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den Wert des Gelernten anzuzweifeln. Die Schule hat sie des eigenen Denkens über 
hoben. Sie hat ihnen Regeln und Anweisungen in den Kopf gepflanzt, die für ihr 
ganzes Leben in starrer Beständigkeit anhalten. Und alle diese Regeln sind in theoretischer 
Form gegeben, die Übungen haben sich auf dem Papier abgespielt, alles in geschlossenen 
Schulräumen, während draußen das tätige Leben waltet. Durch die Art des heutigen 
Schulstudiums wird eine Subalternität der ferneren geistigen Betätigung erzeugt, die 
äußerst bedenklich stimmen muß. Unsere heutige, mit der Hausgestaltung zusammen 
hängende Fachausbildung begeht den großen Fehler, daß sie das sogenannte Künstlerische 
in einer stereotypierten angewandten Form gibt, ohne an eine allgemeine Kunsterziehung 
zu denken. Es wäre aber weit weniger verhängnisvoll, die allgemeine Kunsterziehung 
allein zu geben, als den Kopf des Schülers mit äußerlichen Formen, mit Regeln 
und Rezepten vollzupfropfen. Regeln haben in der Kunst immer zur Vertrocknetheit 
geführt. Wie der Ingenieur doch nicht allein seine Brückenberechnungsformeln aus 
wendig lernt, sondern wie für ihn eine geistige Verarbeitung des ganzen Gebietes der 
höheren Mathematik, Statik, Dynamik usw. für erforderlich gehalten wird, so kann 
auch die Ausbildung des Architekten und des Kunstgärtners nicht, wie es jetzt ge 
schieht, darin gesucht werden, daß der äußere Apparat der Architektur und der äußere 
Formenschatz der Stile übermittelt wird. Es sollte sich vielmehr um eine sorg 
fältige allgemein-künstlerische Erziehung handeln, die vor allem das künstlerische 
Empfinden weckt und die künstlerische Gestaltungskraft in ihrer Allgemeinheit zu 
entwickeln sucht. Dieser Kunstunterricht, der nicht im Kopieren und Anwenden 
vorhandener architektonischer Formen bestehen kann, sondern sich vielmehr mit den 
Grundproblemen der Komposition und den einfachsten Vorstellungen in der Raumge 
staltung beschäftigen muß, fehlt an unseren heutigen Architektenschulen noch. So 
lange dies der Fall ist, werden die Künstler unter den Architekten nicht durch die 
Schule, sondern trotz der Schule entstehen. Dagegen werden die Schulen fortfahren, 
jenes Heer von subalternen Zünftlern auf den Schauplatz des Lebens zu senden, das 
unser Land seit zwanzig Jahren mit geschmacklosen Maskeradenhäusern und mißver 
standenen Formenzusammenstellungen verunziert. 
Aus den Kreisen des Standes, der diese künstlerischen Aftergebilde in die 
Welt setzt, hört man als Entschuldigung in der Regel den berühmten Ausspruch: 
Das Publikum will es so. Es ist richtig, daß die künstlerischen Anforderungen des 
Publikums heute die ungeklärtesten, ja unkultiviertesten und rohesten sind. Es ist 
aber grundfalsch, dem Publikum die ausschließliche Verantwortung für diese Zustände 
in die Schuhe zu schieben. Der Gründe für den Rückgang unseres Geschmackes 
sind viele, sie liegen vor allem in der letzten Entwicklung unserer wirtschaftlichen und 
sozialen Verhältnisse. Eins aber steht fest und ist stets, in alter Zeit wie heute, der 
Fall gewesen: das Publikum sucht Beratung und Belehrung beim Fachmanne. Sein Fach 
mann ist je nach der Gelegenheit der allerverschiedenste, im Laden der Verkäufer, im 
Handwerk der Handwerker, im Häuserbau der Architekt. Im allgemeinen erwartet das 
kaufende und bestellende Publikum vom Fachmann eine Klärung seiner unbestimmten 
Begriffe und Belehrung, es ist in weitem Maße gefügig. Hat es schlechte Neigungen, 
so ist der Fachmann berufen und in den meisten Fällen durchaus imstande, diese zu 
korrigieren. Und so könnten, wenn nur die Fachleute selbst auf einer Höhe des geistigen 
Urteils und des guten Geschmackes ständen, die Zustände Deutschlands rasch 
gebessert werden. 
Wenn heute trotz allem künstlerisch Gutes geleistet wird, so wird man die 
Beobachtung machen können, daß es vielleicht mehr aus einer Stellungnahme eines
	        
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