MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Das Modell Nr. 4 
Sessel Nr. 4 Chair No. 4 
Entwurf Design: Michael Thonet, Wien Vienna, 1849 
D. G. Fischei Söhne, Niemes Mimon, um ca. 1890; Buche, massiv gebogen, 
Geflecht Beech, solid bent, cane; MAK H 2176/1969; Schenkung Bundeskammer 
der gewerblichen Wirtschaft Donation Federal Chamber of Commerce 
Schaukelstuhl Rocking Chair 
Entwurf und Ausführung Design and execution: unbekannt unknown, USA, 
2. H. 19. Jh. 2nd half of the 19th Century; Buche, massiv gebogen und geschnitzt, 
Geflecht Beech, solid bent and carved, cane; MAK H 2966/1988; Schenkung 
Donation Alexander von Vegesack 
Der Sessel Modell Nr, 4 wurde erstmals 1850 
bei der Ausstellung im Niederösterreichischen 
Gewerbeverein präsentiert. Die erste Lieferung 
datiert vom Sommer 1851: Ein Herr Bartl hatte 
vier Dutzend Sessel und ein Dutzend Fauteuils 
für das Hotel „Zur Königin von England“ in Pest 
(Budapest) bestellt. Im Herbst des gleichen 
Jahres wurde auch Daums Kaffeehaus mit dem 
Modell Nr. 4 ausgestattet. 1 Das ästhetisch an 
sprechende Rückenmotiv dieses Modells er 
freute sich nicht nur bei den europäischen, 
sondern auch bei außereuropäischen Bugholz 
herstellern - vor allem in den USA - großer 
Beliebtheit: Neben der „kühnen“ Schaukel 
stuhl-Konstruktion eines unbekannten Her 
stellers, bei der die Lehnfüllung im unteren Be 
reich nicht mit den Rücklehnholmen verbunden 
ist, findet sich dieses Motiv auch bei den Mö 
beln von Henry I. Seymour, der zudem die glei 
che Hinterbein/Rücklehnkonstruktion wie die 
Gebrüder Thonet verwendete. 2 Allerdings 
wählte er einen einfacheren Sitz und eine an 
dere Art der Beinaussteifung, die offensicht 
lich dem amerikanischen Geschmack entspra 
chen: „Statt sich zu bemühen, mit Thonet-Imi 
tationen die Konsumenten zu verwirren, wie es 
J. & J. Kohn und Fischei in Europa taten, schei 
nen die Produzenten in den USA einem spe 
zifisch amerikanischen Wunsch entsprochen 
zu haben, diese fremden Entwürfe zu domes 
tizieren.“ 3 
1 Diese Chronologie unterscheidet sich von der Darstellung in der 
Thonet’schen Firmengeschichte, nach der das Wiener Cafe Daum 
das erste Etablissement war, welches mit dem Sessel Nr. 4 einge 
richtet wurde. Vgl. Ulrich Löber, „Jakob Henrich, Schreinermeister 
aus Boppard“, darin: Brief des Michael Thonet jr. vom 15. August 
1851, in: Ausst.-Kat. Koblenz 1996: Thonet, Biegen oder Brechen, 
38-42. 
2 Vgl. Barry R. Harwood, “Two Early Thonet Imitators in the United 
States", in: Studies in the Decorative Arts, vol. 2, No. 1 (Fall 1994), 
The University of Chicago Press, 92-113. 
3 Ebd., 105. 
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