Uie Geschichte der Kleinkünste hat es mit verhältnissmässig wenig
Persönlichkeiten zu thun. Je schöpferischer die Zeit, je allgemeiner die
Kunstfertigkeit war, desto weniger fand es gemeinhin der Meister nothwendig,
ein Werk seiner Hände ausdrücklich als solches zu beglaubigen.
Und wo das dennoch geschehen ist, da bleibt das eingeschlagene oder
eingebrannte Monogramm für uns gewöhnlich nur — Monogramm, eine
Maske, welche wir nicht zu lüften vermögen. Anderseits erhalten wir
aus den jetzt überall in den Archiven so emsig durchforschten städtischen
Rechnungen, Zunftbüchern, Geburts-, Trau- und Sterberegistern selten
mehr als Verzeichnisse von Namen, selten Daten, welche Aufschluss über
die künstlerische Bedeutung der Träger jener Namen geben könnten.
Und findet sich etwa in den Ausgabenbüchern kunstliebender Höfe oder
Stadtverwaltungen oder in Baurechnungen der Kirchen beides vereinigt,
so ist es wieder leider zu oft unmöglich, die Denkmäler, auf welche die
Nachweise sich beziehen, mit Sicherheit zu bezeichnen. Dadurch entgeht
allerdings dieser Zweig der Kunstgeschichte bis zu einem gewissen Grade
der Gefahr, ein Kampfplatz der Meinungen über die Autorschaft an ausgezeichneten
Werken zu werden, findet die Lust am Taufen und Umtaufen
von Kunstschöpfungen dort wenig Ausbeute. Man darf sich in der
Regel begnügen, die Zeit der Entstehung und die Landschaft, im günstigsten
Falle die Stadt zu bestimmen, aus welcher die Arbeit hervorgegangen
sein möge; und in diesen Beziehungen kommen grosse Meinungsverschiedenheiten
nicht gar häufig vor. Wohl aber gibt es Gruppen
von Kunstgegenständen, welche solchen Bestimmungen ganz ausserordentliche
Hindernisse bereiten; Gegenstände, welche eine ganz abgesonderte
Stellung einnehmen, ohne Vorläufer und ohne Nachfolger dastehen, nicht
hinlänglich ausgeprägt nationale oder locale Züge an sich tragen und
selbst der Fixirung der Zeit einen ziemlich weiten Spielraum lassen. Man
glaubt sich den Erzeugnissen einer einzelnen Werkstatt oder eines einzelnen
Künstlers gegenüber zu sehen, welcher seine Technik, seinen Stil
nicht nur bei Lebzeiten als sein persönliches Eigenthum, als sein Geheimniss
behandelt, sondern auch mit sich ins Grab genommen habe. Aber
wo? wann? der Meister gelebt habe, darauf will uns nichts Antwort ertheilen.
Ein solches Räthsel geben uns jene Gefässe auf, welche einer
Tradition zufolge venezianisches Email genannt werden und die sich so
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