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MAK

Full text : Aus der Wagnerschule 1898

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gebene  Voraussetzung  —  alles  geschehen  ist,  auch  die  Gegner  des  Projectes  zu
versöhnen.  Der  zu  einer  ganz  respectablen  Anlage  vergrößerte  Resselpark  vor
der  Technik,  die  Erhaltung  eines  beträchtlichen  Theiles  der  Anlagen  am  rechten
Wienufer  gegenüber  dem  Stadtparke  sind  nicht  hoch  genug  zu  schätzende
Verdienste  des  leitenden  Architekten.  Sie  entschädigen  uns  wenigstens  einigermaßen ­
  für  die  gräulichen  Devastierungen,  die  ein  großer  Theil  der  schönen
Wienanlagen,  von  der  ehemaligen  Elisabethbrücke  abwärts,  erleiden  musste.
Freilich  aber  kann  man  sich  auch  heute  des  Gedankens  nicht  erwehren,  ob  denn
dergleichen  nöthig  war;  ob  nicht  eine  Lösung,  wie  sie  längst  des  Stadtparkes
ausgeführt  wird,  nicht  schon  von  der  Elisabethbrücke  angefangen  hätte  angelegt ­
  und  so  ein  weit  größerer  Theil  des  alten,  herrlichen  Landschaftsbildes
uns  hätte  erhalten  werden  können?  Warum  wurde  die  Bahn  nicht  in  ihrem
ganzen  Verlaufe  unterirdisch  geführt  und  der  alte  Wienfluss  von  der  Elisabethbrücke ­
  abwärts  —  so  gebettet,  wie  jetzt  längst  des  Stadtparkes  an  seinem  Ufer
die  unersetzliche,  alte  Parkanlage,  in  das  Ganze  miteinbezogen  ?
Ein  bemeikenswerthes  Detail  bildet  auch  die  Studie  über  die  Wiederaufstellung ­
  der  Figuren  der  ehemaligen  Elisabethbrücke  (Titelkopf  unseres  Heftes)
längst  des  Bahneinschnittes  zwischen  niederen  Taxushecken  als  ähnlicher  perspectivischer
  Vordergrund  der  Karlskirche  wie  vordem;  ein  weiteres  Detail  die
Studie  des  Architekten  Krieghammer  zur  Brücke  zwischen  Penzing  und  Hietzing,
den  Beginn  der  künftigen  Wienflusseinwölbung  markierend  (Fig.  7).
Die  Textfigur  6  zeigt  uns  den  Regulierungsplan  für  einzelne  Theile  von
Breitensee  und  Penzing  im  XIII.  Bezirke,  im  Anschlüsse  an  die  Voiortelinie
der  Stadtbahn  zwischen  den  Stationen  Ottakring  und  Penzing  gedacht.  Von  der
Station  Ottakring  bis  zur  Haltestelle  Breitensee  läuft  die  Bahn  im  Tunnel,  dann
bis  zur  Goldschlagstraße  im  offenen  Einschnitte  und  übersetzt  als  Hochbahn  die
Linzeistraße.  Die  Übersetzung  der  die  Schmelz  nördlich  begrenzenden  Gablenzgasse
  eifolgt  mittelst  einer  Rampe  und  Brücke  über  die  Station  Ottakring.  Hier
ist  auch  die  richtige  Stelle  für  die  Anlage  eines  sternförmigen  Verkehrsplatzes.
Durch  die  Jubiläumsstiftung  gegründete  Volkswohnungen  sind  hier  im  Entstehen
begriffen;  in  der  Nähe  derselben  die  Anlage  eines  von  Häusern  direct  umschlossenen
staubfreien  öffentlichen  Gartens.  Leider  erfährt  die  organische  Ausgestaltung  dieses
Stadttheiles  eineBeschränkung  durch  die  vom  Kriegsärar  angekauften  großen  Gebiete
für  zwei  mächtige  Kasernenanlagen  und  eine  Cadettenschule  von  140?«  Frontlänge, ­
  welche  Gebiete  noch  dem  früher  projectierten  Blocksystem  entsprechen.
Als  weitere,  Manches  versprechende  Zukunftsbilder  sind  hier  noch  zu  erwähnen: ­
  Das  Project  eines  öffentlichen  Parkes  durch  die  künftige  Auflassung  und
Erweiterung  des  Penzinger  Friedhofes,  das  Project  einer  Brücke  über  die  Westbahn ­
  mit  zwei  seitlichen  Rampen  nach  Penzing  hinab,  das  Project  eines  Boulevards ­
  über  den  einzuwölbenden  Ameisbach  mit  krummliniger  Straßenführung
und  Parkanlagen.  Das  besprochene  Gebiet  liegt  noch  in  jener  Zone,  wo  eine  Verbauung ­
  mit  Parterre  und  drei  Stockwerken  gestattet  ist,  und  dient  so  hauptsächlich ­
  zur  Errichtung  von  Miethäusern.

In  der  gleichen  Zone  liegt  auch  das  in  Fig.  8  dargestellte  Gebiet  im  XL  Bezirk,
zwischen  der  Simmeringer  Hauptstraße,  der  Schlachthaus-  und  Staatseisenbahn. ­
  Auch  hier  musste  auf  die  Ausschaltung  größerer  Complexe  (für  das
Brauhaus  und  einige  Fabriken)  Rücksicht  genommen  und  wegen  der  leichteren
Durchführbarkeit  der  Zug  mehrerer  bestehenden,  kleinen  Gassen  beibehalten
werden.  Die  Hauptadern  dieses  Gebietes  sind:  Eine  sanft  geschwungene,  26/«
breite  Alleestraße,  die  von  der  Hauptstraße  abzweigt  und  durch  den  Damm  der
Staatseisenbahn  nach  Kaiser-Ebersdorf  führt,  sowie  eine  zweite  solche  Straße  längst
dieses  Dammes.  Die  hier  projectierten  Parkanlagen  umfassen  einen  langen
Streifen  längst  des  Dammes  und  zwei  Flächen,  die  sich  an  die  gekrümmte  Mittelstraße ­
  anschließen.
Während  die  Gebiete  Fig.  6  und  8  keine  großen  Terrainschwierigkeiten
aufweisen  und  für  geschlossene  Verbauung  bestimmt  sind,  zeigt  Fig.  9  einen
Regulierungsplan  für  ein  Gebiet  mit  stark  coupiertem  Terrain,  das  für  eine  offene
Bauweise,  also  für  villenartige  Verbauung  (freistehende  Wohnhäuser  mit  Parterre
und  höchstens  zwei  Stockwerken)  bestimmt  ist.  Es  ist  dies  ein  Theil  des  Krottenbachthaies ­
  im  XIX.  Bezirk,  jener  Einsenkung  zwischen  Sievering  und  Pötzleinsdorf,
  in  welcher  der  Krottenbach,  einer  der  großen  Wildbäche  des  Wiener
Gemeindegebietes,  von  Neustift  am  Walde  nach  Döbling  fließt.  Es  besteht  die  Absicht,
die  Einwölbung  des  Krottenbaches,  welche  vom  Döblinger  Friedhofe  abwärts  bereits
durchgeführt  ist,  auch  im  oberen  Theile  auszuführen  und  dann  die  Krottenbachstraße ­
  als  22  m  breite  Alleestraße  bis  Neustift  am  Walde  und  Salmannsdorf  fortzusetzen. ­
  Hierdurch  werden  diese  ländlichen,  höchst  reizvoll  am  Wienerwalde
liegenden  Gebiete  dem  Verkehre  und  damit  einer  besseren  Verwendung  zu  Wohnzwecken ­
  erschlossen  werden.  Auf  Grund  einer  sorgfältigen  Terrainaufnahme
wurden  die,  die  65  r«  hohe  Thallehne  erklimmenden  Straßen,  dem  Terrain  folgend,
mit  ausnahmsweisen  Maximalsteigungen  von  d-^lo  projectiert.  Dabei  ergab  sich
eine  krummlinige,  serpentinenartige  Straßenführung,  die  der  malerischen  Villenverbauung ­
  nur  von  Vortheil  sein  kann.  Die  Anlage  von  öffentlichen  Gärten  dort,
wo  der  Bach  heute  die  größten  Windungen  macht  und  an  den  wichtigsten  Aussichtspunkten, ­
  Vorgärten  mit  mindestens  5  m  Tiefe,  ja  bei  dem  projectierten  Park
nächst  der  heutigen  »Galleranlage«  sogar  von  mindestens  20?«  Tiefe,  damit  die
Blicke  auf  den  Kahlenberg  und  Hermannskogel  nicht  verbaut  werden  können,  werden
das  Gesammtbild  dieser  Villenstadt  der  Zukunft  auf  das  beste  ergänzen.
*
Wenn  wir,  solcherart  in  die  Einzelheiten  mit  ihren  zahlreichen  Schwierigkeiten ­
  eingeweiht,  die  hier  vorliegenden  Studien  und  Entwürfe  zur  Wiener  Stadtregulierung ­
  mit  vorurtheilslosem,  gerechten  Blicke  überschauen,  werden  wir  der
Größe  des  künstlerischen  Könnens  und  technischen  Wissens,  in  deren  wechselseitiger ­
  Durchdringung  das  Gelingen  jedes  Solchen  Werkes  allein  verbürgt  ist,
unsere  volle  Achtung  bezeugen  müssen,  gewiss,  dass  auch  die  Zukunft  dereinst
unser  Urtheil  ratificieren  wird.
Im  April  rSgg.  v.  Felde  gg.
            
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