Schaukler
Der erste Schaukelfauteuil der Gebrüder
Thonet wurde ab 1860 in Koritschan herge
stellt und war von Anfang an für die Produktion
in massiv gebogenem Holz konzipiert. Aus
diesem Schaukler Modell Nr. 1 wurden in den
folgenden Jahren weitere Varianten entwickelt,
die alle auf demselben Konstruktionsprinzip
beruhen: Zwischen zwei identischen Seiten
teilen werden Sitz, Rückenlehne und Verbin
dungstücke montiert. Zu diesen klassischen
Modellen kamen im Laufe der Zeit weitere
Typen hinzu, darunter Stühle auf Kufen sowie
Schaukler auf festem Untergestell, bei denen
die Schaukelfunktion durch zwei jeweils seit
lich angebrachte Stahlfedern trotzdem erhal
ten blieb. 1 Ein äußerst ungewöhnlicher Bug-
holz-Schaukelstuhl entstand 2011 bei einer
Schaubiege-Aktion im MAK: Für ihr Modell
„Erlkönig“ verwendeten die Designer der
Gruppe breadedEscalope einen ausrangier
ten und leicht beschädigten Plastik-Stapel
stuhl, den sie mit selbstgebogenen Buchen
holzlatten in einen brauchbaren Schaukelstuhl
verwandelten. Durch diese Reparaturmaßnah
me entstand ein gleichsam funktionelles Reli-
quiar für das derzeit wohl verbreitetste - und
meist als gewöhnlich und abgeschmackt gel
tende - Sitzmöbel der Welt, den Monobloc. 2
1 Vgl. Chiara Carafa Renzi / Giovanni Renzi / Wolfgang Thillmann:
Thonet rocking chairs, Mailand 2006.
2 Vgl. Sebastian Hackenschmidt: „Aktionistische Fabrikationswege
der Möbelproduktion“, in: Katarina Schildgen (Hg.):
breadedEscalope, Wien 2014, 38-42.
Schaukelfauteuil Nr. 1 Rocking Chair No. 1
Entwurf Design: Gebrüder Thonet, 1860
Ausführung Execution: unbekannt unknown, um ca. 1880/90; Buche, massiv gebogen,
Leder, gepolstert Beech, solid bent, leather, upholstered; MAK H 2199/1969; Schenkung
Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft Donation Federal Chamber of Commerce