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Full text : Die Juwelen- & Goldwaaren-Industrie der Welt-Ausstellung in Wien 1873

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‘ätiigercdjt  ttnb  fttffoö  in  ber  ^muefierarOeti
bott  3«liU9  fffliiig.
Gg  giebt  im  Selben  jebeö  oerftönbigen  SDJenfd^en  Slugettbficfe,  in
melden  if;u>  feine  SSorjüge  unb  feine  ©dhmächen  beutlidfer  alg  fonfi
fühlbar  merbett,  in  benen  er  in  fid;  gef;t  unb  feinem  SBefen  eine  neue,
gum  minbeften  eine  beftimmtere  Richtung  giebt.  ©olcffe  Slugenblicfe
pflegen  bicjenigett  311  fein,  in  melcheti  bie  Erfüllung  einer  ernften,  ungelernten ­
  Slttfgabe  alg  Bßfticbt  an  Um  herantritt,  tted;  mel;t  aber  biejenigen,
  in  melden  er  gegen  frembe,  bisher  unbefannte  Kräfte  ftößt,  an
mefd;ett  er  feine  eigenen  meffen  f'attn.  Söenn  ein  Zünftler  and  einer
Gottcitrretn,,  an  meldet  er  fid;  betl;eifigt,  feinen  ineiteren  Rufjett  jie^t,
alg  baß  er  feinen  tDiitfauipfern  einige  £janbmerfgbortl;eile,  getniffe  Senbnngen
  unb  njirfuttggtooffe  ©ingetf;eiteu  abfie(;t,  fo  ift  eg  ein  trauriger
©efeffe,  ber  eg  31t  nid;tg  bringen  tnirb  unb  meint  er  and;  ganje
SOlufterlager  nett  guten  ©etaifg  mit  nad;  fpattfe  trägt.  Rid;t  bag  <2ingebne
  ift  eg,  mag  bei  fotd;en  ©elegenljeitcn  3U  erf;afd;eit  ift,  fonberu  bag
ift  bag  2Bid;tige,  baß  man  fid;  Rcd;eufd;aft  abgiebt  über  fein  eigeneg
©fmn,  baß  man  ernftf;aft  lernt,  aug  meld;er  Duelle,  aug  meid;eu  ©rttnbbebingungen
  ber  Gilbung  unb  Slrbeitgart  fferaug  bie  beffere  Seiftimg  beg
Sfnberett  ftammt.
Sag  für  beu  eingeliteit  Künftlcr  bie  Konfurrenjarbeit,  ba§  finb
für  bag  Sebett  ber  Söffer  bie  großen  äßeltaitgfteffungen,  mefd;e  mir  feit
bem  3af;re  1852  in  finden  Slbfäfjen  fid;  f;aben  mieberffofeu  fef;eu.  ©ie
SSHcuer  SBcltaugfteffuiig,  non  bereu  Erinnerungen  ttnb  Erfahrungen  mir
fegt  jebren,  mar  if;rcn  Sorgängern  nicht  in  affen  Reifen  ebenbürtig;
befonberg  bie  mid;tigfte  ©eite,  bie  eigentliche  gute  ^ubnftric,  mar  meniger
»oflftänbig  nertreteu  afg  1867  in  ißarig.
gür  nttg  ©eutfdje  mar  bie  Slugfteüung  aber  non  affen  norffergefjenbett
  meitaug  bie  SßMd;tigfte..  Grftfid;  einmal  meif  fie,  auf  ©eutfdfem
Sobctt  abgel;aften,  meit  saljlreidfer  non  itnferen  Saubgfeuten  befud;t
mürbe,  jmeiteug  aber,  tneif  bag  ©eutfebe  ©emerbe  f;ier  jttm  erften  SDlafc
in  anuäljeruber  Soöftänbigfeit  nertreten  mar.
(}d;  meiß  mol;f,  baß  noch  niefe  Süden  norl;anbeu  marett;  gerabe
im  ©ebiete  ber  fiinft(erifd;en  ©ofbarbeit  fehlten  niefe  ber  beften  rl;einifd;eu
  @olbfd;utiebe,  bereu  Kircbeugeräthc  in  erftaunfidffter  Sieife  affe
Reinheiten  ber  mittclalterfid;en  Kmiftfertigfeit  erreid;eu,  fo  baß  if;re
-  Rad;al;  mutigen  fetbft  erfahrene  ft  e  tut  er  täufd;eu  unb  fid;  i)3lüt;e  unter
ben  SUterthümeru  nuferer  Sftufeen  erringen;  and;  in  anberen  ©ebieten
ber  ©ofb-  unb  ©Überarbeit  mar  feinegmegS  abfofute  Soffftänbigfeit
erreicht.  ©ro|bem  mar,  befonberg  in  ben  gangbareren  SBaaren,  hi«-reid;eubeg
  SDlaterial  Oorfjanbett,  um  baranf  für  ficb  ttttb  Sfnbere  ein
llrtl;eif  über  bie  Seiftungen  ©eutfdVfanbg  jtt  bauen.  ©ie  in  ^ßarig  beliebte ­
  2fitgffud;t,  baß  man  meit  mehr  31t  feifteu  im  ©taube  fei,  afg  bie
Sfugfteffung  geige,  founte  in  SBiett  nid;t  gelten  ttitb  bag  ©eutfd;e  ©emerbe
  in  affen  ©l;eifcu  nutzte  bie  ©teffung  auerfennen,  bie  if;m  hiernach ­
  jugetheift  mürbe.
Scan  tnirb  nid;t  mit  gutem  ©emiffen  behaupten  föntten,  baß
©eutfebfanb  hierbei  fonberfid;  gut  abgefd;nittcn  I;abe,  menigfteng  in  ben
©ebieten  nid;t,  51t  melden  bie  ^umefierfunft  gehört,  (fit  ber  SJfafcrei
unb  ©cufptur  I;at  ©eutfd;fanb  einen  utt',meifeff;afteu  Gtfofg  errungen,
aud;  in  ber  SDiafcbineniubuftrie  fjat  eg  fid;  el;renöoff  behauptet,  aber  in
ber  fünftferifd;eu  Slttgbilbitng  beg  ©emerbeg  ift  eg  itnjmeifeff;aft  non
ben  granjofett  ttttb  Italienern,  fa  felbft  in  manchen  feigen  bott  ben
Gngfänbern  unb  Raffen  gefchfagen  morben.  ©ag  ift  bebauerfid;,  aber
mettn  mir  eg  nur  red;t  grünblich  einfeffen,  fo  ift  eg  nicht  nur  fein  Uttglücf,
  fordern  mirb  ber  Sfnfang  jititt  Sefferett  fein.  Gg  mirb  Riemaub
ernftfid;  behaupten  10offen,  baß  bem  ©cutfd;eu  Solle  bie  f^äl^igfeit  abgehe, ­
  etmag  hcroorragenb  ©üdjdigeg  aud;  in  bem  ©ebiete  beg  Kunftgemerbeg
  51t  feifteu.  ©erabe  in  ber  ©i(berfd;miebgarbeit  f;at  ©eutfd;-far.b
  einen  unjmeifefhaften  Sieg  errungen.  -Die  großen  ©afelanffätje
bott  Serfitt  (©t;  &  SDagner  ttnb  ©.  Soffgofo  &  ©ohtt  in  Serfin.  Sinnt.

ber  Dieb.)  marett  einer  ber  ©laujpunlte  ber  ganjen  Slugfteffung  ttttb
geigten  neben  maud;em  Sfttberen,  ba§  im  ©eutfeheu  Solle  ein  tiefer
@d;afs  lüuftferifd;en  Gutpfinbettg  ttttb  bie  gähigleit  31t  tüchtiger  ficbeboffer,
  afieg  Gittgelttc  gefd;madboff  burd;bilbenber  Sfrbeit  ruhe.  Sfber
biefer  @d;at5  muß  bod;  nod;  erft  recht  gehoben  unb  gum  Sfffgemeingut
gemalt  merbett.  Sieben  beu  großen  ißradffftüd'en,  an  betten  bie  fünft*
lerifdie  fßanb  beg  Silbf;anerg  ttitb  Sfrchitelten  bag  S3eftc  get|au  h atte ,
berauben  fid;  bie  gemöl?nlid;en  filberuen  ©ifd;gerätl;e  in  einem  erfd;redlictieu
  Slbftanbe;  f;> er  'bar  nur  SBenigeg  gefuugeu.  -Die  eigentliche
(fumelierarbeit  hut  auch  feine  allgemeinen  ttttb  bitrd;greifeuben  Grfofge  31t
berjeiefmen  gehabt  ttttb  gehört  fid;erfid;  aud;  31t  ben  ©ebieten,  in  mcld;en
Sefferuttg  bringenb  nötl;ig  ift.  (feber  ©edtnifer,  mefcher  bie  Slugfteffung
befud;te,  mirb  fofort  bem  erft  h^ett,  in  mie  fern  bie  Sfrbeit  anberer
Söffer  Sorjüge  eutmid'efte.  Unerreicht  ift  bie  ,3ierfid;feit,  mit  meld;er
bie  Italiener  bie  feiuftberfd;lungenen  betten  ihrer  ,ßalggel;änge  31tfamntenfügen,
  mie  fie  nad;  bem  Sorbilbe  ber  Sfntife  in  gartefter  Slttgführnug
  mit  ben  ©tanbfäben  beg  ©31  ütf;enfefrf>es  metteifern.  Gbenfo
f;och  fleht  bie  fi'unft  ber  9)logfauer  ^umeliere,  bie  Gbeffteine  31t  pl;antaftifd;en
  luftigen  S31umettbüfd;en  31t  geftalten,  unb  il;r  ©olb  mit  bunten
©dtmelgeu  31t  bebeden,  bereu  Seud;tfraft  mit  beit  Gbelfteinen  metteifert.
Sin  affen  biefett  ttnb  öf;nlid;eu  Slrbeiten  mar  Sieleg  31t  fernen  ttttb  id;
f;abe  battfbar  bie  Untermeifung  ttttb  Ipiiffe  atguerlhnneit,  bie  id;  hierbei
bon  gachleuten  erfahren.
iffieuu  nun  and;  ich  meinerfeitg  bag  SBort  ergreife,  um  in  einem
3-ad;bfattc  über  ®ofbfd;mud  unb  (311melierarbeit  ntit3itfpred;en,  fo  faun
eg  fid;  natürlich  nicht  fomol;!  um  bie  tecf;uifcf;en  Grfahrnttgen,  afg  bielmel;r
  um  bie  allgemeinen  ©efelje  ber  fhtnft  ttttb  beg  ®cfd;madg  l;«ubeln,
  infofern  biefclben  auf  bie  ©eftaltnng  biefeg  Sunftgemerbcg  Gittffuß
haben,  bieüeid;t  gelingt  eg  and;,  aug  beu  ©d;ätjen  bergattgener  fintiftpetiobeu,
  meld;c  fid;  in  Originalen  unb  Slbbilbitttgett  in  unfern  ©amittfnugett
  befinbeit,  ttühfid;eg  50faterial  gur  Serfüguttg  31t  fteffen.
Gg  ift  bie  Slbfid;t  beg  ^erauggeberg  ber  rf  ip  er  1  e",  bie  in  ©Bien
gemonnenett  Grfaf;rnttgcn  im  loeiteften  ©ittne  für  fein  Slatt  nutzbar  31t
macf;en  ttttb  baffefbe  berart  um3ugeftalten,  baß  eg  nur  mitffid)  muftergüttige
  SSorlageu  bringt,  mefc(;e  affen  Slnforberttttgeu  eineg  ftrengen
©efdnnadö  genügen,  hierbei  trift  bie  grage  auf,  me(d;e  ©efchmad'grid;tnng
  beim  ein  befonbereg  Diecfft  auf  S3eriidfid;tiguug  habe,  unb  bie
SBeantmortnug  biefer  grage  mag  alg  Programm  unb  Segrüubitng  für
bie  Umgeftaltung  beg  Salatteg  bienen.
©ie  Sleftf;etif  unb  Suuftfritif  befiubet  fid;  3111-  £eit  in  einer  Slrt
bott  Kampf  mit  bem  moberttett  Kunftgemerbe,  ein  Kampf,  in  meld;em
bag  mud;tigfte  ®efd;cji  ber  ftetg  toieberljofte  Sormurf  ift:  bem  moberuen
Kunftgemerbe  fehle  ber  Stil,  eg  fei  ftillog  unb  foffe  mieber  ftifgerecht
merbett.
Ufas  t|i  kr  Stil,  bott  bem  fo  biel  gefprod;en  mirb?
SBir  brauchen  bag  SBort  ©tif  in  fel;r  berfchiebenem  (fufammeuhang.
SSeun  mir  bom  gried;ifd;-autifeu  ©til,  bom  kenaiffauceftif,  bom  Sarodftif,
bom  Dfoccocoftif  11.  f.  m.  fpred;cn,  fo  ift  eg  flar,  ba§  mir  bannt  bag  gormengebiet
  einer  beftimmten  3eit  ttnb  Kunftrid;tnng  begeicl;iten.  f^ebe  ißeriobe
hat  gemiffe  gönnen  unb  fünftlerifcbe  Slugbrudgmeifcn,  meld;e  il;r  allein
eigentf;ümfid;  finb.  ©abei  bfeibett  uatürfid;  bie  aögemein  gültigen
©ritnbformen  befteheu;  ein  Dling,  ein  .ßalsbanb,  eine  Slabef,  ein  Sfrmbanb,
  ein  ©iirtel  mirb  beftimmte  Sängen  ttttb  SSreiten,  eine  beftimmte
©runbform  l;abett  müffett,  meld;e  bttrcl;  if;re  Seftimmung  unb  bie
Körpermaße  beg  SOfenfd;ett  gegeben  finb.  ©ie  meitere  Slugftattung  biefer
eittfad;ett  formen  ift  aber  3U  berfcitiebetteu  feiten  fe^r  berfd;ieben  gemefett;
  bie  antife  gried;ifd;e  Kauft  hat  aug  ber  Slttme  am  gofbeueu
©iabem  eine  ftreng  gegeid;nete  bollftänbig  regelmäßige  9lofette  gemacht,
mährettb  bag  Dfoccoco  affe  Slättcr  ttttb  ©tanbfäben  berfelben  in  gemnnbene
  gergaufte  ©piitett  augfaufen  ließ  tt.  f.  m.
Gg  mirb  jmedmäßig  fein,  fpäter  an  biefer  ©teile  im  (fitfammenl;ange
  unb  l;ifterifd;er  Reihenfolge  bie  fämmtfid;en  Kuuftftile  eingeltt
            
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