finden sich durch dieses Verfahren die Mitteltöne von selbst, da das
Hauptlicht und der Hauptschatten dem Schüler als Anhalts
punkte dienen. Es ist ein Leichtes, die Lokalfarben zu finden, denn wer
vermöchte nicht Blau, Roth, Gelb oder Grün zu unterscheiden; aber
nur Licht und Schatten lehrt den Schüler, w i e blau, w i e roth, w i e gelb
oder grün eben ein Gegenstand in der Natur sey. Nur aus der Beobachtung
und Anwendung der richtigen Stärke von Licht und Schatten entspringt
die Erkenntniß der richtigen Farbe; denn ist ein Licht oder ein Schatten
zu schwach oder zu stark, so haben dieselben natürlich auch nicht die
richtige Farbe. Aus alle dem geht nun auch bei diesem Gegenstände die
Bestätigung der oben ausgesprochenen Überzeugung hervor, daß die
beste und sicherste Belehrung nur aus der Natur, der lautersten Quelle
des Unterrichtes, zu schöpfen sey.
Das Copiren alter Gemälde, wodurch sich viele ein gutes Colorit eigen
zu machen glauben, muß ich nach meinen Ansichten als durchaus ver
werflich bezeichnen, weil es eher von schädlichem als irgend einem
nützlichen, oder fördernden, Einfluß ist. Abgesehen davon, daß das
Colorit (in jener Beziehung, wie es dort verstanden wird) bei einem
wirklichen Kunstwerke nur als eine Nebensache erscheint, und nur die
plastischeWiedergabe von Schatten und Licht die Hauptsache bleibt, so
kann ein solches Copiren bei dem Schüler nichts anderes erzwecken, als
die Aneignung einer Manier, welche doch niemals allen vorkommenden
Fällen angepaßt werden kann. Ein anderer Nachtheil entsteht daraus,
daß neu gemalte Bilder auf solche Weise die tiefe Stimmung der Farbe
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