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Full text : Frauenschulen und Frauenarbeit auf der Pariser Weltausstellung 1878

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sind  in  der  Fabrik  selbst  als  Glasirerinnen  (emailleuses  oder  decoupeuses)
angestellt  und  erwerben  600  bis  720  Frcs.  im  Jahre;  10  Frauen  arbeiten
zu  Hause  als  Glätterinnen  und  Vergolderinnen  und  werden  nach  einem
bestimmten  Tarifsätze  bezahlt,  der  ihnen  durchschnittlich  das  eben  genannte ­
  Einkommen  der  Fabriksarbeiterin  sichert.
Als  Malerinnen  fanden  die  Frauen  immer  nur  in  seltenen  Ausnahmsfällen ­
  Verwendung.  Die  Arbeiten  hervorragender  Künstlerinnen,  Meisterwerke, ­
  die  das  Institut  mit  Pietät  aufbewahrt,  sind  die  der  Damen  Jacotot
aus  dem  Jahre  1826,  Ducloseau  1849,  Laurent  i85o,  Gallois  i858,  de
Cool  1860;  die  letztgenannte  Dame  lebt  noch,  hat  sich  aber  von  dem
Felde  künstlerischer  Thätigkeit  zurückgezogen.
Frau  Apoil  ist  die  einzige  Künstlerin,  die  derzeit  für  die  Porcellanmanufactur
  von  Sävres  arbeitet  und  ihr  Talent  wurde  seitens  der  Direction
als  ein  ganz  hervorragendes  und  schöpferisches  bezeichnet.
Nicht  zu  übersehen  ist,  dass  alle  die  Kunstwerke  von  Frauenhand,
welche  das  Institut  besitzt,  ausnahmslos  Copien  von  Bildwerken  und  Gemälden ­
  sind;  die  berühmten  Originalarbeiten,  welche  die  Producte  der
Fabrik  schmücken,  sind  von  Künstlern  gemalt  und  danken  ihre  Entstehung
der  Erfindung  männlichen  Geistes.
Da  die  Porcellanmanufactur  von  Sevres,  schon  um  ihres  Charakters
als  Staatsinstitut  willen,  nicht  auf  die  kleinen  Vortheile  der  Industrie  und
des  Handels  bedacht  zu  sein  braucht  und  auch  sehr  wenig  producirt,
so  hat  sie  keine  Veranlassung,  sich  mit  den  stets  geringer  entlohnten
weiblichen  Arbeitskräften  zu  behelfen,  die  in  der  keramischen  Industrie
des  Landes  ziemlich  häufige  Verwendung  finden.  Die  Direction  von  Sevres
bezeichnete  mir  die  tägliche  Entlohnung,  welche  solche  Frauen  in  den
einschlägigen  Etablissements  erhalten,  mit  2  bis  3  Frcs.  Ich  habe  mich
bemüht,  anderweitige  Erkundigungen  einzuziehen,  konnte  aber  nur  in
Erfahrung  bringen,  dass  einzelne  der  grossen  Fabriken  75  Frauen  und
mehr  als  Malerinnen  beschäftigen,  dass  die  Kunstleistung  derselben  sich
aber  auf  das  mechanische  Ziehen  der  farbigen  Linien  und  Kreise  am
Rande  der  Teller  und  Schüsseln  beschränkt.  Die  Frage  nach  besserer
Frauenarbeit,  die  ich  an  Aussteller,  Händler  und  Fabrikanten  richtete,
wurde  fast  mit  Entrüstung  zurückgewiesen.
Trotz  alledem  habe  ich  die  Ueberzeugung,  dass  die  grosse  Zahl  der
Schülerinnen,  welche  die  gewerblichen  Schulen  zu  Porcellanmalerinnen
erziehen,  nicht  erwerblos  ist,  dass  die  Angaben  über  die  Entlohnung,
welche  die  Mädchen  finden,  ihre  Richtigkeit  haben,  dass  sich  die  betreffenden ­
  Lehranstalten  über  den  praktischen  Endzweck  ihres  Unterrichtes
nicht  täuschen,  dass  aber  die  Frauenarbeit  in  der  Porcellanmalerei  gewiss
noch  nicht  genügenden  Credit  besitzt  und,  schon  um  ihres  notorisch  geringen ­
  Preises  willen,  von  den  Fabrikanten,  die  sich  ihrer  bedienen,  unfehlbar ­
  verleugnet  wird
            
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