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Full text : Frauenschulen und Frauenarbeit auf der Pariser Weltausstellung 1878

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bewerkstelligt;  man  konnte  in  alle  die  Arbeitsräume,  in  die  Säle,  Stuben,
Küchen  blicken,  man  hatte  das  bunte  Schaffen  und  Treiben  recht  deutlich ­
  vor  Augen  und  konnte  sich  ein  heiteres  Bild  von  dem  segensreichen,
ökonomischen  Gedeihen  machen,  das  sich  auf  solchen  Unterricht  aufbauen ­
  kann.
Belgien  hat  viele  und  sehr  verschiedene  Zweige  seiner  Volks-  und
Jugenderziehung  auf  der  Ausstellung  zur  Anschauung  gebracht  und  durch
die  gute  und  prägnante  Zusammenstellung  einen  reichen  Ueberblick  gegeben ­
  und  zu  den  mannigfachsten  Fragen  angeregt.  Unter  diesen  letzteren ­
  war  auch  die  Frage,  mit  welchem  Erfolge  sich  wohl  die  Schule  in
ihren  unteren  Stufen  schon  als  Mittel  zur  Hebung  des  wirthschaftlichen
Volksgeistes  und  des  Volkswohlstandes  benützen  liesse.  Da  waren  die
Kindergärten  mit  ausgezeichneten  Nutzarbeiten,  mit  Knüpfereien  und
Geflechten,  mit  den  hübschen  Strohhüten  von  Kinderhand  gemacht;  da
waren  die  gewerblichen  Schulen  und  die  Haushaltungsschulen  für  künftige ­
  Frauen  und  Dienerinnen,  Lehranstalten,  welche  direct  an  die  letzte
Classe  der  Communalschulen  anknüpfen.  Viele  der  Schulen  waren  neu:
Alle  bargen  den  klaren  Hinweis  auf  praktische  Verwendung  des  Erlernten,
auf  eine  der  vornehmsten  Industrien  des  Landes,  auf  die  Spitzengewebe,
die  durch  alle  die  Schaustellungen  mit  auffallender  Gediegenheit  und
tadelloser  Schönheit  hindurchgingen.  Das  Talent  eines  Volkes  lässt  sich
eben  erziehen,  Volksindustrie  lässt  sich  nahezu  erschaffen,  nur  muss  sie,
mit  Klugheit  gepflanzt  und  gepflegt,  zum  Bedürfnisse  des  Volkes  werden.
Die  Niederlande.
Von  Frauenarbeit  und  weiblichen  Schulen  war  auf  der  niederländischen ­
  Ausstellung  nichts  zu  finden;  selbst  der  Frauenverein  »Arbeit
adelt«,  der  im  Jahre  1873  durch  seine  schmucke  Ausstellung  einen  so  befriedigenden ­
  Einblick  in  seine  Thätigkeit  gewährte,  auch  der  war  diesmal
fortgeblieben.  Dagegen  lagen  ausführliche  Berichte  über  die  Bewegung
des  Unterrichtes  in  den  Niederlanden  vor.
Mittelschulen  für  Mädchen.
Als  eine  Schöpfung  neuer  Zeit  sind  unter  Anderem  die  Mittelschulen
für  Mädchen  zu  bezeichnen,  deren  jetzt  zehn  bestehen,  und  von  denen
die  erste  im  Jahre  1867  zu  Harlem,  die  jüngste  1876  zu  Goes  in  Zeeland
gegründet  wurde.
Diese  zehn  Schulen  sind  Communalschulen,  von  denen  sechs  eine
Staatssubvention  von  35oo  bis  5ooo  fl.  gemessen,  so  dass  die  Summe  dei
diesen  Lehranstalten  gewährten  Unterstützungen  jährlich  23.000  fl.  beträgt.
Sechs  der  Schulen  zählen  5  Jahrgänge,  eine  derselben  4  und  drei
von  ihnen  nur  3  Jahrgänge,  deren  Programm  jedoch  dem  der  drei  höchsten
Classen  der  auf  5  Jahrgänge  anberaumten  Schulen  entspricht.
            
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