108
Anzahl der Besten bereits in den Wintermonaten von
den geachtetsten Firmen angestellt wurden.
Zum ersten Male sah sich die Anstalt von den
Fesseln des ihr aufgezwungenen Religions-Unterrichtes
befreit (mit Erlass des Ministeriums für Cultus und Un
terricht, Z. 4470 vom 21. Mai 1870). Der Religions
unterricht an der Handels-Akademie hörte damit auf,
nachdem es der Akademie ein Jahr zuvor gelungen
war, einer anderen Erbschaft der Concordats-Epoche
ledig zu werden. Das Ministerium für Cultus und Un
terricht hatte nämlich (mit Rescript, Z. 4043, vom 31.
Mai 1869) genehmigt, dass der Passus in den Statuten:
„Der Director und der Professor, sowie die Docenten
der Geschichte müssen der christkatholischen Kirche
angehören“, wegzubleiben habe, dagegen in den Statuten
die Fähigkeit, ein Lehramt zu bekleiden, ohne Rück
sicht auf die Confession als nur von der wissenschaft
lichen und Lehr-Befähigung abhängig ausgesprochen
werde.
i87i. In noch viel höherem Grade zeigte das Jahr 1870 71
das I ortschreiten der Anstalt. Die Frequenz wies eine
mehr als 30%ige Steigerung auf, an welcher Vermeh
rung alle Jahrgänge Antheil nahmen, so dass die Noth-
wendigkeit sich herausstellte, die 258 Hörer der ersten
Akademie-Classe in 3, die 180 Hörer der letzten
Akademie-Classe in 2 Parallel - Abtheilungen unterzu-
brmgen, so dass eigentlich für die 4 Jahrgänge 8 Ab
theilungen bestanden. Einen sehr herben Verlust er
litt die Lehranstalt mit dem am 2. Juli 1871 einge-
Franz Hauke + treteiien Tod ihres Directors Franz Hauke. 50 ) Die
provisorische Leitung führte bis zum 1. August nach
dem einmüthigen Vorschläge des Professoren ■Collegiums
1 rofessor Simon Spitzer (gleichzeitig k. k. o. ö. Pro
fessor au der technischen Hochschule in Wien), welcher
dem Institute seit seinem Bestände angehörte. Die
Wahl des Verwaltungsrath es für die Stelle des Direc-
so ) Vergl. Franz Hauke. Ein Nachruf von Dr. H. M. Rich
ter. Jahresbericht der Wiener Handels-Akademie vom Jahre 1871.