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Full text: Ferdinand Georg Waldmüller

finden sich durch dieses Verfahren die Mitteltöne von selbst, da das 
Hauptlicht und der Hauptschatten dem Schüler als Anhalts 
punkte dienen. Es ist ein Leichtes, die Lokalfarben zu finden, denn wer 
vermöchte nicht Blau, Roth, Gelb oder Grün zu unterscheiden; aber 
nur Licht und Schatten lehrt den Schüler, w i e blau, w i e roth, w i e gelb 
oder grün eben ein Gegenstand in der Natur sey. Nur aus der Beobachtung 
und Anwendung der richtigen Stärke von Licht und Schatten entspringt 
die Erkenntniß der richtigen Farbe; denn ist ein Licht oder ein Schatten 
zu schwach oder zu stark, so haben dieselben natürlich auch nicht die 
richtige Farbe. Aus alle dem geht nun auch bei diesem Gegenstände die 
Bestätigung der oben ausgesprochenen Überzeugung hervor, daß die 
beste und sicherste Belehrung nur aus der Natur, der lautersten Quelle 
des Unterrichtes, zu schöpfen sey. 
Das Copiren alter Gemälde, wodurch sich viele ein gutes Colorit eigen 
zu machen glauben, muß ich nach meinen Ansichten als durchaus ver 
werflich bezeichnen, weil es eher von schädlichem als irgend einem 
nützlichen, oder fördernden, Einfluß ist. Abgesehen davon, daß das 
Colorit (in jener Beziehung, wie es dort verstanden wird) bei einem 
wirklichen Kunstwerke nur als eine Nebensache erscheint, und nur die 
plastischeWiedergabe von Schatten und Licht die Hauptsache bleibt, so 
kann ein solches Copiren bei dem Schüler nichts anderes erzwecken, als 
die Aneignung einer Manier, welche doch niemals allen vorkommenden 
Fällen angepaßt werden kann. Ein anderer Nachtheil entsteht daraus, 
daß neu gemalte Bilder auf solche Weise die tiefe Stimmung der Farbe 
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