13
Die Kaiserin hat ausserdem die Heranbildung Zweck der Aka-
„herrschaftlicher Wirthschafts- und Finanzbeamten und ,lcmic -
geschickter Commercialkünstler“ im Auge.
Was mit der Akademie bezweckt werden solle,
darüber werden wir von den gleichzeitigen Ankündi
gungen belehrt: „Es wird das Hauptaugenmerk haupt
sächlich darauf gerichtet, die Jugend binnen 2 Jahren
so zu bilden, dass sie mit allen zur Handlung nöthi-
gen Hilfswissenschaften vorbereitet werde, um bei den
Handlungsgeschäften, dem Commerz- und Manufactur-
wesen dem Vaterlande einstens gute Dienste zu leisten
können.“ Denn „der geschickte Handelsmann soll sich
vom Krämer unterscheiden,“ dies wird jedoch nur er
zielt „durch Unterricht der Söhne der erbländischen
Handelsleute, die bei der Aufnahme den Vorzug haben,
und zwar ohne Unterschied der Religion.“ So resolvirt
die Kaiserin 11 Jahre vor dem Toleranz-Patent! Maria
Theresia hatte ferner dafür gesorgt, „dass die Akade
mie allzeit mit geschickten Lehrern, die ihre Besol
dung von dem Aerarium erhalten, einem auserlesenen
Büchervorrath und anderen erforderlichen Sammlungen
versehen sei ").
Der Unterricht wurde theils theoretisch, theils prak
tisch ertheilt. Deutsche, französische, italienische Sprach
lehre und Correspondenz, Geographie, die sich zugleich
auf die Kenntniss der Naturalien, Waarcn und Mün
zen, sowohl der k. k. Erblande als der fremden Staa
ten und deren Handelsverbindungen erstreckt, Geome
trie, Mechanik, Naturlehre, doppelte Buchhaltung, Hand
lungsrecht zu Land und zur See, praktische Hand
lungswissenschaft, Natur- und Civil-Recht, endlich Ver-
nunft- und Sittenlohre — sind die Gegenstände des
Unterrichtes, der von 1 Director und 8 Lehrern in 2
Jahrgängen in täglich 6 Stunden mit Ausnahme des
Donnerstags und der Sonn- und Feiertage in der Zeit
von 8—12 U. V. M. und 3—5 U. N. M. in abgesonder-
1 *) Vgl. Realzeitung vom. 21. Jänner 1771.