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Full text: Ferdinand Georg Waldmüller

Wäre die Ölmalerei nicht erfunden, dann dürften wir allerdings ge- 
nöthigt seyn, jene Mittel zu ergreifen. Unter den gegenwärtigen Ver 
hältnissen aber erscheint diese Unterrichtsmethode ganz entbehrlich, da 
man mittelst der Ölfarbe mit einem verständig angebrachten Pinselstrich 
das zu erreichen vermag, was mit allen Bleistift- oder Kreidestrichen 
unmöglich zu bewirken ist, abgesehen der Ersparniß an Zeit und sonstigen 
Vortheilen. Das Malen ist ja doch das Endziel jener Vorübungen, und 
demnach nichts anders als ein Zeichnen mit Pinsel und Farbe, und somit 
ist es gewiß, daß derjenige, welcher malen kann, auch in allen Zeichnungs 
methoden Gelungenes leisten wird, wenn es ihm zur Aufgabe gestellt 
ist. Ich habe durch Studium und Erfahrung die Überzeugung gewonnen, 
daß die volle Kenntnis derWirkungen von Licht und Schatten nur durch 
das ölmalen zu erlangen sey, weil man auf diesemWege allein, in dem 
Ausdrucke der Natur am nächsten zu kommen vermag. — Ich glaube 
hier am füglichsten eine Andeutung über einen sehr wichtigen Punkt in 
dieser Beziehung einschalten zu können. Dieser Punkt ist die Pinsel 
führung. Dieselbe soll nämlich immer nach der Form Statt finden, 
d. h. nach dem Grundsätze, daß man eine senkrechte Form nicht durch 
eine horizontale Pinselführung hervorbringen könne und so umgekehrt. 
Zu dieser Pinselführung, durch welche der richtige Vortrag bedingt ist, 
gehört also nothwendig das Erkennen, das Durchdrungenseyn von der 
darzustellenden Form, weil der geringste Zweifel über dieselbe auch 
einen fehlerhaften Vortrag hervorbringt. Daß übrigens auch dieser Theil 
der Technik nicht durch copiren, sondern wieder nur durch das Anschauen 
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