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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Die Weltausstellung 1873 in Wien 
Bei der Weltausstellung in Wien 1873 konnten 
die Gebrüder Thonet - die schon an den ers 
ten vier Weltausstellungen in London und Paris 
beteiligt gewesen waren - ihre Erzeugnisse 
erstmals sowohl in der österreichischen als 
auch in der ungarischen Sektion der Gruppe 
8 „Holzindustrie“ präsentieren. 1 Zu sehen war 
eine vollständige Garnitur des ab 1875 in ver 
einfachter Form gefertigten Modells Nr. 15, die 
durch den Salontisch Nr. 8 ergänzt wurde. Die 
Stäbe dieser Möbel waren äußerst aufwendig 
spiralförmig gefräst - unter Umständen als Re 
aktion auf das negative Urteil des bekannten 
Kunsthistorikers Jakob von Falke, der zu den 
Thonet’schen Möbeln geschrieben hatte: 
„Ebenso dürften unsere gebogenen Sessel, 
obwohl sie einige Solidität mit Leichtigkeit 
vereinigen und unter gewissen Verhältnissen, 
z.B. in Kaffeehäusern, sich mit größtem Vor 
theil verwenden lassen, doch für eine künstle 
risch ausgestattete Wohnung nicht zu verwert- 
hen sein, denn sie geben uns nur durchsichti 
ges Geflecht, magere, dünne Stäbe, wo das 
Auge einen bedeutungsvollen, durch Form und 
Farbe ausgezeichneten Gegenstand verlangt.“ 3 
In der ungarischen Abteilung verwies eine Tafel 
mit mehr als 30 Preismedaillen auf die hohe 
Qualität der Thonet’schen Produkte. Dass man 
sich der eigenen historischen Bedeutung be 
reits völlig bewusst war, zeigt auch die Präsen 
tation des Sessels Nr. 4 in einer zusätzlichen 
Ausstellung zum Thema „Geschichte der Ge 
werbe und Erfindungen“. Wie der Thonet-Bio 
graf Hermann Heller dazu schrieb: „Ein solcher 
Sessel aus dem Cafe Daum war zur Veran 
schaulichung der damaligen Herstellungs 
weise in der speziellen Abteilung für die Ge 
schichte der Erfindungen in der Wiener Aus 
stellung 1873 ausgestellt und befindet sich 
heute im Technologischen Gewerbemuseum 
zu Wien.“ 4 
1 Eine umfassende Darstellung der Weltausstellung findet sich in: 
Ausst.-Kat. Wien 2014: Experiment Metropole - 1873: Wien 
und die Weltausstellung. 
2 Allerdings mit glatten Stäben und einfachen Armlehnen. 
3 Jakob von Falke, Die Kunst im Hause, Wien 1873, 287. 
4 Hermann Heller, Von der kleinen Tischlerwerkstätte zum Welt 
industriehaus, Brünn 1926, 20. 
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