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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 2. Jahrgang 1905/06

solcher wunderbarer Reichtum verschwunden ist. Es ist wie 
ein Märchentraum, diese erlesenen Stücke zu sehen und 
alles zu ergänzen, was zu ihrer Entstehung gehört, die 
Menschen, die sie geschaffen und getragen, denn es waren ge^ 
v/öhnlich dieselben, und die dazugehörige passende Umgebung, 
Haus und Hausrat, Tracht, Lieder, Musik. Denn irgendwie 
paßt alles zusammen und sicherlich gab es eine künstlerische 
Einheit in dieser bäuerliclvkünstlerischen Kultur. Die hoch-- 
verdiente Vereinigung Polna Sztuka, die diese und sonstige 
polnische Volkskunst in ihren prachtvollen Materialienheften 
veröffentlicht, hat eine solche Einheit innerhalb der polnischen 
Volkskunst gezeigt. Es kann jenen, die an der Möglichkeit 
und Natürlichkeit einer künstlerischen Kultur zweifeln, im 
Rahmen eines vergangenen Bildes als Beispiel dienen. Auch 
im Wiener Kunstgewerbemuseum ist dank unseres Dr. M. 
Haberlandt eine Volkskunstausstellung möglich geworden, 
die ein solches einheitliches Bild gibt. Wir werden darüber 
im nächsten Heft ausführlich zur Sprache kommen und 
namentlich hervorheben, was an dem Talent des Volkes 
versäumt, was verdorben und was vielleicht wieder gut zu 
machen ist. Denn die Kraft, die so herrliche Leistungen hervor 
gebracht, kann doch nicht in den Brunnen versunken sein? 
Die Frage wird immer ernster und folgenschwerer, wie der 
Staat das Talent pflegt. Die einzige und mächtigste Wertquelle. 
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