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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Verschiedene Möbeltypen 
Bereits Mitte der 1850er Jahre war abzusehen, 
dass die Nachfrage nach den Möbeln der Ge 
brüder Thonet - vor allem was die Ausstattung 
für den öffentlichen Bereich betraf - weiter ra 
sant ansteigen würde. Mit der Erfindung des 
Massivholzbiegens war auch die technologi 
sche Voraussetzung für eine Produktionsstei 
gerung geschaffen, unter der die enormen In 
vestitionen in den Bau einer Fabrik und die An 
schaffung der entsprechenden maschinellen 
Ausstattung rentabel erschienen. 1 So war die 
Einrichtung der ersten Fabrik der Gebrüder 
Thonet in Koritschan „mit einem anfänglichen 
Kostenaufwand von etwa 20.000 Gulden“ 2 
verbunden. Nachdem sich diese Investitionen 
und die Errichtung weiterer Fabriken bis in die 
1870er Jahre als äußerst erfolgreich erwiesen 
hatten, widmete sich das Unternehmen nun ei 
ner Erweiterung der Typenvielfalt. Zum einen 
wurden vermehrt Möbel für die Ausstattung 
des privaten Bereichs angeboten; neben Kin 
derwiegen und Notenständern wurden schließ 
lich sogar Leuchter in Bugholz erzeugt. Ande 
rerseits erweiterte die Firma ihre Produktpalette 
sukzessive auch in Richtung Sportgeräte - et 
wa Schlitten, Skier und Tennisschläger. Diese 
Ausweitungen machen deutlich, dass die Ziel 
gruppe für die Thonet’schen Bugholzmöbel 
nicht, wie oft angenommen, die Arbeiterklasse 
war, sondern die gesellschaftliche Mitte. 3 
1 Vgl. Peter Ellenberg, „Koritschan. Von der Schreiner-Manufaktur 
zur Möbelfabrik“, in: Ausst.-Kat. München 2019: Thonet & Design, 
68-72. 
2 Wilhelm Franz Exner, Das Biegen des Holzes, Leipzig 4 1922, 39. 
3 Vgl. Robert Keil, „The social an cultural context of bent wood and 
metal furniture“, in: Ausst.-Kat. New York 1987: Bent wood and 
metal furniture, 175-196. 
Wiege Nr. 3 Cradle No, 3 
Entwurf Design; J. & J. Kohn, 1898 
Ausführung Execution: J. & J. Kohn, um ca. 1900 
Buche, massiv gebogen Beech, solid bent; 
MAK H 2282/1974
	        
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