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Abb. 44. Belgische Klöppelarbeit. 3. Viertel des XIX. Jahrhundertes.
i/ 3 d. n. Gr. Ihre k. u. k. Hoheit Frau Erzherzogin Marie Josepha
unterscheidet Brüsseler Klöppelspitzen („dentelles de Bru
xelles“) und Brüsseler Nähspitzen („points de Bruxelles“).
Es wird dann geschildert, welche große Sorgfalt die
Erzeuger auf stets neue Grundmusterung verwenden.
Es heißt sodann weiter:
„Die Mecheler Klöppelspitzen („dentelles des Malines“)
sind nach den Brüsselern die schönsten und von etwas
längerer Dauer. Sie unterscheiden sich dadurch, daß man
sie in einem einzigen Stücke klöppelt. Man bringt aber wie
bei den Brüsseler Spitzen verschiedene Gründe an, je nach
der Zeichnung, um die Blumen herauszuheben und ihnen
so Abtönung und Glanz zu geben . . . Man erzeugt sie viel
in Antwerpen, Mecheln und Brüssel, übrigens auch in Brügge und Gent.“ 1
In diese Richtung gehören auch die schon erwähnten „Potjes-Kanten“, bei denen klassizistische Vasen
mit Blumen sich in sehr abwechslungsreichen Gründen finden; diese Typen scheinen besonders sehr viel für
Hauben, und da nicht selten in gefälteltem Zustande, verwendet worden zu sein. Für solche Anwendung sind
sie anscheinend auch nach Süddeutschland, Böhmen und anderen Gebieten viel ausgeführt und dort auch früh
schon nachgeahmt worden.
„Die Valenciennes-Spitzen sind gleichfalls in einem einzigen Stück geklöppelt, aber aus ein und demselben
Faden und mit einem gleichmäßigen Netze; dies setzt sie gegenüber den Mechelern an Geschmack und Schön
heit natürlich etwas herab. Sie sind gleichwohl, wenn sie auch weniger schön sind, teuer, weil sie solider sind.
Sie stehen überdies durch die Farbe zurück, sie sind etwas rötlichweiß und nie ganz rein weiß. Man macht in
Gent dieselben Sorten, aber weniger dicht und weniger teuer; man nennt sie darum falsche Valenciennes (fausses
Valenciennes), an Schönheit stehen sie aber fast gleich.“ 2
Die Hauptarten der niederländischen Spitze wären danach ziemlich klar; man könnte noch hinzufügen, daß
die Brüsseler Spitzen, das heißt die in einzelnen Teilen geklöppelten und dann zusammengesetzten, an den
Rändern der Formen durch Übereinanderschlagen von Fäden meist stärkere Linien und kräftigeres Weiß erzielen,
während die in einem Stücke geklöppelten (Mecheler) gern breitere weiße Fäden zum Klarermachen der Umrisse
einlegen. Die zusammengesetzten Brüsseler Arbeiten konnten naturgemäß auch in größerer Breite hergestellt
werden und sind darum besonders auch für die nun sehr reich geschmückten Alben, für die Volants der Damen
kleider und Taufdecken sehr beliebt. 3 Man vergleiche die Abbildungen 19, 21, 25, 29, 31 und 33.
V. DIE KLASSIZISTISCHE UND NATURALISTISCHE SPITZE.
Um die Mitte des XVIII. Jahrhundertes wandelt sich das Rokoko bekanntlich in den Stil, den wir als
„Louis XVI“ zu bezeichnen pflegen. Die Überbleibsel der Barocke, die im Rokoko, wenn auch in freier, oft
kühner Verwendung immer noch vorhanden waren, all das Voluten- und Schnörkelwerk und auch die Muscheln
und Figürchen, gehen nun verloren; übrig bleibt nur der schon so hoch entwickelte Naturalismus des Rokoko,
der aber immer noch fortschreitet, und der Reichtum der zarten Gründe, die nun in Ermanglung großer
Formen immer wichtiger werden. Die Blumen werden verstreut oder zu Gewinden gebunden und, dem Sinne
für naturalistische Gestaltung entsprechend, mit Bändern und Maschen angeheftet oder in Körbchen gesammelt;
man vergleiche die Abbildungen 26 und 28. Die Hauptgliederungen beschränken sich häufig auf gerade oder
langgewellte Streifen oder auf einfache, etwa sechseckige Gliederungen, wie bei dem Stück auf der Abbildung 38.
Die Gründe, auf deren Ausgestaltung nicht genug Fleiß verwendet werden kann, sind nun eigentlich das Herr
schende geworden.
Mit dem Fortschreiten des Klassizismus bleiben von den alten Dekorationen nur kleine Streublümchen,
Blättchen, Kreise, Streifen und Punkte übrig, höchstens am Rande noch einiges Blattwerk; ein bemerkenswertes
Beispiel bietet die auf Tafel 49 abgebildete Spitze, die dem Fürsten Blücher von der Stadt Brüssel nach der
Schlacht bei Belle-Alliance überreicht wurde und somit gewissermaßen das letzte Stück der Empirespitze dar
stellt. Wenn sich reichere naturalistische Formen finden, dann sind sie auch sehr naturalistisch und viel kräftiger
1 Savary (V, 289) sagt von Brügge: „Les dentelles de Bruges passent pour dentelles de Malines, et se vendent sur le meme pied.“ Wenigstens bei älteren
Spitzen liegt also kein Grund vor, eine eigene Brügger Art zu unterscheiden. Auch die Spitzen von Gent nähern sich den Mechelern und gehen als solche in den
Handel (a. a. O., V, 285).
Von Antwerpen heißt es bei Savary (a. a. O., V, 277):
,,La principale de toutes les manufactures qui sont etablies ä Anvers, et qui en soutient davantage le commerce, est celle des ,,dentelles de fil ‘, qui sont
connues en France sous le nom de „dentelles de Malines“, et il n’est pas possible de s’imaginer combien la France et la Hollande en enlevent tous les ans, aussi-
bien que des fils de toutes sortes, dont la filage est excellent dans cette ville, et aux environs.“
2 Mit der hier erwähnten rötlichen Färbung ist aber nicht zu verwechseln, daß manche ältere Spitzen einen tee- oder kaffeebraunen Ton haben; manche Stücke
wurden offenbar schon in alter Zeit gefärbt, vielleicht um sie besser zum Oberkleide zu stimmen.
3 Man stellte in den Niederlanden natürlich auch gröbere Klöppelspitzen her, von denen Savary (a. a. O., V, Sp. 27g) bemerkt, daß einige nur für den Handel
nach Spanisch-Indien geeignet waren. Die spanischen Gebiete scheinen überhaupt mehr die gröberen Arten aufgenommen zu haben, wie die lothringischen (Savary,
V, 292) und die der Normandie.