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Full text : Frauenschulen und Frauenarbeit auf der Pariser Weltausstellung 1878

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das  dilettantenhafte  Spielen  mit  Zeit  und  Arbeit  war  nirgends  herauszufühlen ­
  ;  in  den  modernen  Arbeiten  war  der  alte  gute  Stoff  zu  erkennen,
über  den  ein  Land  gebietet,  dem  künstlerische  Ueberlieferungen  in  so
reichem  Masse  zu  Gebote  stehen.
Als  ein  Fortschritt,  dessen  Tragweite  kaum  zu  ermessen  ist,  sind
die  gewerblichen  Schulen  zu  bezeichnen,  deren  Zahl  seit  dem  Jahre  1873
so  bedeutend  gestiegen  ist  und  die  sich  in  so  vielen  Ländern  seither  eingebürgert ­
  haben.  Belgien,  Frankreich,  Italien,  Oesterreich  gestatteten
durch  die  Ausstellung  der  einschlägigen  Lehranstalten  einen  reichen  Einblick ­
  in  das  Streben  und  Wirken  dieser  Schulen.  Paris,  Oesterreich  und
Deutchland  hatten  schon  im  Jahre  1873  den  Nachweis  über  die  Leistungsfähigkeit ­
  dieser  Institute  gebracht  und  zu  vergleichenden  Studien  zwischen
den  Ecoles  professionelles  und  den  Schulen  des  Wiener  Frauen-Erwerbvereines ­
  und  anderer  Gesellschaften  angeregt;  Italien  und  Belgien  holten
seither  nach  Thunlichkeit  das  Versäumte  nach  und  zeigen  deutlich,  dass
sie  dem  mahnenden  Geiste  der  Zeit  zu  folgen  verstehen.
Ebenso  günstig  ist  die  Verbreitung,  welche  der  Unterricht  im  Zeichnen
sichtlich  gewinnt.  Fast  in  allen  Ländern  ist  die  Entstehung  von  Zeichenschulen ­
  für  Mädchen  nachweisbar;  die  gewerblichen  Schulen  tragen  ihren
guten  Theil  zur  Popularisirung  dieses  Unterrichtes  bei,  und  sie  sind  es
auch,  die  durch  ihre  industriellen  Zwecke  einen  günstigen  Umschwung
in  Methode  und  Lehrziel  einführen  halfen.  Was  die  Industrie,  die  Gewerbe, ­
  was  das  tägliche  Leben  diesen  aufblühenden  Zeichenschulen  zu
danken  haben  wird,  das  werden  wohl  erst  die  kommenden  Jahre  in  vollstem ­
  Masse  zeigen.  Indessen  freuen  wir  uns  des  Bewusstseins,  das  Zweckmässige ­
  und  Gute  unter  unseren  Augen  wachsen  und  aufkeimen  zu  sehen.
Und  nun  sei  noch  einer  Schule  Erwähnung  gethan,  einer  deutschen
Schöpfung,  die  sich  in  den  letzten  Jahren  allenthalben  Eingang  verschafft
hat,  die  über  Berge,  Länder  und  Meere  bis  nach  Amerika  hinübergewandert ­
  ist  —  des  Kindergartens.
In  Italien  wurde  der  Kindergarten  erst  seit  Kurzem  eingeführt,  er
soll  dort  als  unterste  Stufe  der  Volksschule  dienen.
Das  Ministerium  hat  deutsche  Kindergärtnerinnen  nach  Italien  berufen ­
  und  anderseits  Mädchen  nach  Deutschland  geschickt,  damit  sie  das
Wesen  des  dortigen  Schulunterrichtes  kennen  lernen  und  den  Kindergarten ­
  in  seiner  Heimat  studiren.  In  Amerika  haben  deutsche  Frauen  in
einigen  Städten  Kindergärten  eingerichtet,  und  die  Schulmänner  des  Landes
erhoffen  die  glänzendsten  Erfolge  von  den  musterhaft  geleiteten  Instituten;
welche  Verbreitung  sie  bei  uns  gewonnen  haben  und  noch  gewinnen,  das
wissen  wir,  und  eben  darum  mag  es  mir  gestattet  sein,  hier  nur  einige
Worte  über  diese  ersten  Lehranstalten  der  Kinder  zu  sagen.
In  die  Hand  der  Kindergärtnerin  ist  eine  grosse  Macht  gegeben,  und
um  diese  nicht  zu  missbrauchen  muss  die  Lehrerin  die  Natur  des  Kindes
gut  verstehen.
            
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