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MAK

Full text : Landhaus und Garten

XLIII

sind  noch  jene  schon  genannten  Nebenkosten  in  Ansatz  zu  bringen,  die  außerhalb
des  Hauses  auflaufen  und  die  beim  Landhaus  häufig  zu  großer  Bedeutung  anwachsen.
Hierhin  gehören  die  Kosten  für  die  Umwehrung  des  Grundstückes  und  für  etwa
nötig  werdende  Futtermauern,  für  Zufahrtwege,  für  die  Anlage,  Bepflanzung,  Bewässerung ­
  und  Ausstattung  des  Gartens,  für  die  Zuleitung  von  Wasser,  Gas  und  Elektrizität,
  für  Beseitigung  der  Abwässer,  ferner  auch  für  ein  etwaiges  Pförtnerhaus,  für
Stallungen,  Remisen,  Gärtner-  und  Gewächshäuser.  Hierfür  von  vornherein  genaue
Angaben  zu  machen,  ist  unmöglich,  da  diese  Kosten  ganz  und  gar  von  der  Lage  und
Größe  des  Bauplatzes  abhängen.  Als  besondere  Ausgaben  sind  schließlich  zu  betrachten ­
  die  Kosten  für  eine  etwa  gewünschte  bessere  Ausstattung  der  Innenräume,
für  Wandverkleidung  in  Holz  oder  Marmor,  für  Stuckdecken,  künstlerische  Ausmalung,
farbige  Glasfenster  usw.,  sowie  ferner  für  die  Beleuchtungskörper,  den  Treppenbelag,
etwa  einzubauende  Kamine,  für  Möbel,  Teppiche,  besonders  kostbare  Beschläge  der  Türen
und  Fenster,  gut  durchgebildete  Heizkörperverkleidungen  usw.  Auch  für  diesen
besseren  inneren  Ausbau  lassen  sich  Durchschnittsangaben  von  vornherein  nicht
'machen,  da  hier  je  nach  den  individuellen  Wünschen  über  die  Art  der  Gestaltung,
je  nach  den  Materialien  und  je  nach  der  Arbeit  die  Preisunterschiede  enorm  sind.
Hieraus  folgt  nun  sofort  deutlich,  daß  mit  der  Angabe,  ein  Haus  koste  so  und
so  viel,  so  gut  wie  nichts  gesagt  ist,  und  daß  in  jedem  Falle  festgestellt  werden  müßte,
ob  in  den  Kosten  der  bloße  Bau  ohne  gediegene  Innenausstattung  und  ohne  Nebenkosten, ­
  oder  der  Bau  mit  besserem  innerem  Ausbau,  eventuell  auch  mit  neu  anzuschaffenden ­
  Möbeln,  sowie  mit  den  außerhalb  des  Hauses  auflaufenden  Nebenkosten  zu  verstehen ­
  ist.  Bei  den  in  diesem  Buche  vorgeführten  Abbildungen  ist  zwar  der  Baupreis  fast
durchweg  genannt,  es  ist  aber  nicht  möglich  gewesen,  die  notwendigen  Untersuchungen,
wie  weit  sich  die  Kosten  erstrecken,  in  allen  Fällen  durchzuführen,  so  daß  auch  diese
Angaben  nicht  als  erschöpfend  betrachtet  werden  können.
Pflicht  des  Architekten  ist  es,  den  Bauherrn  von  vornherein  über  diese  notwendigste ­
  aller  Grundlagen  des  Bauens:  die  Baukosten,  aufzuklären.  Daß  ihm  dies  mit
Leichtigkeit  möglich  ist,  soweit  der  einfache  Bau  in  Frage  kommt,  geht  aus  dem  vorher ­
  Gesagten  klar  hervor.  Auch  über  die  etwaigen  Mehrausgaben  für  einen  besseren
inneren  Ausbau  kann  er  aus  seiner  Erfahrung  heraus,  nachdem  ihm  die  Wunsche  des
Bauherrn  mitgeteilt  worden  sind,  summarische  Angaben  machen,  und  selbst  für  Nebenkosten ­
  außerhalb  des  Hauses  lassen  sich,  sobald  der  Bauplatz  vorhanden  ist,  wenigstens
ungefähre  Grenzen  angeben.  Auf  diese  Weise  kann  ein  erfahrener  Architekt  dem
Bauherrn  von  vornherein  ein  Bild  von  den  Gesamtkosten,  mit  denen  beim  Bau  seines
Hauses  zu  rechnen  ist-  entrollen.  Leider  erfolgt  diese  Aufklärung  nicht  in  allen  Fallen,
so  daß  die  späteren  Überraschungen  nicht  ausbleiben.  Auf  der  andern  Seite  kann  man
es  aber  auch  häufig  erleben,  daß  der  Bauherr,  wenn  ihm  der  Architekt  den  ganzen
Kostenplan  enthüllt,  zurückschreckt  und  die  Verhandlungen  abbricht.  In  ganz  an  ern
Vorstellungen  befangen,  meint  er,  der  Architekt,  den  er  befragt  hat,  mache  ihm  ü  ertrieben
  hohe  Angaben,  und  er  fürchtet,  mit  ihm,  wie  man  im  Publikum  sagt,  „zu  teuer
zu  bauen“.  Und  so  sind  die  Fälle  sehr  häufig,  daß  ein  Bauherr,  weil  er  die  volle
Wahrheit  vorläufig  nicht  vertragen  kann,  sich  an  andere  Stellen  wendet,  die  ihn  in
dem  Gefühle  belassen,  daß  er  auf  viel  billigere  Weise  zu  einem  Hause  gelangen  könne.
Sie  rechnen  damit,  daß  er  sich  allmählich  an  das  Geldausgeben  gewöhnen  und  daß  er
schon  zahlen  werde,  wenn  er,  wie  das  im  Laufe  des  Baues  mit  Sicherheit  erfolgt,  vor
die  Notwendigkeit  gestellt  wird,  das  Angefangene  zu  vollenden.
Und  mit  dieser  Gewöhnung  des  Bauherrn  rechnen  sie  in  der  Regel  richtig.

VI*
            
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