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Full text : Die Faiencen von Oiron (Henri-Deux) : Vortrag gehalten im k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie

stossenden  Ornamenttheile  auf  einander,  es  fehlt,  wie  genaue  Vergleichung
zeigt,  ein  zwickelförmiges  Stück.
Aus  dieser  Erscheinung  zog  H.  Macht  den  Schluss,  dass  das  Flächenornament ­
  nicht  vermittelst  der  Form  hervorgebracht,  sondern  bereits  vorhanden ­
  gewesen  sein  müsse,  ehe  der  Thon  in  die  Form  eingedrückt
wurde.  Fortgesetzte  Untersuchungen,  zunächst  an  den  Abbildungen,  dann
an  den  Objecten  selbst  in  den  Staatssammlungen  und  in  der  historischen
Ausstellung  d.  J.  in  Paris  (wo  durch  die  grosse  Güte  des  Präsidenten  der
Union  centrale  des  beaux-arts  appliques  ä  l’industrie,  des  Herrn  Edouard
Andre  mir  Gelegenheit  gegeben  wurde,  mehrere  Stücke  mit  voller  Bequemlichkeit ­
  zu  betrachten),  bestärkten  uns  in  der  Ueberzeugung,  dass  die  Gefässe
  von  Oiron  auf  eine  ganz  ungewöhnliche,  in  der  Herstellung  keramischer ­
  Producte  aller  Zeiten  und  aller  Länder  ohne  Beispiel  dastehende
Art  gebildet  worden  seien.
Es  wurde  nämlich  nach  unserer  Ansicht  ein  Thonklumpen  zu  einer
flachen  Scheibe  oder  Platte,  einer  sogenannten  Schwarte  oder  croüte,
ausgewalzt,  und  diese  mit  dem  Ornament  versehen.  Aus  diesem  gemusterten
Stoffe  wurden  dann  die  Stücke  herausgeschnitten,  um  in  eine  Hohlform
gepresst  zu  werden.  Handelte  es  sich  um  die  Herstellung  eines  geradwandigen,
  eckigen  oder  cylindrischen  Körpers,  so  genügte  es,  ein  rechtwinkeliges ­
  Stück  in  der  erforderlichen  Grösse  herauszuschneiden,  dessen
beide  Enden  Zusammenschlüssen  mussten,  wie  die  beiden  Enden  des
Drahtes,  welche  zum  Ringe  geformt  werden.  In  der  That  gibt  es  Gefässtheile
  von  Ring-,  Band-  oder  Cylinderform,  welche  die  Stelle  der  Zusammensetzung, ­
  aber  auch  nur  diese  eine  erkennen  lassen  6 ).  Bauchige,  gekrümmte, ­
  gewölbte  Formen  erforderten  eine  umständlichere  Zuschneidearbeit. ­
  Der  Körper  wurde  entweder  aus  mehreren  Stücken  von  gleicher
Gestalt  zusammengesetzt  [x)jJ  ,  oder  aus  einem  Stücke  mit  zwickelförmigen ­
  Ausschnitten  gebildet.  Kreisrunde  geneigte  Flächen,  wie  der  Rand
der  erwähnten  Schüssel  im  Kensington-Museum,  der  Fuss  an  verschiedenen
Gefässen,  zeigen  sogar  auf  das  allerdeutlichste  die  Zusammensetzung  aus
einer  Menge  kleiner  trapezförmig  zugeschnittener  Stücke.  An  der  Schüssel
zählt  man  deren  75j  das  Ornament,  welches  wie  ein  Spitzenkragen  um
den  Rand  des  Tellers  hinläuft,  wird  nämlich  durch  ein  zackenförmiges,
75mal  wiederkehrendes  Motiv  gebildet  und  zwischen  je  zwei  Zacken  ist  eine
Fuge  zu  bemerken,  auch  sind  die  einzelnen  Zacken  nicht  immer  genau
aneinandergepasst,  hier  rückt  eine  um  ein  Weniges  über  die  Kreislinie
heraus,  dort  sind  andere  nicht  in  genau  radialer  Stellung  u.  dgl.  m.  An
anderen  Exemplaren  ist  es  freilich  nicht  möglich,  dort  Fugen  zu  entdecken, ­
  wo  wir  sie  vermuthen  sollten.  Aber  das  sind  diejenigen  Stücke,
welche  man  allgemein  für  die  frühesten  hält,  und  deren  einfache  Ornamentation
  ein  sorgfältiges  Verputzen  und  Ebnen  der  Ansatzstellen  gestattete.
            
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