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Full text : Frauenschulen und Frauenarbeit auf der Pariser Weltausstellung 1878

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und  üppigere  Rosen  gesehen  zu  haben,  als  sie  zu  Hunderten  in  den  Schubfächern ­
  der  Schule  zu  finden  waren.
Um  eine  gute,  geschickte  Rosiäre  heranzubilden,  eine  Arbeiterin,  die
wahrhaft  mustergiltige  Rosen  macht,  bedarf  es  drei  Jahre  der  Lehrzeit;  dann
erwirbt  sie  8  —  io  Frcs  im  Tage.  Genügendes  Auskommen  findet  die
Arbeiterin  auch  bei  geringerer  Fertigkeit,  aber  die  geübten  Rosieres  werden
eben  sehr  gesucht  und  geschätzt.  Viele  der  absolvirten  Schülerinnen  haben
ihr  Atelier  im  Elternhause,  wo  die  Mutter  und  die  Geschwister  die  Handgriffe ­
  der  Hilfsarbeiterinnen  erlernen  und  so  die  Blumenkünstlerin  auf  das
zweckmässigste  unterstützen,  deren  reizende  Elaborate  in  die  angesehensten
Etablissements  von  Paris  hinauswandern.
Um  für  die  Arbeiten  der  Schule,  deren  Eigenthum  sie  sind,  für  die
Kleider,  Wäsche,  Porcellanmalereien,  Fächer  und  Blumen  regelmässigen
Absatz  zu  finden,  wird  zweimal  im  Jahre  ein  Verkauf  veranstaltet,  der
mit  einer  Ausstellung  der  Schularbeiten  verbunden  ist.  Einer  dieser  Verkaufstermine ­
  fällt  in  die  Woche  vor  Weihnachten,  in  welcher  die  bezüglichen
Gegenstände  im  Gebäude  des  Justizministeriums  ausgestellt  sind,  der  zweite
Termin  in  die  Woche  vor  Ostern,  zu  welcher  Zeit  die  Ausstellung  und
der  Verkauf  in  einem  der  grossen  Schulsäle  stattfinden.
Schliesslich  muss  ich  noch  erwähnen,  dass  die  Schule  nahezu  keine
Jahresferien  kennt.  «Die  Schülerinnen  bedürfen  der  Aufsicht,  des  Unterrichtes, ­
  der  Beschäftigung«,  sagte  die  Vorsteherin,  »sie  kommen  gerne  und
wir  behalten  sie  gerne  in  unserem  Schutze.«  Und  somit  wird,  in  dem
klösterlichen  Geiste,  welcher  die  erste  dieser  Lehranstalten  in  das  Leben
rief,  die  Ferialzeit  auf  zwei  Wochen  beschränkt.
Die  Schule  wird  von  einer  Directrice  und  deren  Stellvertreterin  geleitet ­
  und  von  einem  Damencomite  und  einem  Rathe,  der  aus  Damen  und
einigen,  aus  der  Zahl  der  Gründer  gewählten  Mitgliedern  besteht,  beaufsichtigt ­
  und  verwaltet.  Dieser  Verwaltungsrath  theilt  sich  in  vier  Comite’s,
in  deren  Ressort  die  Aufnahme,  der  Unterricht,  die  Finanzen  und  die
Prüfungen  fallen.
Ehe  ich  den  Bericht  über  die  gewerblichen  Mädchenschulen  von  Paris
schliesse,  deren  Arbeiten  in  grosser  Zahl  Ausstellungsgegenstände  von
eminenter  Schönheit  boten,  deren  Räume,  mit  ihrem  halb  hausmütterlichen,
halb  weltlichen  Gepräge  einen  eigenthümlichen  Eindruck  machten  und  deren
Zwecke,  trotz  verschiedengestaltiger  Wege,  so  klar  und  offen  vor  uns
liegen,  —  ehe  ich  von  diesen  Schulen  Abschied  nehme,  muss  ich  noch
eines  scheinbar  geringfügigen  Umstandes  Erwähnung  thun.
Ich  fand  nämlich  unter  den  mannigfachen  Objecten,  die  einen  Ausstellungsschrank ­
  dieser  Schulen  füllten,  unter  den  Blumen,  Kleidern,
Schüsseln,  Fächern,  ein  Schulheft,  in  welchem  die  naturhistorischen  Aufgaben ­
  von  der  Hand  der  Schülerin  illustrirt  erschienen.  »Ordnung  der
Klettervögel«,  »Ordnung  der  Raubvögel«,  u.  s.  w.  hiess  es,  und  zu  Anfang
            
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