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Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 2. Jahrgang 1905/06

GESCHICHTE.  Nordische  Märchen  wurden  gelesen  oder
mündlich  mitgeteilt.  Schilderungen  aus  der  Kultur  des  Steinund
  Bronzealters.  Museenbesuche  und  anknüpfend  daran
Zeichnen  verschiedener  historischer  Gegenstände  nach  dem
Gedächtnis.  Die  Wikingerzeit  und  der  Beginn  der  Geschichte
des  Mittelalters  in  Schweden  ohne  Zwang,  sich  an  den  ge^
schichtlichen  Zusammenhang  zu  halten,  es  wurden  Schilde^
rungen  aus  späterer  Zeit  eingefügt,  bei  der  Geschichte  des
„Svealandes"  wurden  verschiedene  Landschaften  gezeigt.
GEOGRAPHIE.  Die  grundlegenden  geographischen  Begriffe.
Die  Karte  Gotenburgs.  Zusammenhängende  Darstellungen
aus  der  Geographie  Schwedens.
Bei  der  Besprechung  der  verschiedenen  Ortschaften  wurde
nicht  nur  auf  die  Industrie,  die  Ereignisse  und  Personen,
welchen  dieselben  ihre  jetzige  Bedeutung  verdanken,  sondern
auch  auf  die  damit  verknüpften  geschichtlichen  Reminis^
zenzen  hingewiesen.  Dadurch  erhalten  die  Kinder  zugleich  auch
einen  geschichtlichen  Überblick  über  die  Länder.  Ein  Lehrbuch ­
  wurde  nicht  verwendet.  Während  des  Frühlingstermines
wurden  aber  (nach  dem  Vorbilde  der  dänischen  Gesellschaftsschule ­
  in  Kopenhagen)  die  von  den  Lehrern  und  Kindern
gemeinsam  verfaßten  Darstellungen  niedergeschrieben  und
in  der  Schule  in  vielen  Exemplaren  reproduziert.  Jedes  Kind
konnte  nun  in  einem  für  diesen  Zweck  eingerichteten  Buch
nach  Belieben  alles,  was  durchgenommen  wurde,  illustrieren.
RECHNEN.  Anschauliches  Rechnen  nach  der  Methode  Nordlunds. ­
  Addition,  Subtraktion  und  Multiplikation  nach  dem
Lehrbuch  von  Cederblom.  Auffassung  einer  Fläche,  das
Messen  und  Wiegen.
DIE  I.  KLASSE.
RELIGION.  Eine  Serie  Erzählungen  aus  dem  Leben  Jesu
nach  verschiedenen  Evangelisten  sind  gelesen  und  erklärt
worden.  Als  freiwillige  Aufgaben  sind  Berichte  über  irgend
ein  Kapitel  aus  der  Bibel  vorbereitet  worden,  so  aus  dem
Buche  Ruth,  den  Psalmen  und  Jesaias.
DIE  MUTTERSPRACHE.  LESEN.  Als  Lesebücher  sind
hauptsächlich  das  „Lesebuch  der  Volksschule“  und  „Frau
Bokhyllan“  von  Hedda  Andersson  verwendet  worden.  Während
des  Frühlingstermines  bestanden  die  Aufgaben  für  zu  Hause
im  Auswendiglernen  von  Gedichten,  die  gewöhnlich  von  den
Schülern  selbst  ausgewählt  wurden,  oder  im  Wiedergeben
einer  Erzählung  (meistens  historischen  Inhaltes).  Die  Leseübungen ­
  wurden  hauptsächlich  in  der  Weise  abgehalten,  daß
die  Schüler  sich  gegenseitig  kleinere  Erzählungen  verschiedenartigen ­
  Inhaltes  vorlasen.
ORTHOGRAPHIE  ist  während  des  Herbsttermines  teils  in
Form  von  Diktaten  nach  ausgewählten  Stücken  aus  Richters
Rechtschreibungslehre  oder  durch  Niederschreiben  auswendig
gelernter,  in  bezug  auf  die  Rechtschreibung  und  den  Inhalt
genau  durchgenommener  Gedichte  geübt.  Während  des
Frühlingstermines  hauptsächlich  durch  schriftliches  Wiederholen ­
  in  der  Schule  einer  kürzeren  Erzählung  oder  Fabel,
welche  die  Kinder  als  Aufgabe  zu  Hause  buchstabiert  hatten.
Es  sind  auch  vorbereitende  Aufsatzübungen  mit  Rücksicht
auf  die  Grammatik  geschrieben  worden.  Es  wurden  manchmal
auch  freiere  Aufsätze  gepflegt.
GESCHICHTE.  Die  schwedische  Geschichte  bis  1512.
GEOGRAPHIE.  Ausführliche  Wiederholung  von  Schweden,
Norwegen  und  Dänemark.  —  Als  Einleitung  wurden  im
Zusammenhang  mit  dem  naturgeschichtlichen  Unterricht  im
Herbst  typische  Pflanzengegenden  unseres  Landes  durchgenommen ­
  (Wald,  Sumpf,  Acker,  Wiese,  Fjöll).  —  Bei  der
Geographie  des  nördlichen  Norwegens  wurde  die  ausführlichere ­

  Beschreibung  der  Natur  und  Tierwelt  Islands  und
Grönlands  (bei  einem  Museenbesuch  erläutert)  zu  einer
typischen  Eismeerstudie  zusammengefaßt.  —  Es  ist  kein
Lehrbuch  verwendet  worden,  man  ersetzte  dieses  durch
Karten,  Namenregister,  Kartenzeichnen  und  Skioptikonbilder.
NATURGESCHICHTE.  Der  Bau  und  die  Funktionen  des
menschlichen  Körpers.  Als  Behelfe  für  den  Unterricht  haben
Skelette,  Tierpräparate  (Knochen,  Lunge,  Herz  und  Gehirn),
Bilder  und  Abbildungen  in  Papiermache  gedient,  auch  wurden
zu  Hause  schriftliche  Aufgaben  gemacht.  Kein  Lehrbuch.
Herbst  und  Frühjahr:  Naturstudien  bei  Exkursionen.  —  Im
Frühjahr  beschäftigte  man  sich  hauptsächlich  mit  vorbereitenden ­
  botanischen  Studien.
RECHNEN.  Die  vier  Spezies  mit  ganzen  Zahlen.
DIE  II.  KLASSE.
Die  Grundlage  für  die  Einteilung  der  Mittelschule  in  Klassen
bildet  die  allgemeine  Verstandesreife.  Die  Prüfung,  der  die
Kinder  beim  Eintritt  in  diese  Klassen  unterworfen  werden
(in  Lesen,  Schreiben  und  Rechnen  u.  s.  w.),  kann  nicht  als
genügender  Maßstab  betrachtet  werden.  Manche  in  diesen
Fächern  minder  fortgeschrittene  Kinder  werden  sich  bei
näherer  Prüfung  tatsächlich  reifer  zeigen,  oder  aber  es  kommt
auch  das  Gegenteil  vor.  Hier  handelt  es  sich  außer  dem
Alter,  was  die  Hauptsache  ist,  vor  allem  um  die  moralische
Kraft  des  Kindes.  Das  dient  als  ein  sicherer  Beweis  für
die  Reife  des  Verstandes.  Wahrheitsliebe,  Gehorsam  und  die
Kraft,  einen  Beschluß  zu  fassen  und  denselben  zur  Ausführung ­
  zu  bringen,  lassen  mit  Sicherheit  ein  gutes  Arbeitsresultat ­
  erwarten,  bringen  das  Kind  auf  die  Höhe  des  die
Schule  durchdringenden  Geistes  und  erleichtern  das  Zusammenarbeiten ­
  der  Schüler  mit  den  Lehrern.
Wo  diese  Eigenschaften  vorhanden  sind,  zeigt  es  sich  in  den
meisten  Fällen,  daß  auch  die  weniger  begabten  und  fortgeschrittenen ­
  Schüler  mit  den  andern  gleichen  Schritt  halten
können.  Dieser  Standpunkt  brachte  es  mit  sich,  daß  die
Schule  sich  nicht  in  dem  gewöhnlichen  Grade  vor  der  Ungleichheit ­
  der  Kenntnisse  der  Kinder  im  Anfang  des  Unterrichtsjahres ­
  fürchtete;  es  galt,  ein  eigenes  Maß  für  das
Gruppieren  der  Klassen  zu  finden.  Man  hielt  sich  sowohl
bei  der  Aufnahme  in  die  I.  wie  auch  in  die  II.  Klasse  an
dieses  Prinzip.  Die  Erfahrungen  haben  gezeigt,  daß  die
Hoffnungen  nicht  unbegründet  waren,  wenn  auch  infolge
der  Ungleichheit  viele  Schwierigkeiten  zu  überwinden  waren.
Mit  Rücksichtnahme  darauf,  daß  die  Schüler  vor  Erlernung
der  fremden  Sprachen  sich  eine  gewisse  Sicherheit  in  der
eigenen  Muttersprache  aneignen  sollten,  mußte  der  Beginn
des  Unterrichtes  der  fremden  Sprachen  auf  einen  späteren
Zeitpunkt  verschoben  werden.  Dieses  Prinzip  wurde  schon
bei  der  Gründung  der  Schule  aufgestellt.  In  diesem  Sinne
wurde  auch  der  Unterrichtsplan  eingeteilt  und  der  Unterricht
in  der  deutschen  Sprache  wurde  in  der  II.  Klasse  begonnen.
Und  selbst  in  dieser  Klasse  wurde  dieses  Fach  bis  zum
Frühlingstermin  verschoben.  Die  Ungleichheit  zwischen  den
Schülern  in  der  Klasse  und  das  Bedürfnis,  die  Sinne  für  die
vielen  andern  neuen  Aufgaben,  wie  z.  B.  die  Holzarbeiten
und  das  Zeichnen,  zu  sammeln,  machten  diesen  Aufschub  notwendig. ­
  Mit  Rücksicht  auf  die  Schüler,  welche  mit  der  Erlernung
der  deutschen'  Sprache  bereits  anderswo  begonnen  hatten,
wurde  dieselbe  als  erste  in  den  Sprachunterricht  aufgenommen.
Der  Lehrplan  in  den  verschiedenen  Fächern  ist  aus  folgenden
Berichten  zu  ersehen:
RELIGION.  Kurze  Übersicht  über  die  Zeit  des  Alten  Testamentes. ­
  Markus’  Evangelium  (Fehrs  Bibel).  Im  Zusammen-165


            
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