MAK
VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE 
D ie vorliegende Sammlung ist eine Fortsetzung des früher in demselben Verlage 
erschienenen Werkes „Das moderne Landhaus und seine innere Ausstattung“. Hier 
wie dort sind Landhäuser neuzeitlicher Auffassung in Ansichten, Innenansichten und 
Grundrissen wiedergegeben, und zwar aus allen Kulturländern. Im vorliegenden Werke 
sind noch Darstellungen von Gärten neuzeitlicher Auffassung einbezogen worden, soweit 
der heutige Stand der Entwicklung Material liefert. Denn obgleich auch in Deutschland 
die neueren, sich gegen die Imitation landschaftlicher Szenerien richtenden Bestre 
bungen im Hausgarten heute, theoretisch betrachtet, den Sieg errungen haben, sind 
doch die ausgeführten Beispiele noch außerordentlich dünn gesät. Es ist zu hoffen, daß 
in den folgenden Auflagen dieser Teil des Werkes eine entsprechende Ergänzung er 
fahren kann. 
Aus dem „Modernen Landhause" sind in diese Sammlung keinerlei Abbildungen 
aufgenommen worden, dagegen ist aus der zweiten Auflage jenes Werkes ein Teil der 
textlichen Einleitung wieder verwendet worden, der jedoch durch Ausführungen über 
die Gartenanlage, den Grundrißorganismus des Hauses, die Stockwerkeinteilung, die 
sanitären Einrichtungen und die innere Ausstattung ergänzt und auf das Dreifache seines 
Umfanges erweitert worden ist. 
Die Sammlung wendet sich in gleicher Weise an Fachleute wie an Laien. Dem 
Laien kann sie aber nicht ohne ein Wort der Warnung übergeben werden. Wer sich 
mit Baugedanken beschäftigt, verfällt häufig auf die Idee, daß er aus Sammelwerken 
einzelne Teile eines Hauses, vielleicht Motive der äußeren oder inneren Architektur 
oder etwa gar einen ganzen Grundriß entnehmen könne. Jeder Architekt kennt die 
Schwierigkeiten, die ihm von Bauherren in dieser Hinsicht erwachsen. Demgegenüber 
ist es nicht überflüssig, festzustellen, daß ein guter Grundriß ein Produkt der für jeden 
Sonderfall vorliegenden Bedingungen ist, daß die Anlage eines Hauses von der indi 
viduellen Art des Baugrundstückes, von der Lage zur Himmelsrichtung, von den Höhen- 
und Zufahrtsverhältnissen, ja selbst von der Nachbarschaft des Grundstückes abhängig 
ist, ganz zu schweigen von den speziellen Anforderungen, die sich aus dem Familien- 
bestande und der Lebensweise des Bauherrn ergeben. Ein guter Grundriß paßt nur 
auf den einen Fall, i v den er gemacht ist, und es ist völlig widersinnig, ihn auf andere 
Fälle übertragen zu wollen. Genau so steht es mit der äußeren und inneren Ausbildung, 
der architektonischen Fassung des Hauses. Gerade wer ein gutes, künstlerisch einheit 
liches Landhaus besitzen möchte, kann dieses nur aus der für ihn allein erfolgenden 
Arbeit eines geeigneten Baukünstlers erhoffen, nicht aber durch Zusammentragung aus 
Sammelwerken. 
WANNSEE bei Berlin, im Februar 1907. 
HERMANN MUTHESIUS
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.