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Nehmen wir also an, die Ornamentation der Flächen sei vor der
Formung erfolgt, so entsteht die Frage nach dem Verfahren bei der
Herstellung der Ornamente. Da ist zu unterscheiden zwischen den Verzierungen,
welche aus Linien und feinem Blattwerk bestehen, und den
breiteren, bandartigen, welche sich an den späteren Arbeiten durch jene
Arabesken hindurchschlingen. Die ersteren sind schwärzlich und vertieft,
die Bänder haben vertiefte schwärzliche Umrisslinien, zwischen denen der
Raum mit brauner, aufgemalter Farbe ausgefüllt ist. Dass die Arabesken
mehr als an irgend etwas anderes an Buchbinderverzierungen erinnern, ist,
wie erwähnt, schon mehrfach bemerkt, auch bereits die Vermuthung geäussert
worden, dass diese mit denselben Werkzeugen, deren sich der Buchbinder
zum Aufdrucken seiner Verzierungen bedient, in die noch weiche
Thonmasse eingedrückt sein möchten *). Das ist auch ohne Zweifel richtig.
Nur hat man nicht erst die Verzierungen eingedrückt und dann mit Farbe
gefüllt, sondern, ganz so wde es der Buchbinder macht, beides zugleich.
Die Stempel, Stanzen oder Fileten wurden mit Farbe bestrichen und dem
Thon, wie sonst dem Leder auf- und eingedrückt. Die Bandstreifen
wurden dann mit dem Pinsel ausgemalt. Manche Details, für welche keine
Stempel vorhanden sein mochten, Linien, Embleme, in Umriss gezeichnete
Köpfe u. a. m. können mit einem in Farbe getauchten Metallstifte eingegraben
worden sein 8 ). Für die häufig vorkommenden, ein Kettenornament
bildenden, kleinen Kreise genügte als Stempel ein Federkiel. Es ist also
keine Incrustation in dem Sinne, dass eine farbige Thonmasse in die Vertiefungen
gestrichen worden wäre.
Die Farbe ist in den allermeisten Fällen dunkelbraun bis schwarzbraun,
seltener roth (Eisenroth); nur an wenigen Exemplaren kommen
beide Farben zugleich vor. Doch nie zugleich an einem und demselben
Bestandtheil. So gibt es mehrere Leuchter, welche ganz roth ornamentirt
sind, nur die Basis braun, an einer Giesskanne ist nur das oberste Halsstück
roth. Die Regel ist, dass das Ornament farbig auf dem Thongrunde
erscheint. Doch fehlt es nicht an Beispielen, namentlich bei textilen Mustern,
dass der Grund gefärbt, die Zeichnung ausgespart ist. — Die,Untersuchung,
welcher Pigmente man sich bedient hat, muss natürlich der
Chemie überlassen bleiben 9 ).
Welcher Art waren nun die Formen, aus welchen die Gefässe gepresst
wurden? Wer war der Künstler, dei: sie modellirte? Unserer Ueberzeugung
nach wurde die Mitwirkung eines solchen gar nicht in Anspruch
genommen. Die Vergleichung der einfachsten und complicirtesten
Oirongefässe führt nämlich zu der Annahme, dass die Haupttheile aus
Hohlformen hervorgegangen seien, die zumeist in nichts anderem als Geschirren,
der Credenz und der Küche entlehnt, bestanden haben. Betrachten
wir die einfachen Coupen der ersten Periode: ein flacher Napf
dient zum Formen der Schale, ein kleinerer gibt den Fuss, ein cylindrisches
Gefässj, vielleicht ein ordinäres Glas, den Ständer. Und falls man