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Die Schülerinnen besuchen die Schule durchschnittlich bis zu dem
Alter von 17 bis 18 Jahren. Ihre Eltern sind meist wohlhabende Bürger,
kleine Rentiers, Ingenieure, Architekten, Aerzte, Beamte u. s. w.
Die Mädchen, welche die Handelsschule mit gutem Erfolge absolviren,
finden ihre Anstellungen durch Vermittlung der Schule; sie haben solche
Stellen bisher immer reichlich gefunden und zwar mit Jahresgehalten von
1200 — i5oo Frcs.
Wie bewerkstelligen Sie das? fragte ich die Vorsteherin bei meinem
Besuche der Schule. »II y faut beaucoup d’industrie» meinte die alte Frau
mit einem feinen Lächeln.
Die Direction hat in den ersten Jahren, zum Schlüsse des Schuljahres,
öffentliche Examina veranstaltet, diese mit einigem Lärm in Szene
gesetzt, das günstige Ergebniss der Prüfungen mit ebensoviel Lärm bekannt
gemacht, und dies brachte reichliche Nachfrage nach absolvirten
Schülerinnen seitens der Handelswelt ein; und nun macht sich die Sache
Jahr um Jahr von selbst.
Ecole professionelle pratique.
Dem Grundprincipe der katholischen Schulen entgegen, zu -welchen
die Ecole Sully zählt, nimmt die Ecole professionelle pratique Schülerinnen
jeder Confession auf. Sie wurde auf Anregung mehrerer Frauen im Jahre
1871, von einigen Bewohnern des zehnten Arrondissements der Stadt Paris
gegründet, von Männern und Frauen, welche der Mehrzahl nach dem
Handels- und Gewerbestande angehörten. Der Zweck der Schule ist, den
Mädchen gewerblichen Unterricht zu ertheilen und sie zu praktischer Anwendung
des Erlernten anzuleiten, ohne dass sie den Unzukömpalichkeiten
der Werkstätten und Ateliers ausgesetzt werden.
Das gesammte Lehrprogramm umfasst einen allgemeinen Unterricht
von drei Jahren und neun Fachcurse, deren jeder ebenfalls drei Jahre
(das Zeichnen und Malen vier Jahre) beansprucht.
Ausser den in den vorgenannten Schulen eingeführten Unterrichtsgegenständen,
wird hier die deutsche, die englische Sprache und das Federnschmücken
gelehrt. Die tägliche Schulzeit dauert von acht Uhr Früh bis sechs
Uhr Abends; der Unterricht der einzelnen Schülerinnen umfasst, je nach
deren Fortschritten, vier bis acht Stunden im Tage. Jede Schülerin kann
nebst einem bestimmten gewerblichen Fache auch eine fremde und die
französische Sprache, Zeichnen und Nähen lernen. Für die Handelsschülerinnen
ist die deutsche oder die englische Sprache obligat, in welcher
sie auch im zweiten und dritten Jahre die Handelscorrespondenz zu führen
haben. Diese Correspondenzen werden ihnen von Mitgliedern des Vereines
anvertraut, wogegen die Schülerinnen die Verpflichtung übernehmen, die
Briefe zu übersetzen und zu beantworten, welche Arbeit sie auf das gründlichste
in die fremde Sprache und in die fremde Art der Geschäftsformen
einführt. Der Zeichenunterricht wird in drei Abtheilungen vorgenommen: