linic, ja eigentlich überhaupt keine Entwicklung kennt,
sondern der mit bauernhafter Wurzelfestigkeit an der
Scholle hing und vom Anfang bis ans Ende gleich'
mutig und unermüdlich blieb als SCHILDERER DER
HEIMAT.
In diesem Worte erschöpft sich seine ganze Charakter
ristik. Seine große Verwandtschaft mit Menzel liegt
darin, aber eben deshalb auch alles Trennende, das
noch größer ist. Menzel war Norddeutscher, Alt ein
Österreicher; der Unterschied der Stammesart macht
alles aus. Beide waren von der gleichen Gewissenhaftig'
keit und von der gleichen Freude am Dasein und an
der Natur erfüllt und wie ungeheuer sind beide durch
ihre stammliche Eigenart differenziert! Von dem
kritischen, analytischen, sichtenden und ordnenden
Forschergeist des norddeutschen Künstlers unter'
scheidet sich Alt vor allem durch die beschauliche Ge'
mütlichkeit seines Schlages, die in der Beobachtung
und Darstellung nicht so sehr die exakte Wissenschaft'
lichkeit als vielmehr die poetische Empfindung hervor'
kehrt. So ist es ganz naturgemäß, daß bei Menzel das
Verstandesmäßige, bei Alt das Empfindungsmäßige
überwiegt.
Bei aller Sachlichkeit seiner Arbeitsweise und seines
Darstellungsgebietes hat Alt doch das Wesen eines
stillen Poeten, das sich in der Wahl seiner Stoffe aus'
drückt und das angesichts der unerschöpflichen heimat'
liehen Schönheit nicht weiter verwunderlich. Man
könnte sich eher verwundern, wenn es anders wäre.
Lange, bevor das Schlagwort „Heimatkunst“ oder
„Heimatkultur“ geprägt war, hat sich Alt als echter
und rechter Heimatkünstler aufgetan, der nicht allein
der Schönheit der landschaftlichen Natur nachging,
sondern auch vor allem dem Menschenwerk, das der
Gegend, wo es organisch entstanden, eine bestimmte
Physiognomie verleiht und das gleichzeitig Ausdruck
der landschaftlichen Natur und ihrer Menschen ist.
Auf diese Weise hat Rudolf von Alt die ganze archi'
tektonische Vergangenheit des Volkes, ein in Wahrheit
verständnislos und leichtsinnig verschleudertes Erbe,
gewissenhaft gesichtet, das zum erheblichen Teil, vom
Erdboden verschwunden, durch Alts Kunstdem Gedächt'
nis erhalten blieb und nur mehr ein papierenes und
bildliches Dasein führt, weil es allzusehr an vcn
ständigen Hütern des alten Volksschatzes gefehlt hat.
In diesem Sinne ist Alt ein Erzieher, dessen Werk
die Augen öffnet über die zahllosen naheliegenden
Schönheiten, die mitten im Alltag liegen und die
Charakteristik ihrer Umgebung bilden, die Bauern/
häuser, Kirchhöfe, Stuben, Stadthäuser, Architektur/
details, Schlösser und Schloßinterieurs, Blumen, Marterln,
Stadtplätze, alte Gassen, Kirchen, Tore, Türme, Baikone,
Pferde, Lastwagen, Frachtschiffe und nicht zuletzt
Menschen und Trachten. Solcherart hat er eine Legion
Blätter geschaffen. Wenn es gelänge, das wenige aus
der modernen Galerie, der Harrachschen Sammlung
und den unmeßbaren Vorrat aus privatem Besitz zu
einer Gedächtnisausstellung zu vereinigen, es müßte
ein unvergleichliches Bilderbuch der Heimat mit all
ihren charakteristischen Schönheiten, den noch vor/
handenen und den untergegangenen, ergeben, in einem
Umfang und einer Geschlossenheit, wie es kein an/
deres Land auf diesem Gebiet in gleicher Herrlichkeit
aufzuweisen hat, vielleicht mit Ausnahme Englands,
wo das Kulturinventar von jeder Generation mit
großer künstlerischer Gewissenhaftigkeit gebucht wird.
Der anmutige, sachliche Inhalt, an sich schon höchst
wertvoll, empfänge von der meisterlichen Darstellung
seine besondere künstlerische Weihe. Die altgewohnte
Übung hat Alt zur erstaunlichen virtuosen Herrschaft
über die Aquarelltechnik gebracht. Die Aquarellmalerei
war seine eigentliche künstlerische Heimat, in der er
zu Hause war wie keiner. Aber im geheimen quälte
ihn die tief menschliche Sehnsucht nach dem, was
ihm versagt war. „Wenn ich noch mal auf die Welt
komme, so werde ich wieder Maler, aber ein Ölmaler
und mache nur große Sachen.“ Daß er sich’s versagte
und beim Kleinen blieb, ist ein Teil seiner Größe.
JOSEPH AUG. LUX.
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