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MAK

Full text : Bucheinbände der Wiener Werkstätte

Entsprechend  dem  Credo  der  Wiener  Werkstätte  -  „gutes  Material  und  technisch
vollkommene  Durchführung“  -  bediente  sich  die  Buchbinderei  eines  breiten  technischen ­
  Repertoires.  Unter  anderem  wurde  mit  Ledereinlegekunst,  Blinddruck,  Handvergoldung ­
  und  Lederflechten  gearbeitet.  Bei  der  Herstellung  von  Kleister-  und
Tunkpapieren  kam  insbesondere  Carl  Beitel  eine  tragende  Rolle  zu.  Aus  Tunkpapier
wurden  1904  Einbände  nach  Entwürfen  Koloman  Mosers  geschaffen:  Adele  Bloch-Bauer
  scheint  hier  als  erste  Kundin  der  WW  im  Modellbuch  auf.  Als  Material  diente
meist  Ziegenleder,  sogenanntes  „Maroquin“.  Gelegentlich  wurden  auch  Stoffe  verwendet, ­
  seltener  exotischere  Lederarten  wie  Krokodil-,  Schlangen-,  Perlrochen-,  Eidechsen- ­
  oder  sogar  Froschhaut.
Stilistisch  dominierten  geometrische  Formen  und  abstrahierte  florale  Elemente  die
frühen  Entwürfe  von  Hoffmann  und  Moser.  Nach  Mosers  Ausscheiden  aus  der  WW
im  Jahr  1907  fungierte  Hoffmann  für  einige  Jahre  als  alleiniger  Entwerfer  von  Bucheinbänden, ­
  bis  er  ab  1910  von  Eduard  Josef  Wimmer-Wisgrill  unterstützt  wurde.
Nach  1918  kam  es  teilweise  zu  einer  verspielteren,  üppigeren  Gestaltung:  neben
Dagobert  Peche  und  Julius  Zimpel  entwarfen  auch  Künstlerinnen  wie  Irene  Schaschl-Schuster,
  Anny  Schröder,  Hilde  Jesser,  Fritzi  Löw,  Gudrun  Baudisch,  Kitty  und  Felice
Rix,  Mathilde  Flögl  oder  Maria  Likarz-Strauss  Bucheinbände.  Naturalistische  figürliche ­
  Motive,  aber  auch  Blumensträuße  oder  Blumenvasen  waren  charakteristisch  für
die  von  Frauen  entworfenen  und  handbemalten,  teilweise  getriebenen  oder  pressreliefierten
  Buchumschläge.
Die  zeitgleichen  Ideen  Hoffmanns  zeichnen  sich  im  Gegensatz  dazu  durch  eine  geradezu ­
  raffinierte  Einfachheit  des  Dekors  aus.  Ab  1924  verwendete  er  rhythmisch  aneinandergereihte ­
  wellenförmige  Profile  als  dekoratives  Element.  Auch  in  seinen  Bauten
wie  dem  Österreichischen  Pavillon  der  Pariser  Exposition  internationale  desArts
decoratifs  et  industriels  modernes  1925  lässt  sich  dieses  Wellenprofil  erkennen.
Ab  1927  entstanden  als  weitere  Variante  Bucheinbände,  auf  die  profilierte  geometrische ­
  und  anschließend  mit  Leder  überzogene  Holzraster  aufgebracht  wurden.  Ein
Beispiel  dafür  ist  ein  Gästebuch  für  einen  Weggefährten  Hoffmanns,  den  Bibliothekar ­
  des  Österreichischen  Museums  für  Kunst  und  Industrie  Hans  Ankwicz-Kleehoven.

Mit  ihrer  Ideenfülle  und  professionellen  handwerklichen  Umsetzung  lieferten  die
Bucheinbände  der  Wiener  Werkstätte  der  österreichischen  Buchkunst  wesentliche
Impulse.
Pressefotos  stehen  unter  MAK.at/presse  zum  Download  bereit.
Für  die  großzügige  Unterstützung  danken  wir
Richard  Grubman
Ernst  Ploil

BUCHEINBÄNDE  DER  WIENER  WERKSTÄTfE
            
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