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MAK

Full text : Landhaus und Garten

XXX

diesem  seitlich  in  einem  besonderen  Gebäude  anzugruppieren.  Sie  nehmen  dann  in  ihrer
Lage  die  Stellung  ein,  die  das  Wirtschaftspersonal  zur  Herrschafteinnimmt:  sie  stehen
ihm  zur  Seite.  Architektonisch  läßt  sich  die  Baugruppe  der  Wirtschaftsräume  dem
Haupthause  aufs  glücklichste  angliedern,  und  wie  schon  erwähnt,  kann  sie  leicht  dazu
verwendet  werden,  die  Bedeutung  des  Haupthauses  zu  steigern.
Die  Wirtschaftsräume  haben  im  Stadthause  eine  ganz  un  verhältnismäßige  Beschränkung ­
  erfahren.  Im  Landhause  kommt  es  darauf  an,  ihnen  die  Bedeutung  wieder  zu  verschaffen, ­
  die  sie  im  alten  ländlichen  Wohnhause  naturgemäß  hatten.  Mit  dem  Drange  in  die
Stadt,  der  der  Menschheit  des  19.  Jahrhunderts  eigentümlich  gewesen  ist,  ist  notwendigerweise ­
  eine  Einschränkung  der  Wohnungsansprüche  verbunden  gewesen.  Diese  Beschränkung ­
  wurde  aber  hauptsächlich  auf  diejenigen  Räume  ausgedehnt,  die  nicht  zum  unmittelbaren ­
  Gebrauch  des  Mieters  gehören,  denn  bei  den  Versorgern  mit  Wohnungen
lag  vorzugsweise  das  Bestreben  vor,  dem  Mieter  zu  imponieren.  Man  schränkte  daher
die  Küche  und  alle  Räume  ein,  die  das  Dienstpersonal  betrafen.  Wir  erinnern  uns  noch
der  unglaublich  engen  Mädchengelasse,  mit  denen  erst  in  den  letzten  Jahrzehnten  die
Baupolizei  aufgeräumt  hat.  Und  noch  heute  hat  die  an  sich  schon  kleine  städtische
Küche  keinerlei  Nebenräume  und  die  Vorratskammer  ist  fast  zu  einem  Schranke  zusammengeschrumpft. ­
  Statt  diesen  Räumen  die  notwendige  Fürsorge  zuzuwenden,  bietet
die  Stadtwohnung  in  den  Wohn-  und  Gesellschaftsräumen  wahre  Prunkgemächer,  die
das  notwendige  Bedürfnis  der  meisten  Mieter  ebenso  überschreiten,  wie  die  Wirtschaftsräume ­
  dagegen  Zurückbleiben.  Nach  beiden  Richtungen  hin  ist  das  Landhaus  als  Eigenhaus
berufen,  die  Ansprüche  wieder  ins  Gleichgewicht  zu  bringen.  Küchen  und  Nebenräume
müssen  wachsen,  und  die  bloßen  prunkvollen  Repräsentationsräume  können  eingeschränkt
werden.  Die  Küche  muß  geräumig  und  gut  beleuchtet  werden,  und  sie  muß  vor  allen
Dingen  so  gelegen  sein,  daß  sie  einmal  den  Mittelpunkt  aller  Arbeitsräume  der  Dienstboten
bildet,  dann  aber  auch  eine  möglichst  bequeme  und  zuträgliche  Verbindung  nach  den  Wohnräumen
  hin  hat.  Hier  ist  jedoch  hinzuzufügen,  daß  es  nicht  angebracht  ist,  die  Küche  direkt
and  äs  Eßzimmer  anstoßen  zu  lassen  oder  gar  ein  Fenster  anzulegen,  durch  das  aus  der  Küche
in  das  Eßzimmer  serviert  werden  kann.  Die  Übertragung  der  Küchengerüche  und  des  Geräusches ­
  des  Dienstpersonals  und  seiner  Hantierungen  in  der  Küche  ist  die  natürliche  üble
Folge  solcher  angeblichen  Bequemlichkeiten.  Richtiger  ist  es,  die  Küche  durch  mindestens
einen  oder  zwei  dazwischengeschobene  kleinere  Räume  vom  Eßzimmer  zu  trennen.  Als
solche  Räume  ergeben  sich  von  selbst  die  Anrichte  und  etwa  noch  ein  Aufwascheraum.  Der
Weg  von  der  Küche  nach  dem  Eßzimmer  wird  dabei  womöglich  noch  durch  eine  Richtungsänderung ­
  zu  brechen  sein.  Die  fünf  bis  acht  Meter  Mehrweg  für  das  Dienstpersonal  kommen
nicht  in  Betracht  den  großen  Vorteilen  gegenüber,  die  sich  für  den  Haushalt  ergeben.
Die  Küche  selbst  ist  möglichst  so  zu  legen,  daß  sie  von  zwei  gegenüberliegenden
Seiten  Fenster  hat,  um  Durchzug  herbeiführen  zu  können.  Als  Aufbewahrungsort  für
Vorräte  kommt  im  Landhause  unmittelbar  neben  der  Küche  nur  ein  kleines  Gelaß  in
Frage,  da  die  Kellerräume  vollauf  Gelegenheit  zur  Unterbringung  größerer  Vorräte
bieten.  Die  Speisekammer  neben  der  Küche  dient  demnach  nur  zum  Handgebrauch.
Im  übrigen  ergibt  sich  in  der  Anrichte  die  Möglichkeit,  einen  großen  Teil  der  trockenen
Vorräte  im  Unterteil  des  Geschirrschrankes  unterzubringen.  Von  großem  Werte  ist
innerhalb  der  Wirtschaftsgruppe  ein  gemütliches  Leutezimmer.  Der  Zustand,  daß  alle
Dienstboten  die  Küche  während  der  Tageszeit  als  ihre  einzige  Unterkunft  betrachten,
ist  ein  unwürdiger  und  verbietet  sich  auch  schon  dann  von  selbst,  wenn  eine  Reihe
von  Dienstboten  vorhanden  ist.  Der  vielbeklagten  Leutenot  kann  man  am  ersten  dadurch
entgegenkommen,  daß  man  das  Los  der  Dienstboten  nach  Möglichkeit  verbessert.
            
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