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Behandlung um alle seine Wirkung gebracht wird. Über Farbe Belehrungen zu geben, ist
sehr schwer, da hier der persönliche Farbensinn allein entscheiden kann. Einige all
gemeine Erfahrungen seien aber angeführt, z. B. die, daß man stets einen sehr an
genehmen, einheitlichen Eindruck erreicht, wenn man in der farbigen Behandlung den
Fußboden und die Wand zusammenfaßt. In gestrichenen oder mit Linoleum belegten
Räumen wird man einfach die Farbe des Fußbodens gleich der Farbe der Wand machen.
Sehr viel schwieriger ist das Problem bei Stabfußboden und Parkett, zu dessen Natur
farbe sich nur schwer eine entsprechende Färbung der Wand finden läßt, es sei denn eine
Bespannung mit naturgelbem Leinen. Überhaupt lehrt die Erfahrung, daß zwar Natur
farben mit ähnlichen Naturfarben gut harmonieren, auch wenn sie nicht genau überein
stimmen, daß dagegen die Zusammenstimmung einer Naturfarbe mit einer Anstrichfarbe
immer Schwierigkeiten bietet.
In der Behandlung der Wand sei auf die im englischen Hause stets vorhandene
Bilderleiste aufmerksam gemacht. Sie macht ein Durchlöchern der Wand mit Bilderhaken
unnötig, da alle an der Wand hängenden Bilder, Spiegel usw. mittels eines einfachen,
lose aufsitzenden Messinghakens und einer Schnur befestigt werden. Die Bilderleiste
sitzt in der Regel in Frieshöhe, dem Wandstreifen über ihr kann man eine Friesbemalung
geben oder man kann ihn einfach wie die Decke weiß stehen lassen. Die Wandfläche
unter der Leiste kann man rhythmisch teilen durch senkrechte Leisten, die oben gegen
die Bilderleiste anlaufen. Eine solche Leistenteilung ist bei Stoffbespannung der Wand
nötig, um die zusammenstoßenden Kanten der Stoffbahnen zu überdecken, sie leistet
aber auch bei einfachem Wandanstrich den Dienst einer architektonischen Gliederung
und verleiht dadurch einem Raum mit verhältnismäßig geringen Mitteln einen würdigen
Eindruck. Außerdem schützen die Leisten dadurch, daß sie vor die Wand heraustreten,
die dahinterliegenden Wandfelder vor Beschädigung durch Best.oßen usw. Von hervor
ragendem Nutzen erweisen sie sich in dieser Beziehung als Bekleidung aller im Hause
auftretenden Putzecken. Die Frage, die Putzecken gegen die so leicht vorkommenden
Bestoßungen zu sichern, ist auf andere Weise noch nicht einwandfrei gelöst. Die ein
gesetzten Eisenecken haben durch ihre Härte etwas Verletzendes und markieren sich
außerdem stets in der Putzfläche. Durch die Benagelung mit senkrechten Leisten hilft
man sich über die Schwierigkeiten auf einfache Weise hinweg, und die weiß gestrichenen
Leisten verleihen dem Raume außerdem noch etwas Schmuckes und Freundliches.
Absichtlich ist bisher noch nicht von der Ausschmückung der Räume mit Orna
menten die Rede gewesen. Im allgemeinen wird der Bemalung durch den Stubenmaler
und der Anbringung von Stukkaturarbeiten in Deutschland viel zu viel Bedeutung bei
gemessen. Hat man gut gegliederte und proportionierte Räume, und ist die Wand- und
Fußbodenfarbe gut gewählt, so ist für gewöhnliche Fälle ein Zutrag von weiteren Schmuck
formen überflüssig. Ornament in Dutzendherstellung ist überdies sehr selten eine künst
lerische Steigerung. Wo man Ornament wählt, achte man daher streng darauf, daß es
von Künstlerhand herrührt. Man scheue sich nicht, für eine kleine Deckenbemalung,
die an irgend einer bevorzugten Stelle im Hause auftritt, oder für ein kleines Stuck
ornament gut zu zahlen und dafür die quadratmeterweise gelieferte Deckenmalerei des
geschäftsmäßigen Stubenmalers zu sparen. Der moderne Mensch ist gerade durch die
Massenornamentation der letzten Jahrzehnte gegen Ornament ungemein empfindlich ge
worden. Man ist sich wieder bewußt geworden, daß Ornament Kunst ist. Kunst kann
aber nie ein Massenartikel, sondern nur die individuelle Leistung eines Künstlers sein.