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Thonet-Möbel im Lesesaal in der Bibliothek des Österreichischen
Museums für Kunst und Industrie, Wien, um 1910 Thonet furniture in the
library of the Austrian Museum of Art and Industry, Vienna, ca. 1910
Theaterbestuhlung von Thonet im Vortragssaal des Österreichischen
Museums für Kunst und Industrie, Wien, um 1910 Theater seating from
Thonet in the lecture hall of the Austrian Museum of Art and Industry,
Vienna, ca. 1910
Galeristen John Sailer zusammengestellt worden war. 19 Nachdem diese
Ausstellung - eine der ersten in der Nachkriegszeit 20 - noch mehrere
Jahre lang international getourt war, wurden über vierzig Objekte von der
Wirtschaftskammer angekauft und 1969 an die Möbelsammlung des
MAK weitergegeben.
Auch der über siebzig Objekte umfassende Ankauf von Bugholz- und
Stahlrohrmöbeln aus der Sammlung von Alexander von Vegesack, der
Ende der 1980er Jahre abgeschlossen werden konnte, resultierte aus
einer Ausstellung, die im Sommer 1986 im MAK zu sehen gewesen war.
Dem Museum hatte sich mit dem Angebot, einen Teil dieser Kollektion
zu erwerben, die Chance eröffnet, „Versäumnisse in der Ankaufstätig
keit mit einem Schlag aufzuholen“, wie es der Architekturkritiker Otto
Kapfinger seinerzeit formulierte. 21 Durch die substanzielle Erweiterung
der Möbelsammlung - und ergänzt durch einige wichtige Dauerleihgaben
aus der Sammlung Liechtenstein - wurde es zu Beginn der 1990er Jahre
möglich, den Bugholzmöbeln einen eigenen Raum in der Dauerausstel
lung des MAK zu widmen: Der sogenannte Thonet-Raum wurde 1993
im Zuge der Neueröffnung nach der Generalsanierung des Museums
von der Künstlerin Barbara Bloom eingerichtet und ist seither so gut wie
unverändert zu sehen. Die auf Stellwände projizierten Schattenrisse der
Sitzmöbel bilden bis heute eines der Highlights in den künstlerisch in
szenierten Sammlungsräumen des MAK.
Dass die Musealisierung der Thonet-Möbel - nicht nur in Wien 22 - in
größerem Umfang erst ab Ende der 1960er Jahre erfolgte, mag insofern
verwundern, als die funktionalen und ästhetischen Qualitäten der Bug
holzmöbel seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder gewürdigt
wurden. Vor allem progressive Architekten, die in den von ihnen gestal
teten Innenräumen selbst Bugholzmöbel verwendeten - wie etwa Le
Corbusier 1925 in seinem Pavillon de /'Esprit Nouveau - äußerten sich
19 Zu einem Porträt des Sammlers John Sailer vgl. Charlotte Kreutzmayr: „Vom Sperrmüll zum
Sammelobjekt“, in: Parnass 14 (Sonderheft: Möbel), 18. Jg., 1998, 114-116.
20 Den Auftakt zu den Thonet-Ausstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg hatte 1953 das Museum of
Modern Art in New York gegeben, gefolgt von einer Ausstellung an der UCLA 1961 .Vgl. Ausst.-Kat.
New York 1953: Thonet Furniture, 1830-1953, sowie Ausst.-Kat. Los Angeles, 1961: Thonet
19th Century Bentwood Furniture.
21 Otto Kapfinger, „Bugholz und Stahlrohr. Möbel aus der Sammlung Vegesack im Museum für
angewandte Kunst“, in: Die Presse, 25. Juli 1986, 5. Andere Teile der Vegesack'schen Sammlung
wurden auch vom Musöe d’Orsay in Paris, von der Neuen Sammlung in München sowie dem Stadt
museum in Boppard erworben. Zu einem Porträt des Sammlers Alexander von Vegesack vgl. Maleen
Thyrlot, „Von einem, der auszog, Thonets zu sammeln“, in: Schöner Wohnen 3, März 1981, 10.
22 Auch in der Neuen Sammlung in München, die wohl den umfangreichsten musealen Bestand an
Thonet-Möbeln weltweit beherbergt, „erfolgte erst in den 1960er Jahren eine verstärkte Rückschau“
auf die Bugholzmöbel. Josef Straßer, „Thonet in der Neuen Sammlung“, in: Ausst.-Kat. Köln 2019:
Thonet & Design, 8-14:8-10.
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