpunkt im Zimmer, an den sich der einzelne 
setzt und um den die Gesellschaft sich gruppiert. Daraus 
folgt die Anlage des Zimmers mit Berücksichtigung eines 
geräumigen Kaminplatzes. Die Anlage der Türen und Fenster 
hat hauptsächlich mit Rücksicht auf diesen Punkt zu er^ 
folgen. Sitzmobiliar und Tisch erhalten keinen festen Stand' 
ort, sondern müssen leichtgehalten werden, damit sie bei 
sich bietenden Anlässen von ihrer Stelle gerückt werden 
können. 
Schließlich kann man auch noch sagen, daß der Kamin auf 
die dekorative Ausgestaltung des Zimmers von größtem Eim 
flusse ist insofern, als er eine alles beherrschende Stellung 
im Zimmer einnimmt. Er hat somit eine vereinfachende 
Wirkung auf die Ausstattung des Zimmers ausgeübt. Das 
heutige englische Zimmer ist stets von der größten Schlicht 
heit. Die bei uns so wichtigen Gewerbe des Stubenmalers 
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