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Seiten- und Vorderansicht.
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MORRIS'STUHL IN EINFACHER KONSTRUKTION
Einfachste
Konstruktion
eines Stuhles.
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Vorder- u. Seitenansicht.
EINFACHE TISCHLERMOBEL:
ARMSTÜHLE.
W er einen Nagel eintreiben, ein Brett sägen kann,
muß solche Möbel hersteilen können. Man braucht
dazu Stabholz und als Werkzeug Hacke, Hand
säge, Hobel und Hobelbank, Meißel, Hammer
und Bohrer. Es handelt sich um einfach tischlermäßige
Arbeit, in jedermanns Bereich. Aus Weichholz hergestellt,
gebeizt oder mit guter und kräftiger Farbe gestrichen, an
ständig gearbeitet, in angemessener Größe ausgeführt, wird
das Möbel gut und billig sein. Der Morris-Stuhl, den man
oft in Ausstellungen gesehen, ist meistens mit Ornamenten
überladen auf Kosten der Festigkeit und Bequemlichkeit.
Der Morris-Stuhl in unserer Abbildung aber, ein behagliches
Möbelstück, erscheint einladend und bequem, auf reichlich
große Sitzfläche und breiten Armlehnen sich darauf gut zu
stützen, ist Bedacht genommen.
Die Seitenteile, untere Latte, senkrechte Stäbe und Stuhl
arm, werden zuerst zusammengefügt, verzapft und geleimt.
Die unteren Latten links und rechts bestehen aus zwei auf
einandergenagelten Brettern, davon das innere tiefer liegt,
um das Sitzbrett zu halten. Die Seitenteile und die Beine
alsdann zusammengenagelt, Vorder- und Hinterbrett laut
Zeichnung in Zapfen eingelassen und geleimt, die Lehne in
Scharnieren an das Hinterbrett befestigt und beweglich, um
an den nach rückwärts verlängerten Stuhlarmen in beliebiger
Ausladung eingestellt zu werden — und ein bequemer ein
facher Stuhl mit Polstern zu belegen ist fertig. Die Hinter
beine sollen etwas kürzer sein als die vorderen, was zu
beachten ist.
Noch einfacher und von ersichtlich primitiver Konstruktion
ist der zweite Stuhl; breit angelegt, braucht er nur der
ergänzenden Kissen, um Behaglichkeit zu gewähren.
Ländliche Wohnungen, die Möbel des Kleinbürgers, des
Arbeiters sollen auf diesen Prinzipien, die wir an allen
Möbeln aufzeigen wollen, aufgebaut werden, jeder Hand
werker kann sie für seinen Gebrauch selbst zimmern, jeder
Landtischler nach einfacher Angabe oder Zeichnung ohne-
weiters hersteilen und für billiges Geld liefern. Es muß
erwähnt werden, weil diese kleinen Leute mit unbegreiflicher
Vorliebe die verlumpte Barocke oder Gotik schlechter Möbel
basare vorziehen.
Nicht unechter Aufputz macht es aus, sondern zu wissen,
was das Leben nötig hat und dieses Notwendige schlicht
und sachlich zu erfüllen. Auch der Reiche, der den Luxus
sich gönnen will, kann nicht mehr und nichts Besseres haben
als dieses Organische; das einzige, was er tun kann, besteht
in der Wahl des Stoffes; er kann kostbares Material ver
wenden, aber das Konstruktive nicht anders als ebenso
sachlich und organisch haben wollen, wenn er ein Mensch
von Vernunft und Geschmack ist. Das Gemeinsame des
Sachlichen und Organischen ist aber, wie angedeutet, nicht
so sehr Geldbeutelsache, sondern Kultursache. Es sollte
Gemeingut sein. Es gilt auch für unsere Tischler und „Fach
männer“, die immer gern über sich hinaus wollen, anstatt im
organischen Sinne gute Möbel, lieber schlechte Kunst machen.
JEDER KNABE, DER DIE WISSENSCHAFTEN
STUDIERT, SOLLTE DANEBEN EIN HAND
WERK LERNEN, DAMIT ER SICH DOCH
AUCH EINMAL GEISTIG BETÄTIGEN
KANN. OUCKAMA KNOOP.
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