XXXVIII
zu werden braucht. Es fallen dann alle jene Belästigungen weg, die das Publikum als
zu trockene Luft zu bezeichnen pflegt, die aber in der Regel von versengten Staubteilchen
auf den Heizkörpern herrühren. Die Wirkung einer nur mäßig erwärmten Warmwasserheizung
ist dieselbe, wie die in einem mit einem guten Kachelofen geheizten Zimmer.
Die Zentralversorgung mit warmem Wasser bedeutet eine solche Annehmlichkeit
für das ganze Haus, daß niemand, der sie einmal benutzt hat, wieder wird entbehren
wollen. Nur muß man vermeiden, die Warmwasserversorgung vom Küchenherd aus
vorzunehmen. Denn es folgt dann die Notwendigkeit, daß der Küchenherd ständig
geheizt werden muß, wenn die Anlage einen Zweck haben soll. Andernfalls müßte man
zu den Tageszeiten, wo nicht gekocht wird, auf das Baden und Händewaschen verzichten.
Das Richtige ist, die Warmwasserversorgung selbständig zu machen. Und die
Lösung für die Zukunft scheint eine neuerdings eingeführte Einrichtung zu treffen, bei
welcher ein sogenannter Automat sofort beim Öffnen des Zapfhahnes an irgend einer
Stelle im Hause die gewünschte Quantität warmes Wasser und nicht mehr als diese
liefert. Die Einrichtung ist sehr einfach insofern, als der Gaszufluß zu dem Automaten
durch den Druck des Wassers auf die Speisung einer kleinen Stichflamme beschränkt
ist, dagegen sofort ein großes Flammenmeer entzündet wird, wenn durch Öffnen einer
Zapfstelle der Wasserdruck beseitigt wird.
* *
Das Gebiet der Innenausstattung des Hauses ist an sich so groß, daß es in
diesem Zusammenhänge nur kurz berührt werden kann. Die künstlerische Raumgestaltung
beruht vor allem in der guten Proportionierung von Längen-, Breiten- und
Höhenmaßen und in der entsprechenden Behandlung von Wand, Decke und Fußboden.
In einem gefällig wirkenden Raum sind gewisse Schönheitsverhältnisse der einzelnen
Teile zueinander vorhanden, die etwa an die Schwingungsverhältnisse der Akkorde in
der Musik erinnern. Es folgt daraus, daß der Architekt, um gute Raumwirkungen zu
schaffen, eigentlich in der Wahl der Länge, Breite und Höhe der Räume ganz frei sein
müßte. Indessen setzen praktische Rücksichten hier sehr bald scharfe Grenzen. Man
hat es nicht einmal in der Hand, die Höhe der Räume je nach ihrem Flächenformat
wechseln zu lassen, was eigentlich unbedingt nötig wäre, um durchweg gefällige Räume
zu erzielen. Denn wollte man einzelne Räume höher gestalten als andere, so würden
sich Niveauunterschiede in den darüberliegenden Geschossen ergeben, die durch Stufen
ausgeglichen werden müßten. Vereinzelte Stufen sind aber zugleich eine Unbequemlichkeit
wie eine Gefahr, ihre Anbringung hat nur Sinn, wenn es sich um einen bewußten
Zweck, etwa um die Erzielung einer bestimmten Raumwirkung durch Vereinigung eines
höher und eines tiefer liegenden Teiles des Zimmers handelt. Trotz der im Wohnhaus
vorliegenden Beschränkungen wird es aber immerhin einem geschickten Entwerfer möglich
sein, nicht nur im Format der Grundfläche der Räume zu wechseln, sondern auch
in der Überdeckung der Räume eine gewisse Mannigfaltigkeit herbeizuführen.
Eine sehr vorteilhafte Gliederung des Raumes ergibt sich auch durch Anund
Ausbauten, Erker usw. Bei der Ausgestaltung eines Erkers kann man von verschiedenen
Gesichtspunkten ausgehen. Entweder man macht den Erker zu einem Ding
an sich, indem man ihn um eine Stufe erhöht, durch einen Gurtbogen vom Zimmer
abtrennt und ihm eine besondere Deckenbildung gibt. Oder man faßt ihn als eine
Erweiterung und Vergrößerung des Zimmers auf; in diesem Falle ist Grundbedingung,
daß sowohl der Fußboden als die Decke des Zimmers in den Erker hineinläuft. Ein