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MAK

Full text : Landhaus und Garten

XLV

diese  Weise  in  ein  Haus  sehr  viel  mehr  hineingearbeitet  werden  kann,  auch  wenn  es  sich
von  einem  andern  in  der  Größe  nicht  unterscheidet,  ist  ohne  weiteres  klar.  Und  in
der  Tat  liegen  hier  alle  Qualitätsunterschiede.  Gerade  die  sorgfältige  Durchdenkung
jeden  Raumes,  ja  jeder  Ecke  des  Hauses  mit  dem  Ziele,  den  Zweck  aufs  innigste  zu
erfüllen;  die  liebevolle  Behandlung  jeder  konstruktiven  Einzelheit,  die  Sorge  für  die
denkbar  praktischste  Einrichtung  jeden  Gelasses,  für  die  zweckmäßigste  Form  jeden
Schrankes,  ja  jeden  Hakens:  sie  sind  es,  die  erst  jenen  höheren  Komfort  schaffen,  der
ein  Haus  angenehm  zu  bewohnen  macht.  Und  für  den  verständnisvollen  Bauherrn
liegt  in  diesem  Komfort  sicherlich  der  Hauptwert  des  Hauses.  Hier  wie  in  allen  menschlichen ­
  Erzeugnissen  sind  sehr  verschiedene  Grade  der  Vollendung  möglich,  und  diese
spiegeln  sich  naturgemäß  wirtschaftlich  im  Preise  wider.  Je  nach  dem  Grade,  bis  zu
welchem  es  durchgebildet  ist,  können  sich  die  Kosten  eines  Hauses  in  sehr  weiten
Grenzen  bewegen.  Es  ist  an  und  für  sich  nur  zu  wünschen,  daß  man  sich  der  feineren
Unterschiede  des  Komforts  mehr  und  mehr  bewußt  wird,  denn  so  allein  können  wir
zu  einer  wirklichen  Qualität  des  Hausbaues  gelangen.
So  lange  es  sich  im  übrigen  um  die  Wünsche  eines  Bauliebhabers  handelt,  dessen
Mittel  nicht  gerade  beschränkt  sind,  fällt  eine  Erhöhung  der  Bausumme  vielleicht  viel
weniger  ins  Gewicht,  als  der  Umstand,  daß  sich  der  Bauherr  in  seinem  neuen  Hause
dann  wirklich  behaglich  fühlt.  Auf  diese  Weise  kann  es  sich  sogar  ereignen,  daß  bei  allzu
ängstlicher  Berücksichtigung  der  Kosten  später  Unzufriedenheit  mit  dem  Bau  und  das
heißt  mit  dem  Architekten  erwächst,  so  daß  es  direkt  Pflicht  des  Architekten  wird,  den
Bauherrn  zum  Besseren  und  damit  Kostspieligeren  zu  veranlassen,  wenn  er  dessen  gesteigerte ­

  Bedürfnisse  im  Laufe  des  Baues  kennen  lernt.
Anders  steht  die  Sache  dagegen  bei  dem  Bauherrn  mit  beschränkten  Mitteln,
der  sich  vielleicht  für  sein  ganzes  ferneres  Leben  finanziell  schwer  schädigen  würde,
wenn  die  Abrechnung  eine  wesentlich  höhere  Summe  ergäbe,  als  der  Voranschlag.  Aber
gerade  hier  ist  der  aufrichtige  Beistand  eines  erfahrenen  Architekten  doppelt  wichtig,
denn  dieser  wird  infolge  seiner  Übersicht  über  die  Verhältnisse  am  ehesten  das  durchzuführen ­
  wissen,  was  wirtschaftlich  für  den  Bauherrn  das  allein  Mögliche  ist.  Der
gewissenhafte  Architekt  wird  stets  bereit  sein,  den  finanziellen  Gesichtspunkt,  wenn
der  Bauherr  auf  ihn  das  ausschlaggebende  Gewicht  legt,  in  voller  Schärfe  zu  wahren,
zumal  dies  an  und  für  sich  durchaus  kein  Kunststück  ist.
Im  übrigen  ist  die  Frage,  ob  ein  Bauherr  mit  einem  Architekten  oder  direkt  mit
einem  Baugeschäft  bauen  soll,  eine  rein  individuelle.  Ihre  Entscheidung  hängt  vor  allem
davon  ab,  was  der  Bauherr  zu  haben  wünscht.  Wer  keinerlei  Anforderungen  stellt,
wer  lediglich  eine  Reihe  von  Zimmern  der  üblichen  Art  zu  einem  Hause  aneinander
gereiht  haben  will,  wem  der  Bau  eines  Hauses  kein  größeres  Erlebnis  ist  als  die
Deckung  eines  Alltagsbedürfnisses:  für  den  hat  es  vielleicht  keinen  Sinn,  die  Tätigkeit
eines  gewissenhaften  Architekten  herauszufordern,  dem  seine  Arbeit  eine  Herzensangelegenheit ­
  ist,  und  der  seine  ganze  Intelligenz  und  künstlerische  Kraft  an  diese  Aufgabe ­
  setzt.  Es  gibt  andererseits  auch  Bauherren  mit  so  stark  ausgeprägtem  Eigenwillen,
daß  sie  dem  Architekten  gar  nicht  Gehör  geben  wollen  und  kategorisch  ihre  nicht
immer  auf  Sachkenntnis  und  künstlerischer  Einsicht  beruhenden  Wünsche  diktieren.
Auch  für  sie  hat  es  wenig  Zweck,  sich  an  einen  Architekten  zu  wenden,  dessen  Gewissenhaftigkeit ­
  nur  Differenzpunkte  heraufbringen  würde.  Ein  Baugeschäft  wird  das  liefern,
was  verlangt  wird.  ,  .  .,  „  .  .
Das  beste  Verhältnis  zwischen  dem  Architekten  und  dem  Bauherrn  ergibt  sich
dann,  wenn  sich  die  Auffassungen  über  Geschmack,  Komfort,  Hygiene  und  was  alles
            
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