MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Nochmals leichte Stühle 
Sessel Nr. 91 Chair No. 91 
Entwurf Design: Gebrüder Thonet/August Thonet, um ca. 1890 
Ausführung Execution: Gebrüder Thonet, Koritsohan Korycany, um ca. 1900; 
Buche, massiv gebogen, Geflecht Beech, solid bent, cane; MAK H 2922/1987 
Bereits bei der Herstellung der Laufsessel 
für das Palais Liechtenstein war es ein Ziel 
Michael Thonets gewesen, möglichst leichte 
und zugleich äußerst stabile Stühle herzu 
stellen. Auch nach der Erfindung des Massiv 
biegens kam das Unternehmen immer wieder 
auf dieses Ziel zurück. Ob dies unter den wirt 
schaftlichen Aspekten einer möglichen Mate 
rialersparnis geschah oder aus reiner Experi 
mentierfreude, lässt sich heute kaum noch 
beantworten. Ein äußerst leichter Sessel 
wurde noch Ende des 19. Jahrhunderts ver 
mutlich von August Thonet entworfen - zumin 
dest wurde er unter seiner Mitarbeit ab 1890 
in Bistritz hergestellt: Der Sessel Nr. 91 - 
auch „Lattenstuhl“ genannt - war das erste 
Möbel aus Bugholz, bei dem die Bauteile ei 
nen ovalen Querschnitt hatten. Zur Stabilisie 
rung des aufgrund seiner reduzierten Latten 
etwas fragil anmutenden Möbels dienten zum 
einen der weit nach unten gesetzte Fußreif 1 , 
zum anderen die beiden sich im Rücken kreu 
zenden Latten, welche bis auf den hinteren 
Bereich der seitlichen Zarge heruntergeführt 
wurden und damit die Funktion der Verbin 
dungsarme bei den klassischen Modellen 
übernahmen. Alle Bauteile wurden mit speziell 
gefertigten Schrauben offen verbunden. 
Leichte Stühle waren auch im 20. Jahrhundert 
immer wieder ein Thema. Einer der bekann 
testen Designer leichter Stühle dürfte wohl 
Giö Ponti gewesen sein. Nachdem er 1951 
bereits den an den traditionellen Chiavari- 
Stühlen orientierten „Leggera“ entworfen 
hatte, legte er 1957 mit „Superleggera“ nach: 
Indem er die Beine dreieckig ausbildete, ge 
lang es ihm, das Gewicht noch weiter zu re 
duzieren, ohne an Stabilität einzubüßen. 
1 Nur wenige Jahre später wird dieser Fußring bei einigen Entwürfen 
der Wiener Avantgarde - beispielsweise bei den Modellen für das 
Cabaret Fledermaus - zu einem U-förmigen Bogen, der auf dem 
Boden aufliegt. 
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