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MAK

Full text : Landhaus und Garten

XXIV

würde.  Im  allgemeinen  wird  man  der  Sonnenlage  in  allen  Fällen  die  erste  Bedeutung
einräumen.  Für  den  Genuß  der  Landschaft  kann  man  eher  durch  Erker,  Balkons  usw.
sorgen,  denn  auch  für  eine  schöne  Aussicht  trifft  zu,  was  für  den  menschlichen  Genuß  im
allgemeinen  gilt:  man  erfreut  sich  seiner  um  so  intensiver,  je  weniger  er  zur  Gewohnheit
wird.  Dagegen  handelt  es  sich  bei  der  Sonnenlage  der  Zimmer  nicht  um  Genuß-,  sondern
um  Gesundheitsforderungen.  Was  die  Aussicht  auf  die  Landschaft  anbetrifft,  so  sei  auch
daran  erinnert,  daß  eine  Aussicht  gegen  die  Sonne  weit  weniger  angenehm  ist,  als  eine
solche  in  der  Richtung  der  Sonnenstrahlen,  daß  also  ein  freier  Blick  nach  den  nördlichen
Richtungen  im  allgemeinen  dem  nach  Süden  vorzuziehen  ist.
Ist  es  im  allgemeinen  zweckmäßig,  alle  bewohnten  Räume  nach  der  Sonnenseite
zu  legen,  so  gewährt  die  Sonderart  der  verschiedenen  Räume  des  Hauses  doch  die
Möglichkeit  einer  Abstufung  und  daher  einer  praktischen  Verteilung  an  den  der  Sonne
ausgesetzten  Fronten.  Als  Wohnseiten  kommen  hauptsächlich  Osten  und  Süden  in
Betracht.  Die  Westseite  ist  zwar  im  Winter  ebenso  wünschenswert  wie  die  Süd-  und
Ostseite,  dagegen  hat  sie  im  Sommer  die  Überhitzung  der  Räume  durch  die  späte
Nachmittagssonne  zur  Folge  und  ist  daher  im  allgemeinen  zu  vermeiden.  Der  Morgensonne ­
  wird  man  vor  allem  gern  die  Schlafzimmer  zuwenden,  einmal,  weil  es  ein
angenehmes  Gefühl  ist,  beim  Erwachen  die  Sonnenstrahlen  zu  begrüßen,  dann  aber
auch,  weil  die  reinigende  Wirkung  der  Sonnenstrahlen  gerade  unmittelbar  nach  der
Zeit  der  Inanspruchnahme  des  Schlafzimmers,  also  am  frühen  Morgen,  erwünscht  ist.
Für  das  Schlafzimmer  ist  im  übrigen  die  Sonnenlage  schon  deshalb  zwingend,  weil  es
das  am  meisten  benutzte  Zimmer  des  Hauses  ist,  dasjenige,  in  welchem  wir  ein  volles
Drittel  unseres  Lebens  und  noch  dazu  in  Dauerzeiten  von  6  bis  8  Stunden  zubringen.
Vergegenwärtigt  man  sich  noch,  daß  es  im  Falle  von  Krankheit  zum  Krankenzimmer,
also  zu  einem  überhaupt  dauernd  benutzten  Zimmer  wird,  so  ist  klar,  daß  kein  Zimmer
eine  auch  nur  annähernd  große  Sorgfalt  in  Bezug  auf  die  Sonnenlage  erfordert,  als  gerade
das  Schlafzimmer.  Für  die  übrigen  Wohnräume,  das  Zimmer  der  Frau,  des  Hausherrn,
das  Empfangszimmer  ist  im  allgemeinen  die  Ostlage  so  gut  wie  die  Südlage,  am  besten
vielleicht  überhaupt  eine  Südostlage,  wenn  es  möglich  ist,  die  Hauptfront  des  Hauses
so  zu  richten.  Für  das  Arbeitszimmer  des  Herrn  ist  nur  dann  eine  Nordlage  erwünscht, ­
  wenn  es  den  Tag  über  benutzt  wird.  Auch  in  diesem  Fall  wird  man  jedoch
dahin  streben  müssen,  in  einem  Erker  oder  sonstwie  herausspringenden  Teile  des
Zimmers  auch  der  Sonne  einen  bescheidenen  Einlaß  zu  gewähren,  um  den  Charakter
des  Zimmers  freundlicher  und  wohnlicher  zu  gestalten.  Wird  das  Arbeitszimmer  nur
des  Abends  benutzt,  wie  es  in  vielen  Häusern  der  Fall  ist,  so  ist  eine  Sonnenlage  auch
hier  das  Erwünschtere,  um  am  Tage  den  luftverbessernden  Einfluß  der  Sonnenstrahlen
ausnützen  zu  können.  Das  Zimmer,  das  unter  allen  Umständen  eine  möglichst  sonnige
Lage,  also  eine  rein  südliche,  haben  muß,  ist  das  Kinderzimmer,  denn  für  die  heranwachsenden
  Kleinen  ist  die  Sonne  am  allerunentbehrlichsten.  Was  das  Eßzimmer
anbetrifft,  so  könnte  man  bei  ihm  am  ersten  geneigt  sein,  Konzessionen  zu  machen.  Es
ist  nicht  angenehm,  in  einem  sonnenbeschienenen  Zimmer  zu  essen,  besonders  wenn
man  der  Sonne  gegenübersitzt.  Am  wenigsten  wird  die  Sonne  jedoch  am  frühen
Morgen  stören,  ja  es  hat  einen  gewissen  Reiz,  den  Morgenkaffee  im  sonnenbeschienenen
Zimmer  einzunehmen.  So  ergibt  sich  die  Ostlage  für  das  Eßzimmer  als  die  geeignetste.
Ihm  die  reine  Nordlage  zu  geben,  wird  man  sich  kaum  entschließen,  es  sei  denn,  daß
ein  geräumiger  Erker  wenigstens  für  einen  Teil  des  Tages  und  für  einen  Teil  des
Zimmers  den  Einlaß  der  Sonnenstrahlen  vermittelte.
Die  Wirtschafts-  und  Nebenräume  sind  einfach  aus  dem  Grunde  zur  sonnenlosen
            
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