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Full text: Aus der Wagnerschule 1898

Fig. i. Studie über die Wiederaufstellung der Figuren der ehemaligen Elisabethbrücke längs des Bahneinschnittes beim Künstlerhause. Vom Architekten Prof. K. Mayreder. 
Studien und Entwürfe zur Wiener Stadtregulierung. 
Verfasst im Regulierungsbureau des Wiener Stadtbauamtes. 
Fig. 2. Der Platz vor der Karlskirche. Abänderungsvorschlag des Architekten-Clubs (1896). 
Die Aufgabe, einen Generalregulierungsplan 
für eine Stadt von über 17.000 Hectar Flächen- 
ausdehnung zu verfassen, ist keine geringe. Ab 
gesehen von gewissen technischen Schwierigkeiten, 
zu denen hier der Mangel guter Unterlagspläne 
gehört, welche auf Grund genauer Terrain- und 
Niveauaufnahmen erst angelegt werden müssen, 
sind die Momente, welche die Planverfassung 
bedingen, so mannigfacher und theilweise sich 
widersprechender Natur, dass nicht nur ein Ar 
beiten in großen, weitausblickenden Zügen, son 
dern auch eine subtile Detailarbeit vonnöthen ist. 
Die Rücksichten auf denVerkehr, auf die Gesund 
heitspflege, das Wohnen oder specielle Verwen 
dung einzelner Stadtgebiete, die Forderungen an 
die Schönheit des Stadtbildes, die Rücksichten 
auf die topographische Lage der Stadt, ebenso 
wie auf ihren geschichtlichen und künstlerischen 
Charakter sind nicht bloß in Einklang zu bringen 
mit den gesetzlichen und finanziellen Mitteln der 
Durchführung, sondern auch mit zahlreichen 
öffentlichen und privaten Interessen. Treffend 
sagt in dieser Hinsicht Prof. Karl Mayreder, 
der Chef-Architekt des im Jahre 1894 gegründeten 
»bauamtlichen Bureaus zur Veifassung eines 
Generalregulierungsplanes von Wien« in seinem 
Vortrage »Über Wiener Stadtregulierungsfragen« 
(Wien 1895. Volkswirtschaftlicher Verlag von 
Alexander Dorn): 
»Das Neue, der Fortschritt unserer jetzigen 
Arbeit, ist ein äußerer und ein innerer. Der 
äußere besteht in der generellen Durch 
führung des Planes, wie dies vor der Vereinigung 
der Vororte untereinander und aller mit der 
Großgemeinde Wien nicht möglich war. Der 
große Vortheil centralisierten, einheitlichen Con- 
cipierens für das ganze weite Stadtgebiet liegt 
auf der Hand. 
Der innere Fortschritt besteht in der 
Vertiefung und Erweiterung desjenigen Begriffes, 
den wir mit dem Namen »Städtebau« ver 
binden. Während nämlich viele Städte des Mittel 
alters, besonders in Deutschland und Holland, 
eine unbewusste — oder auch vielleicht be 
wusste — Unregelmäßigkeit zeigen und uns 
ebenso durch ihre Gemüthlichkeit anheimeln, 
wie durch ihren malerischen Reiz ent 
zücken (ich nenne nur Nürnberg, Augsburg, 
Brügge); während viele Städte der Renaissance, 
besonders in Italien und Frankreich, bewusste, 
Fig. 3. Der Platz vor der Karlskirche. Abänderungsvorschlag der Enquéte (1897).
	        
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