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B. Das Entstehen der dichteren
Formen.
Noch mehr aber als die
Schwierigkeit, ein kräftiges Relief
zu bilden, macht sich nun bei
der Klöppelspitze eine andere
technische Eigentümlichkeit gel
tend: die natürliche Neigung der
geklöppelten Verbindungen, sich
zu einem regelmäßigen Netze zu
formen. Es kommen wohl auch
einfache unregelmäßige Steg
gründe mit oder ohne Picots wie
bei den Nähspitzen vor, aber doch
scheinen sich in der Klöppelspitze
die regelmäßigen, wirklichen,
Grundnetze früher entwickelt zu
haben als in der Näharbeit; es mag
jedoch dahingestellt bleiben, ob
dies anfangs als ein künstlerischer
Fortschritt oder nicht vielmehr
als ein Notbehelf aufgefaßt wur
de. Die sogenannten Mailänder
Spitzen, die aber nicht aus Mai
land zu stammen brauchen, zeigen diese Eigentümlichkeit bereits hochentwickelt, sie erinnern in gewissem
Sinne schon an die späteren Valenciennes-Arbeiten, obgleich sie technisch anders ausgeführt sind.
Gegen Ende des XVII. Jahrhundertes gestalten sich in den Nähspitzen die Picots zu kleinen Bogen-, Räd
chen- und Röschenformen und die Stege selbst zu weitläufigen, aber meist noch unregelmäßigen, Netzen aus
und leiten damit zu den sogenannten Rosalinspitzen (,,points de rose“) über (vergleiche die Abbildung g).
Doch finden wir schon früher — besonders auf niederländischen und französischen Bildern — einen anderen
dichten Typus offenbar geklöppelter Spitzen sehr häufig vertreten, bei denen die Musterungen trotz ihrer
großen Zeichnung im Grunde fast zu verschwinden scheinen; ich verweise auf ein bemerkenswertes Familien
bildnis aus der Schule Terburgs in der Liechtenstein-Galerie zu Wien und auf ein Bildnis der Clara Sabina Dönnin
Abb. 24. Halstuch, Näharbeit, französisch, 1. Hälfte des XVIII. Jahrhundertes. 1 /„ d. n. Gr. Frau von
Rosenstock-Rozstocka, Schloß Skalat (Galizien)
(geb. 1636, gest. 1665), von Phil. Kilian gestochen, weil es uns die Datierung gestattet. Manche dieser dicht
gemusterten Spitzen sehen noch weit später mehr wie eine Fortsetzung der Spätrenaissance- denn wie Barock
spitzen aus. Man darf dabei nicht vergessen, daß die Barockkunst nicht in allen Kulturländern gesiegt hat; in
England, zum Teile in Frankreich und Deutschland, aber besonders in Holland wird die Spätrenaissance durch
das ganze XVII. Jahrhundert fortgeführt und leitet dann direkt in das Rokoko oder eigentlich schon in den
Klassizismus und Naturalismus über und wirkt dann auch wieder auf die anderen Länder. In der Spitze können
wir die sogenannten Potjes-Kanten (Töpfchen-, Vasenspitzen), über die weiterhin noch gesprochen werden soll,
als eine solche späte klassizistische Fortsetzung der Renaissancetypen ansehen. 1
1 Sehr bezeichnend für die „kunstgeschichtliche“ Auffassung zahlreicher Bücher über die Spitze ist eine Bemerkung, die durch eine Reihe der genannten
englischen Werke hindurchgeht und hier nach dem jüngsten Werke (Hudson Moore a. a. O. S. no) angeführt sei: „Pottenkant .... This was essentially a Dutch
lace, and, while in the several centuries of its manufacture it has undergone modifications, it still bears some of the Symbols it originally had. This pot lace was
an elaborate design figurmg the Annunciation, with figures and flowers. Late in the seventeenth Century the figures were omitted, and to day all that remains is the
two-handled flower-pot with floral devices straying over from each side.“ Diese Spitze war also zuerst eine vollständige Darstellung von Mariä Verkündigung,
wofür Beispiele allerdings nicht angeführt werden und kaum angeführt werden könnten; Maria und der Engel (wie andere genauer ausführen, auch die Lilien) sind
dann verschwunden und am Schlüsse ist nur der Blumentopf (der irgendwo auf einem Bilde der Verkündigung sich finden mochte, aber gar nicht zur Sache gehörte)
übrig geblieben! „Owing to the symbolism, this lace was at one time in great demand in Spain.“
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Abb. 25. Barbe „Alencon“, genäht. 2. Viertel des XVIII. Jahrhundertes. r /2 d. n. Gr. Anna Freifrau von Cnobloch, geb. Gräfin Lodron, Wien