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Full text : Frauenschulen und Frauenarbeit auf der Pariser Weltausstellung 1878

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Die  Schülerinnen  besuchen  die  Schule  durchschnittlich  bis  zu  dem
Alter  von  17  bis  18  Jahren.  Ihre  Eltern  sind  meist  wohlhabende  Bürger,
kleine  Rentiers,  Ingenieure,  Architekten,  Aerzte,  Beamte  u.  s.  w.
Die  Mädchen,  welche  die  Handelsschule  mit  gutem  Erfolge  absolviren,
finden  ihre  Anstellungen  durch  Vermittlung  der  Schule;  sie  haben  solche
Stellen  bisher  immer  reichlich  gefunden  und  zwar  mit  Jahresgehalten  von
1200  —  i5oo  Frcs.
Wie  bewerkstelligen  Sie  das?  fragte  ich  die  Vorsteherin  bei  meinem
Besuche  der  Schule.  »II  y  faut  beaucoup  d’industrie»  meinte  die  alte  Frau
mit  einem  feinen  Lächeln.
Die  Direction  hat  in  den  ersten  Jahren,  zum  Schlüsse  des  Schuljahres, ­
  öffentliche  Examina  veranstaltet,  diese  mit  einigem  Lärm  in  Szene
gesetzt,  das  günstige  Ergebniss  der  Prüfungen  mit  ebensoviel  Lärm  bekannt ­
  gemacht,  und  dies  brachte  reichliche  Nachfrage  nach  absolvirten
Schülerinnen  seitens  der  Handelswelt  ein;  und  nun  macht  sich  die  Sache
Jahr  um  Jahr  von  selbst.
Ecole  professionelle  pratique.
Dem  Grundprincipe  der  katholischen  Schulen  entgegen,  zu  -welchen
die  Ecole  Sully  zählt,  nimmt  die  Ecole  professionelle  pratique  Schülerinnen
jeder  Confession  auf.  Sie  wurde  auf  Anregung  mehrerer  Frauen  im  Jahre
1871,  von  einigen  Bewohnern  des  zehnten  Arrondissements  der  Stadt  Paris
gegründet,  von  Männern  und  Frauen,  welche  der  Mehrzahl  nach  dem
Handels-  und  Gewerbestande  angehörten.  Der  Zweck  der  Schule  ist,  den
Mädchen  gewerblichen  Unterricht  zu  ertheilen  und  sie  zu  praktischer  Anwendung ­
  des  Erlernten  anzuleiten,  ohne  dass  sie  den  Unzukömpalichkeiten
der  Werkstätten  und  Ateliers  ausgesetzt  werden.
Das  gesammte  Lehrprogramm  umfasst  einen  allgemeinen  Unterricht
von  drei  Jahren  und  neun  Fachcurse,  deren  jeder  ebenfalls  drei  Jahre
(das  Zeichnen  und  Malen  vier  Jahre)  beansprucht.
Ausser  den  in  den  vorgenannten  Schulen  eingeführten  Unterrichtsgegenständen, ­
  wird  hier  die  deutsche,  die  englische  Sprache  und  das  Federnschmücken ­
  gelehrt.  Die  tägliche  Schulzeit  dauert  von  acht  Uhr  Früh  bis  sechs
Uhr  Abends;  der  Unterricht  der  einzelnen  Schülerinnen  umfasst,  je  nach
deren  Fortschritten,  vier  bis  acht  Stunden  im  Tage.  Jede  Schülerin  kann
nebst  einem  bestimmten  gewerblichen  Fache  auch  eine  fremde  und  die
französische  Sprache,  Zeichnen  und  Nähen  lernen.  Für  die  Handelsschülerinnen ­
  ist  die  deutsche  oder  die  englische  Sprache  obligat,  in  welcher
sie  auch  im  zweiten  und  dritten  Jahre  die  Handelscorrespondenz  zu  führen
haben.  Diese  Correspondenzen  werden  ihnen  von  Mitgliedern  des  Vereines
anvertraut,  wogegen  die  Schülerinnen  die  Verpflichtung  übernehmen,  die
Briefe  zu  übersetzen  und  zu  beantworten,  welche  Arbeit  sie  auf  das  gründlichste ­
  in  die  fremde  Sprache  und  in  die  fremde  Art  der  Geschäftsformen
einführt.  Der  Zeichenunterricht  wird  in  drei  Abtheilungen  vorgenommen:
            
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