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Objekt: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 1. Jahrgang 1904/05

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Aus Douglas Cockerell: „Def Bucheinband und die Pflege des Buches . 
Die Enden der Bände bilden einen hübschen Ausgangspunkt 
für Muster. 
Eine Methode, handvergoldete Linien zu arrangieren, ist, 
sie in der Zeichnung so zu behandeln, als ob sie gespannte 
Drähte wären, und sie entsprechend zu verknoten und zu 
verschlingen. Vorausgesetzt, daß man die Idee völlig durch' 
führt, kann ein solches Muster ausgezeichnet gelingen, 
über das Buntpapier mit Tunktechnik ist nachzutragen, 
daß beliebige Farben auf eine schleimige, aus dem so-- 
genannten Kramperltee gewonnene Masse aufgespritzt und 
auf einem aufgelegten Bogen Papier abgehoben werden, ein 
altes einfaches Verfahren, mit dem sich künstlerische Ab' 
sichten auf die originelle Art leicht verbinden lassen, wie 
die ausgestellten, in Tunktechnik ausgeführten Bilderbücher 
der Wiener Werkstätte zeigen. 
Ein Wort erübrigt über das öffnen frisch gebundener Bücher. 
Der Band wird auf einen Tisch gelegt, und die Blätter 
werden ziemlich am Anfang des Buches aufgeschlagen, 
dann in derselben Entfernung vom Rücken, und darauf an 
ein oder zwei Stellen näher der Mitte des Buches, wobei 
die Blätter jedesmal mit der Hand niedergedrückt werden. 
Ist das Buch besonders wertvoll, so muß jedes Blatt be' 
sonders umgewendet und besonders niedergedrückt werden, 
wobei man in der Mitte anfängt und erst nach der einen, 
dann nach der anderen Richtung zu Werke geht. Dadurch 
wird der Rücken überall gleichmäßig gebogen. Hat man ein 
Buch geöffnet, so muß es für kurze Zeit leicht gepreßt werden. 
Wenn man ein Buch ungeöffnet hinausschickt, so wird es 
der erste beste, der es in die Hände bekommt, ungefähr in 
der Mitte öffnen, indem er die Deckel zurückbiegt und den 
Rücken bricht; sollten einige Blätter durch den Goldschnitt 
zusammenkleben, so können sie dabei möglicherweise 
zerreißen. Ein Buch mit einem „gebrochenen“ Rücken hat 
immer die Neigung, sich an derselben Stelle zu öffnen und 
behält seine Fasson nicht. 
Douglas Cockerells Werk „Der Bucheinband und die Pflege 
des Buches“ ist in Übersetzung bei Hermann Seemann Nachf., 
Leipzig, erschienen und für wenige Mark zu haben. Nicht nur 
jeder Fachmann, Bibliotheksmensch oder Buchbinder, sondern 
j eder Gebildete überhaupt soll mit seinem Inhalt wohl vertraut sein. 
DER KAMPF GEGEN DIE RAUCHPLAGE. 
VON DR. WILH. STEKEL. 
I ch habe an dieser Stelle über die große Schädigung der 
Menschheit durch die Staubplage des ausführlichen ge' 
sprechen. Meine Ausführungen wären unvollständig, 
wenn ich nicht auch der Rauchplage einige Aufmerk' 
samkeit schenken würde. Der Rauch ist bekanntlich ein 
Produkt der unvollkommenen Verbrennung. Während bei 
der vollkommenen Verbrennung nur Gase, Kohlensäure 
und Wasserdampf gebildet und die unverbrennbaren Stoffe 
als Asche zurückgehalten werden, bilden sich bei unvoll' 
kommener Verbrennung noch brennbare Rückstände, die 
in die Luft aufsteigen und dann gleichmäßig verteilt werden. 
Ist die Luft überdies mit Wasserdampf gesättigt, so ver' 
bindet sich dieser Rauch mit den Wasserteilchen zu einem 
undurchdringlichen Nebel, wie er beispielsweise bei 
den Fabriksschloten der Industriezentren Englands zu be' 
obachten ist. 
Gerade deshalb sind von England die ersten Anregungen aus' 
gegangen, dieser fürchterlichen Plage ein Ende zu machen. 
Größere Versuche machte PROF. OLIVER LODGE an der 
Birminghamer Universität, dem es gelang, durch elektrische 
Entladungen den dichtesten Nebel zu zerstreuen. Anläßlich 
seiner Versuche sah er selbst ein, daß eine Aufbesserung 
der ungünstigen Nebelverhältnisse nur möglich sei, wenn 
auch die Feuerung geändert würde. Lodge meint mit Recht, 
wir müssen aufhören, Kohle zu brennen, und die Kohle 
in ein billiges Brenngas und Koks zerlegen. Während das 
Feuern mit Koks nur weit draußen, außerhalb der Städte 
gestattet würde, müßte in den Städten jedermann mit Gas 
feuern, wodurch die Rauchentwicklung entfallen und 
der Nebel seinen gefährlichsten Bestandteil verlieren würde. 
Uber die Frage der rauchfreien Feuerung wurde sehr viel 
gesprochen. Je energischer der Brennstoff verbrennt, je voll' 
ständiger der Oxydationsprozeß vor sich geht, desto weniger 
Rauch wird entwickelt. Während Braunkohle und ver' 
schiedene Steinkohlenarten fürchterlich viel Rauch erzeugen, 
liefern Anthrazit und die erfreulicherweise immer mehr in 
Gebrauch kommenden Briketts, Leucht' und Wassergas, 
hartes Holz und Preßtorf sehr wenig Rauch. Auch gibt es 
eine Menge Verfahren und Feuerungsanlagen, die eine 
rauchfreie oder fast rauchfreie Feuerung garantieren, wobei 
die Installierung sich durch die bedeutende Ersparnis an 
Brennmaterial sehr bald amortisiert. 
Es ist nicht meine Sache, die physikalische Seite der Frage 
zu besprechen. Aber einen kurzen Überblick möchte ich 
doch darüber geben, in welcher Weise der Rauch unsere 
Gesundheit schädigt. Verschiedene Menschen, die zum ersten 
Male in die große Stadt kommen, sind sehr erstaunt, wenn 
sie zufällig in die Lage kommen, ihr Sacktuch zu benützen. 
Sie merken dann, daß der sonst farblose Nasenschleim eine 
dunkle Färbung angenommen hat. Oft wird der Arzt zu 
ängstlichen Kranken gerufen, die darüber erschreckt sind, 
daß der Schleim, den sie am Morgen aushusten, fast dunkel' 
schwarz ist. Noch krasser sind diese Verhältnisse, wenn 
man längere Zeit in der Eisenbahn fährt oder sich in einem 
Viertel aufhält, wo sehr viele Fabrikschlote qualmen. Alle 
diese schwarzen Färbungen rühren von den feinen Kohlen' 
partikelchen her, die wir einatmen und die den gewöhn' 
liehen Weg der Atemluft nehmen. Dieser Weg führt über 
die Nase durch den Kehlkopf direkt in die Lunge. Hier 
setzen sich diese feinsten Partikelchen so fest, daß sie sich 
in die Nasenschleimhaut einbohren und bis unter den 
Schleimhautüberzug ins Lungengewebe eindringen. 
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